Erstmals seit Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima vor mehr als einem Jahr werden in Japan wieder Atomkraftwerke hochgefahren. Zwei Reaktoren im westjapanischen Ohi sollten wieder ans Netz gehen, teilte Ministerpräsident Yoshihiko Noda mit.
Demo in Tokio
© reuters« Schreckliche Entscheidungen »: Demonstration in Tokio gegen die Wiederinbetriebnahme von Atomkraftwerken.
Dadurch könnte der Weg geebnet werden, trotz Protesten in der Bevölkerung weitere der 50 abgeschalteten Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen. Die Entscheidung wird als Erfolg für die nach wie vor mächtige Atomindustrie in Japan gewertet.

Kurz vor dem Ja der Regierung hatte der Gouverneur der betroffenen Provinz Fukui wie erwartet sein Einverständnis gegeben. Seit Anfang Mai dieses Jahres sind sämtliche 50 einsatzfähigen Reaktoren in Japan abgeschaltet. Das Land erzeugt seinen Strom derzeit mit Thermalkraftwerken.

Warnung vor Stromausfällen

Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen lehnten aus Sorge um die Sicherheit der Meiler ein Wiederanfahren der Reaktoren bisher ab. Doch angesichts von Warnungen der Atomindustrie und der Zentralregierung vor Stromausfällen im Sommer gaben sie ihren Widerstand auf.

Nach Angaben von Kepco, das die Grossstädte Osaka, Kyoto und Kobe versorgt, könnte aufgrund des hohen Strombedarfs für Klimaanlagen der Bedarf das Angebot um bis zu 15 Prozent übersteigen.

Der verstärkte Einsatz von Kohle, Gas und Erdöl zur Stromproduktion erhöht den Kohlendioxidausstoss und die Abhängigkeit des ressourcenarmen Landes von der Einfuhr von Kraftstoffen. Für die Konsumenten steigen die Preise, zudem sind sie angehalten, ihren Verbrauch zu drosseln.

Opposition: «Schreckliche Entscheidungen»

Noda bekräftigte, alles zu tun, um einen Atomunfall wie Fukushima künftig zu verhindern. Bis August will die Regierung einen nationalen Energie-Plan bis zum Jahr 2030 vorlegen, der eine möglichst umfassende Abkehr von der Atomkraft beschreiben soll.

Die Opposition kritisierte die Rückkehr zur Atomenergie. Die Regierung habe «schreckliche Entscheidungen» getroffen, indem sie die Reaktoren von Oi wieder hochfahre, sagte der Oppositionspolitiker Nobuteru Ishihara.

In Japan war das Atomkraftwerk Fukushima bei dem schweren Erdbeben vom 11. März 2011 und dem anschliessenden Tsunami schwer beschädigt worden. Durch den Ausfall der Kühlsysteme kam es zur Kernschmelze, es war der schwerste Atomunfall seit der Tschernobyl- Katastrophe von 1986.

(agenturen/vaid; muei)