Dortmund. Es ist eine schreckliche Bluttat: Ein 24-Jähriger steht unter dem dringenden Tatverdacht, seine Ehefrau (21) mit 70 Messerstichen in Dortmund umgebracht zu haben. Anschließend soll er sein Opfer in einen Koffer gepfercht und in der Nähe einer S-Bahn-Station abgestellt haben.

Polizei Absperrung
Dortmund: 21-Jährige mit 70 Stichen getötet und in Koffer entsorgt

Die 21-jährige Afghanin, wohnhaft in Schweden, war für mehrere Wochen zu Besuch in Dortmund bei einer Bekannten. Am Sonntag ließ die Bekannte das spätere Opfer und die eigenen Kinder alleine in der Wohnung zurück.

Am Mittag sollte ein Freund die Kinder abholen. Als er die Wohnung betritt, entdeckte er überall Blutspuren. Die Kinder sind zwar wohlauf, doch von der 21-Jährigen fehlt jede Spur. Er informiert direkt die Polizei.

Später fällt der Wohnungsinhaberin auf, dass ein Koffer fehlt. Dieser wird im Nachhinein in der Nähe der S-Bahn-Station Lütgendortmund aufgefunden. Darin befindet sich Leiche der brutal erstochenen 21-Jährigen.

Der Tatverdächtige soll gar überlegt haben, die Leiche im Koffer im Zug zu transportieren.

Tatverdächtiger in Zwickau festgenommen

Einen Tag nach der Tat wurde der Ehemann des Opfers in Zwickau festgenommen. Per Hubschrauber wurde er nach Dortmund gebracht. Gegenüber der Polizei in Sachsen hatte er die gewaltsame Tat eingeräumt, erklärte Staatsanwalt Felix Giesenregen gegenüber DERWESTEN. Warum er es getan habe, konnte er zu dem Zeitpunkt nicht sagen.

Der Polizei schilderte er aber, wo er die Leiche abgelegt hatte. Die Polizei rückte daraufhin am Dienstagnachmittag aus und fand den Koffer mit der Toten in einem Garagenhof nahe des S-Bahnhofs in Dortmund-Lütgendortmund.

Beschuldigter wollte wohl Leiche im Koffer mit in Zug nehmen

Die Ermittler gehen aktuell davon aus, dass der Beschuldigte ursprünglich vor hatte, den Koffer mit in den Zug zu nehmen. "Nach unserem Ermittlungsstand war der Mann mit ÖPNV unterwegs", so Staatsanwalt Felix Giesenregen.

Die Ermittler werten nun alle Hinweise, darunter auch Handydaten, aus. Auch führte eine Spur zur Müllhalde. Da die Mülltonnen vor dem Tatort schon geleert wurden, wollten die Polizisten den Müll genauer unter die Lupe nehmen, um möglicherweise die Tatwaffe zu finden. Doch diese Spur führte ins Leere, so der Staatsanwalt.

Der Afghane besitzt eine Aufenthaltserlaubnis und darf eine Beschäftigung in Deutschland ausüben, erklärt Staatsanwalt Felix Giesenregen. Er und seine Frau sollen bereits vor einigen Jahren in Afghanistan geheiratet haben. Allerdings sollen sie bereits nach islamischen Recht geschieden gewesen sein.

Mann macht keine Angaben zum Motiv

Am Dienstag ist der Tatverdächtige aus Zwickau dem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Dortmund vorgeführt worden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dortmund wurde ein Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, seine Ehefrau am Sonntagmorgen in Dortmund-Lütgendortmund getötet zu haben.

Bei seiner Befragung durch die Polizei Dortmund und durch den Haftrichter schwieg der tatverdächtige Ehemann. Erkenntnisse, warum der 24-Jährige seine 21 Jahre alte Frau brutal abgestochen haben soll, gibt es daher bislang nicht. Sein Motiv bleibt nach wie vor unklar.

Asylantrag war abgelehnt worden

Nun gibt es neue Details zu den Umständen des mutmaßlichen Täters. Laut Bild ist der Ehemann des Opfers mit mehreren Alias-Namen unterwegs gewesen. In Deutschland war er wegen eines Abschiebeverbots seiner Familie bis 2020 geduldet gewesen, obwohl sein Asylantrag abgelehnt worden war.

Staatsanwalt stellt klar: "Kein Mordmerkmal vorhanden"

Zu Fragen in sozialen Medien, warum der Haftbefehl auf Totschlag und nicht auf Mord ausgestellt wurde, erklärt er: "Es muss ein Mordmerkmal vorliegen. Da wir aktuell die Hintergründe nicht genau kennen, ist kein Mordmerkmal zu erkennen", so Giesenregen.

Auch 70 Messerstiche seien kein Mordmerkmal, stellt der Staatsanwalt klar. Und betont zugleich: "Das kann sich im Laufe der Ermittlungen noch ändern. Wir haben das im Blick." Die Schwierigkeit sei, dass es nach derzeitigem Stand keine Zeugen für die Tat gebe.

In Paragraf 211 des Strafgesetzbuches heißt es: "Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet." Bei Mord ist eine lebenslange Freiheitsstrafe fällig, im Falle eines Totschlages wird eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren fällig.

mb/ms