Ermordete aus Lübars
© dpaNach dem Mord an Christin R. bat die Polizei mit Plakaten um Hinweise aus der Bevölkerung.
Berlin - Die Polizei ging lange davon aus, dass der 23-jährige Springreiter Robin H. seine Ex-Freundin im Affekt getötet hat, weil sie sich von ihm trennen wollte. Doch nun staunen die Ermittler über Abgründe, die sich in einem gutbürgerlichen Millieu auftun.

Es ist ein Fall wie aus dem Drehbuch: In Lübars wurde eine junge Frau ermordet. Was sich zunächst als Streit mit tödlichem Ausgang darstellte, entpuppt sich jetzt als Mordkomplott, bei dem es um viel Geld ging. Inzwischen sitzen vier Verdächtige in Haft. Die Ermittler staunen über die Abgründe, die sich in einem vermeintlich gutbürgerlichen Milieu auftun.

Wie berichtet, hatte eine Spaziergängerin am 21. Juni die Leiche der 21-jährigen Pferdewirtin Christin R. am Strandbad Lübars entdeckt. Die Mordkommission ging zunächst davon aus, dass der 23-jährige Springreiter Robin H. die Frau im Affekt getötet hatte, weil sie sich von ihm trennen wollte. Er wurde kurz darauf auf einem brandenburgischen Reiterhof gefasst und sitzt in Haft. Er soll zusammen mit seiner neuen Freundin bei der Tat zugesehen haben.

1000 Euro für den Mordauftrag

Inzwischen scheint klar, dass der Springreiter den Mord in Auftrag gab, um an das Geld von seiner Freundin, von der er sich trennen wollte, zu kommen. „Es war eine perfide geplante Tat“, sagte Oberstaatsanwalt Michael von Hagen am Freitag. Auf die Spur des Mordkomplotts kamen die Ermittler, als sie eine Funkzellenabfrage starteten, um festzustellen, mit wem Robin H. am Tatort telefoniert hatte. Auf diese Weise kamen sie auf weitere drei Personen, die sich zur Tatzeit ebenfalls in der Nähe aufhielten.

Bisher stellt sich der Ablauf für die Polizei wie folgt dar: Hinter dem Rücken seiner Noch-Freundin hatte Robin H. längst eine neue Beziehung mit einer Frau aus Nordrhein-Westfalen: der 26-jährigen Tanja L., von Beruf ebenfalls Pferdewirtin. Mit ihr wollte er einen Pferdehof für Zucht und Turniere aufbauen. Dafür wollte er das Geld aus der Lebensversicherung von Christin R. in Höhe von 245 000 Euro. Erst am 1. Juni hatte sie diese Versicherung abgeschlossen und sah ihn als Begünstigten vor.

Um an das Geld zu kommen, fasste er den Plan, seine Ex-Freundin zu ermorden. Weil er sich das nicht selber zutraute, suchte er einen Mörder. Seine neue Freundin Tanja L. redete mit ihrem 23-jährigen Bruder Sven M. Der wiederum heuerte den ein Jahr jüngeren Steven M. als Killer an. Er kannte ihn von früher aus dem Gefängnis. Der Mörder bekam 1 000 Euro.

Robin H.lockte unter dem Vorwand, sich mit ihr aussprechen zu wollen, Christin R. zu einem Parkplatz am Strandbad Lübars. Dort lauerte der beauftragte Killer im Gebüsch. Da die junge Frau Robin H. misstraute, brachte sie eine Freundin zu dem Treffen mit, weshalb sich der Auftragsmörder zunächst nicht an das Opfer heranwagte. Weil Robin H. eigentlich gar nicht vorhatte, viel zu reden und der Mörder nicht zum Zuge kam, druckste er nur herum, sodass Christin R. und ihre Freundin einfach wieder gingen.

Richter erlässt Haftbefehl

Der Killer war schon auf der Autobahn nach NRW, als ihn ein erneuter Anruf von Robin H. erreichte. Er solle umkehren, es gebe ein neues Treffen. Als sich das zerstrittene Paar erneut auf dem Parkplatz traf, war auch Tanja L. da, die gegenüber der völlig arglosen Christin R. die liebe Bekannte spielte. Im Dunkeln schlich sich der Mörder an und erwürgte das Opfer. Robin H. und seine neue Freundin standen daneben. „Man glaubt eigentlich, wir kennen schon alles. Aber diese Kaltblütigkeit hat uns extrem erschüttert“, sagt die Leiterin der Mordkommissionen Jutta Porzucek. In dem Fall ist noch längst nicht alles ermittelt. So ist noch unklar, ob Christin R. wirklich ihre Unterschrift unter die Lebensversicherungs-Police gesetzt hat oder ob diese gefälscht ist. Unklar ist auch, warum sie dies überhaupt getan haben sollte, wo sie sich doch mit ihrem Freund gestritten hatte.

Zudem gab es offenbar noch weitere Anschläge auf ihr Leben. So war sie im Mai in Robin H.s Haus in Friesack Opfer einer Messerattacke geworden. Angeblich soll die psychisch gestörte Mutter ihr den Stich versetzt haben, was sowohl Christin R. als auch die Mutter selbst der Polizei sagten. „Doch inzwischen haben wir erhebliche Zweifel an der Darstellung“, sagt Jutta Porzucek. Alles deutet darauf hin, dass ein Fremder die Tat, deren Motiv völlig unklar ist, verübt hat. Ein weiterer Anschlag ereignete sich, als sich Christin R. mit Robin H. und Tanja L. in einem Berliner McDonald’s-Restaurant trafen, um über einen Pferdekauf zu reden. Wie die Polizei ermittelte, bekam sie K.-o.-Tropfen ins Getränk, die die Atmung lähmen sollten. Allerdings wirkten sie nicht.

Am Mittwoch wurden Steven M., Sven M. und Tanja L. in Recklinghausen festgenommen. Ein Richter erließ am Donnerstag Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Mordes. Tanja L., die wahrscheinlich aus Liebe zum Springreiter handelte, gestand alles. Robin H., der am Freitag noch nicht wusste, dass das Mordkomplott aufgedeckt ist, bestreitet die Tat.

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