Die Schlange vor den Suppenküchen der Stadt wird von Tag zu Tag länger. Die griechische Bevölkerung hat zusehends mit Armut zu kämpfen - und reagiert mit teils ungewöhnlichen Maßnahmen.

Athen. Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise verdienen immer mehr Menschen in Griechenland nur das Existenzminimum oder sogar weniger. Im vergangenen Jahr verloren rund 320.000 Griechen ihre Arbeit. In der Folge stehen immer mehr Griechen ohne Zuhause da. In Athen ist laut Bürgermeister Giorgos Kaminis die Zahl der Obdachlosen im vergangenen Jahr um 20 Prozent angestiegen. Die kirchliche Armenhilfe der Athener Diözese meldet eine erhöhte Nachfrage bei Gratis-Essensausgaben. Landesweit gebe man pro Woche etwa 250.000 Mahlzeiten aus. Angesichts des zunehmenden Hungerproblems hat ein Theater in Thessaloniki einen originellen Tauschhandel eingeführt: Anstatt für die Eintrittskarten zu bezahlen, bringen die Theaterbesucher Nahrungsmittel mit. Diese kommen dann sozialen Einrichtungen zugute.

Auch die immer größer werdende Gruppe der Arbeitslosen weiß sich zu helfen: In zahlreichen "Selbsthilfegruppen" organisiert, verweigern sie die Bezahlung von Mautgebühren oder Zugfahrscheinen. Andere sind dazu übergegangen, Lebensmittel direkt von Bauern abzuholen und an die Verbraucher zu liefern - unter Umgehung der immer teurer werdenden Supermärkte.

Wie groß die Verzweiflung der Bevölkerung ist, zeigt auch der Museumsraub von Olympia. Im Februar drangen zwei bewaffnete Räuber in das Museum der Geschichte der antiken Olympischen Spiele ein und stahlen fast 70 Objekte. Obwohl die Griechen schon früher unter Armut gelitten hätten, "wäre niemand auf die Idee gekommen, ein Museum auszurauben", sagte Kulturminister Pavlos Geroulanos. Die Regierung verschärfte daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen für Ausgrabungsstätten und Museen im ganzen Land.