
Ostertimke (RPO). Der Ort ist wie gelähmt. Ostertimke, Ortsteil von Kirchtimke, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Bremen, ist Schauplatz eines Verbrechens geworden. Am Montag machte die Staatsanwaltschaft öffentlich, dass es bereits am Mittwoch zuvor einen grausigen Fund in der Gemeinde im Landkreis Rotenburg/Wümme gab.
Auf dem Dachboden eines Wohnhauses wurden die Leichen zweier Babys entdeckt. Die seit etwa drei Jahren nicht mehr in dem Ort lebende Mutter räumte bei ihrer Vernehmung ein, noch ein weiteres Kind nach der Geburt in der Natur zurückgelassen zu haben. Sie sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.
An dem niedrigen roten Backsteinhaus, in dem die Frau mit ihrer Familie lebte, sind die Jalousien vor den Fenstern am Montag heruntergelassen. Medienvertreter von Fernseh- und Radiosendern belagern die schmale Straße. "Der Mann ist mit den beiden Kindern woanders hingezogen", berichtet eine Einwohnerin, deren Elternhaus ein paar Schritte entfernt liegt. Sie erinnert sich noch gut an den vergangenen Mittwoch. "Erst kam die örtliche Polizei, dann kamen Beamte in weißen Schutzanzügen und dann auch noch ein Leichenwagen", berichtet sie. Ihren Namen möchte sie nicht nennen.
Dem ehemaligen Lebensgefährten der 43 Jahre alten Frau war in der vergangenen Woche Verwesungsgeruch auf dem Dachboden aufgefallen.
Daraufhin stieß er auf einen in Tüten eingewickelten Säugling und verständigte die Polizei, die ein weiteres totes Baby fand. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in dem nur wenige hundert Einwohner zählenden Ort.
"So etwas kann man doch nicht machen"
Dass der Mann etwas von den Geburten und der Tat seiner ehemaligen Lebensgefährtin gewusst habe, glaubt die Ostertimkerin nicht. "Er war oft im Osten beschäftigt und nicht viel zu Hause", sagt sie. "Er kann das gar nicht mitgekriegt haben."
Ein anderer Einwohner sagt: "So etwas kann man doch nicht machen." Er habe die Familie gekannt und "immer schon vermutet, dass da etwas nicht stimmt. Aber was sollte man denn tun?", fragt er. Ein weiterer Passant gibt zu, "geschockt" zu sein. Die näheren Umstände kenne er allerdings nicht. "Ich weiß nur, was im Internet steht", erklärt er.
Der Bürgermeister der Samtgemeinde Tarmstedt, Frank Holle, ist entsetzt. "Ich bin selbst Familienvater und da ist es mir unbegreiflich, wie man so etwas tun kann", sagt Holle. Eine solche Tat sprenge jede Vorstellungskraft. In der Gemeinde Kirchtimke wohnen rund 1.000 Menschen, im Ortsteil Ostertimke sind es etwa 280.
"Es ist sehr klein, da kennt jeder jeden", sagt Holle.
Die Suche nach dem dritten angeblich abgelegten Kind blieb bislang erfolglos.



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