Wieder hat die Uefa, bei der Übertragung eines EM-Spiel gefälschte TV-Bilder gezeigt. Die Tränen einer deutschen Anhängerin während des Halbfinales gegen Italien flossen bereits vor dem Anpfiff. Es war nicht die erste, massive Fälschung.
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© unbekanntDeutschland-Fan beim Halbfinale: Die Aufnahme entstand schon vor der Partie.
Die Tore gegen die deutsche Nationalmannschaft durch Italiens Stürmer Mario Balotelli im EM-Halbfinale haben die Fans in Deutschland tief getroffen. Man ahnte schon nach 20 Minuten, als der erste Treffer fiel: Die deutsche Elf, der doch alle den Titel zugetraut haben, fliegt aus dem Turnier. Passend dazu zeigte die ARD in ihrer Liveübertragung eine deutsche Anhängerin auf der Tribüne des Warschauer Nationalstadions, der ein paar Tränen über die schwarzrotgoldenen Wangen kullerten.

Doch diese Bilder waren - wieder mal - manipuliert. Die Tränen der Frau flossen bereits vor dem Anpfiff, als die Präsentation der Mannschaften lief. Die Frau weinte aus "wohliger Rührung", wie sie der Süddeutschen Zeitung bestätigte. Die Uefa spielte die Bilder aber ein, als Balotelli seine Tore gegen die Deutschen schoss - so wurde suggeriert, die Frau weine, weil das deutsche Team auf der Verliererstraße sei.

Die Uefa versorgt die Fernsehstationen mit ihrem sogenannten Weltbild, d. h. die Livebilder von den Spielen werden zentral von einer für die Uefa arbeitenden Agentur geliefert, auf die die TV-Sender keinen Einfluss haben. Schon während der Gruppenphase hatte die Uefa während des Spiels der Deutschen gegen Holland eine Szene mit Bundestrainer Löw manipuliert. Genau wie im Fall mit der weinenden Frau wurde eine Szene, in der Löw einem Balljungen aus Spaß den Ball aus der Hand schlägt, während des Spiels gezeigt, obwohl sich vor Beginn des Spiels ereignet hatte. stern.de hatte die Fälschung damals aufgedeckt. Nach scharfer Kritik des übertragenden ZDF sagte die Uefa zu, derartige Bilder zu kennzeichnen. Genau das tat sie aber im Fall der weinenden Frau wieder nicht.

Die ARD will sich nun bei der Uefa beschweren. Der ARD-Teamchef bei der EM, Jörg Schönenborn, "Wir sind erstaunt und irritiert. Diese Bilder sind für uns so nicht akzeptabel - zumal wir mit der Uefa über diese Problematik vor wenigen Tagen gesprochen hatten. Wir werden jetzt erneut das Gespräch suchen."

Die beiden genannten Fälle sind aber nicht die beiden einzigen. Das Weltbild der Uefa zensierte bei dieser EM häufig Inhalte, um das Bild eines fröhlichen und stimmungsvollen Fußballfestes zu fördern. Alles, was nicht passt, wird systematisch ausgeblendet: Die Bengalos kroatischer Fans, politische Plakate grüner Bundestagsabgeordneter, leere Tribünen oder Flitzer - all das passt nicht zum Hochglanzprodukt Fußball, so wie es die Uefa verkaufen will. Das ist in höchstem Maße bedenklich.