Hunderte Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion haben in Paris ein Einkaufszentrum besetzt. Auch in Berlin gibt es bereits Vorboten des angekündigten Protests. Ein Experte hält die Bewegung jedoch für "ein Stück weit aufgeblasen".
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© dpa/Rafael Yaghobzadeh
Demonstranten und Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion haben ein Einkaufszentrum im Südosten von Paris besetzt. Mehrere Hundert Menschen beteiligten sich am Samstag Medienberichten zufolge an dem friedlichen Protest in dem Shoppingzentrum "Italie Deux" im 13. Arrondissement. Die Demonstranten blockierten unter anderem die Zugänge für Kunden und errichteten Barrikaden.

Ziel sei es, das Einkaufszentrum so lange wie möglich zu besetzen, teilte Extinction Rebellion in Frankreich auf Twitter mit. Die Gruppe will damit nach eigenen Angaben die Untätigkeit der Regierungen bei der Bekämpfung des Klimawandels anprangern.


Sogenannte Bürgerversammlungen der Demonstranten würden gemeinsam darüber entscheiden, wie und wie lange der Protest fortgesetzt werde, so die Gruppe. Die Demonstration blieb zunächst friedlich.

Extinction Rebellion (auf Deutsch etwa: Rebellion gegen das Aussterben) kommt ursprünglich aus Großbritannien. Nach eigenen Angaben gibt es die Gruppe seit November vergangenen Jahres auch in Deutschland.

Nach Ansicht des Protestforschers Dieter Rucht ist die Aktivistengruppe hierzulande jedoch bislang relativ klein. "Extinction Rebellion ist ein Stück weit aufgeblasen, mehr Schein als Sein", sagte Rucht. Das zeige sich auch an "vollmundigen Ankündigungen" zur Mitgliederzahl und Anzahl der nationalen Verbände. Die von der Gruppe genannten Zahlen seien "nicht unbedingt durch die Realität gedeckt".

Zu den jüngsten Aktionen von Extinction Rebellion in Berlin sei je nur eine kleine Gruppe von Aktivisten gekommen, erklärt Rucht. Dennoch habe es die Gruppe mit ihren Protestaktionen stets in die Medien geschafft, was für eine gewisse Professionalität spreche.


Kommentar: Es liegt an den Medien, da sie diese Gruppe bewusst für ihre Propaganda in Szene setzen und darüber berichten und hat mit eigener Professionalität nichts zu tun.


Vergleich mit Franchise-System

Rucht verglich den Aufbau der Bewegung mit einem Franchise-System: So genügten wenige Klicks, um auf der Internetseite als Ortsgruppe in Gründung genannt zu werden. Auf diese Weise erweckten die Aktivisten den Eindruck, dass die Bewegung mit vielen Ortsgruppen weltweit präsent ist. "Aber die Präsenz ist weitgehend eine Webpräsenz und keine physische Präsenz."

Ab Montag plant die Gruppe in Berlin und etlichen Städten weltweit Aktionen. Am Samstag begann der Aufbau eines Klimacamps vor dem Kanzleramt. Insgesamt werden demnach mehrere Tausend Menschen in Berlin erwartet. Wie viele schlussendlich in dem Camp übernachten würden, konnte eine Sprecherin der Gruppe nicht sagen. Laut Polizeiangaben waren 6000 Teilnehmer für die Versammlung bis zum 13. Oktober angemeldet.

Extinction Rebellion will am Montag auch den Straßenverkehr in der Hauptstadt behindern - etwa am Potsdamer Platz. "Wir empfehlen Autofahrern, das Auto stehen zu lassen", hatte es am Freitag geheißen. Die Bewegung fordert von der Bundesregierung unter anderem, den Klimanotstand auszurufen und den CO2-Ausstoß bis 2025 auf null zu senken. Text