Im französischen Atomkraftwerk Penly ist Alarm ausgelöst worden. Offenbar begann eine Wasserpumpe zu schmoren - Rauchwolken entstanden. Radioaktives Wasser trat aus. Das Akw schaltete sich ab.
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© AFPRauch steigt aus dem Atomkraftwerk Penly auf

Nach einem durch Rauchwolken ausgelösten Alarm ist das nordfranzösische Atomkraftwerk Penly abgeschaltet worden. Nach Angaben des Betreiber-Konzerns EDF wurde die Anlage an der Atlantikküste der Normandie automatisch abgeschaltet. Niemand sei verletzt worden.

Im Laufe des Nachmittages seien die Rauchwolken laut EDF unter Kontrolle gebracht worden.

Jean-Pierre Cacheux, Bürgermeister der Gemeinde Penly, sagte im Interview mit dem Nachrichtensender BFM, weder für die Angestellten noch für die Bevölkerung "habe eine Gefahr bestanden". Er selbst sei am Donnerstagmittag per Telefon vom Betreiber EDF über den Vorfall informiert worden. Eine Wasserpumpe habe zu schmoren begonnen, weil der Mechanik Öl gefehlt habe, sagte er.

"Keine Auswirkungen auf die Umwelt"

Am Abend wurde bekannt, dass auch radioaktives Wasser ausgetreten war. Das Wasser sei aus dem Primärkreislauf entwichen und in für solche Fälle vorgesehenen Behältern aufgefangen worden, teilte EDF mit. Die Kühlung des Reaktors sei nicht gestört und laufe "normal" weiter. Der Austritt des radioaktiv belasteten Wassers habe "keine Auswirkungen auf die Umwelt", betonte der Konzern.

Das Atomkraftwerk Penly am Ärmelkanal besteht aus zwei Reaktorblöcken. Daneben ist auch ein neuer EPR-Druckwasserreaktor geplant.

Sophie Majnoni, Atomkraftwerk-Expertin von Greenpeace Frankreich, sagte BFM, der Vorfall sei bislang einzigartig in der Geschichte der Vorfälle in französischen Anlagen. "EDF muss erklären, warum es diese bedrohlichen Rauchwolken überhaupt gegeben hat." Die Kühlanlagen seien ein sehr sensibler Punkt der Atomanlagen. "Der gesamte Reaktor-Park Frankreichs ist veraltet und Vorfälle sind an der Tagesordnung", so Majnoni.

Vier Fünftel des Stroms aus Atomkraft

Der Vorfall in der 30 Jahre alten Anlage könnte die Debatte um die Zukunft der Atomkraft im Nachbarland zwei Wochen vor der Wahl neu anheizen. Frankreich bezieht vier Fünftel seines Stroms aus Atomkraftwerken und hält auch nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima an der Kernkraft als Hauptenergiequelle fest.

Bislang will die amtierende Regierung von Nicolas Sarkozy an allen 59 Meilen in Frankreich festhalten. Sollte Sarkozys Herausforderer, der Sozialist Francois Hollande, künftig Frankreich regieren, will er den Anteil der Atomkraft langfristig von 75 auf 50 Prozent verringern.

Erst im September war in der südfranzösischen Atomanlage Marcoule ein Ofen in einer Verbrennungsanlage explodiert. Dabei war ein Arbeiter ums Leben gekommen, vier weitere wurden verletzt.

dapd/smb