Die gute Arbeitsmarktentwicklung hilft vielen Deutschen aus den Schulden - und den Berlinern ganz besonders. Laut Schuldneratlas 2011 der Auskunftei Creditreform hat sich die Schuldnerquote in der Hauptstadt in diesem Jahr merklich verringert - von 12,7 im Vorjahr auf 12,3 Prozent. Mit der Schuldnerquote misst Creditreform jährlich, wie viele Menschen überschuldet sind und über längere Zeit ihre Verbindlichkeiten wie etwa einen Auto-Kredit nicht mehr bedienen können.

Was die absolute Verbesserung angeht, zählt die Hauptstadt zwar zu den Gewinnern. Doch an den grundsätzlichen Verhältnissen im Bundesvergleich ändert das nichts. Denn hinter Bremen liegt die Hauptstadt weiterhin auf dem vorletzten Platz. Brandenburg hingegen - dessen Schuldnerquote ebenfalls sehr deutlich zurückgegangen ist - befindet sich mit Blick auf Gesamtdeutschland auf einem bemerkenswerten fünften Platz.

Bundesweit sind laut der aktuellen Creditreform-Stichprobe 6,4 Millionen Menschen nicht in der Lage, ihre Verbindlichkeiten langfristig zu bedienen. Damit hat sich die Schuldnerquote in diesem Jahr leicht auf 9,38 Prozent verringert (2010: 9,50). "Die leichte Verbesserung ist erfreulich, aber wir haben immer noch über sechs Millionen überschuldete Bürger", sagt Michael Bretz, Mitglied der Creditreform-Geschäftsleitung und Leiter der Wirtschaftsforschung. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei mit Abstand der entscheidende Auslöser fürs Schulden machen. Hinzu kämen andere Gründe, etwa persönliche wie Krankheit oder Scheidung. Bei den Auslösern für Überschuldung bezieht sich Creditreform auf den Schuldenreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF), über den die Morgenpost im September bereits berichtete. Die Studie beruht auf der Auswertung der Situation von 13 000 Menschen, die um Hilfe bei einer Schuldnerberatungsstelle baten. Demnach sind Krankheiten mittlerweile der Hauptauslöser für jede zehnte Überschuldung.

Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt konnte nur den leicht Verschuldeten aus der Klemme helfen. Die sogenannte Sockelverschuldung ist trotz der gesunkenen Gesamtquote nach oben geschnellt. Der Anteil derjenigen, die in einer solchen Schuldenspirale stecken, hat sich auf 60 Prozent erhöht. Das heißt, 3,7 Millionen Schuldner befinden sich in einer nachhaltigen Schuldenkrise. Vor fünf Jahren waren das mit 47 Prozent noch deutlich weniger. "In dieser Gruppe stellen sich die Fragen: ,Wird Verschuldung vererbt?' und ,Können sich die Betroffenen überhaupt noch aus diesem Ghetto befreien?'", sagt Wirtschaftsforscher Bretz.

Davon betroffen sind vor allem immer mehr junge Menschen. Mittlerweile ist laut Schuldneratlas mehr als jeder vierte Überschuldete jünger als 30 Jahre. Seit Erhebung der Schuldnerzahlen im Jahr 2004 ist die Zahl der überschuldeten 20- bis 29-Jährigen um 46 Prozent gestiegen. Bei den unter 20-Jährigen explodierte die Zahl förmlich um 358 Prozent.

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