
PraenaTest: Keinerlei medizinische Zwecke?
Laut dem vom Bonner Juristen Klaus Ferdinand Gärditz erstellten Rechtsgutachten dient der Bluttest keinerlei medizinischen Zwecken. Damit sei er laut Gendiagnostikgesetz nicht zulässig, denn die dort zugelassenen vorgeburtlichen Untersuchungen dienten ausschließlich medizinischen Zwecken. Das Down-Syndrom aber sei «weder therapierbar, noch heilbar». Bei dem sogenannten PraenaTest handele es sich zudem um nicht verkehrsfähiges Medizinprodukt, da es die Sicherheit und Gesundheit der Ungeborenen gezielt gefährde, geht ferner aus dem Gutachten hervor.
Test ist "illegal"
Hüppe bezeichnete den Test als «illegal». Es gehe dabei «fast ausschließlich um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom». Bereits heute werde in mehr als 90 Prozent aller Fälle abgetrieben, wenn ein Down-Syndrom beim Kind diagnostiziert wird. Es sei zu befürchten, dass «die Rasterfahndung nach Menschen mit Down-Syndrom noch verstärkt wird», kritisierte der Behinderten-Beauftragte. Er forderte die zuständigen Landesbehörden auf, dafür zu sorgen, dass der Test nicht in Verkehr gebracht wird.
Auch die Vizevorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Ingrid Fischbach und Johannes Singhammer, wandten sich in scharfer Form gegen eine Anwendung des Tests. Der Bluttest ziele nicht auf therapeutische Maßnahmen, «sondern auf den Abbruch der Schwangerschaft», erklärten sie in Berlin. Dieses «Aussortieren von Leben» verstoße gegen die Menschenwürde.
PraenaTest: Im Juli auf dem Markt?
Die Konstanzer Firma LifeCodexx will voraussichtlich noch im Juli den Test auf den Markt bringen, der das Down-Syndrom - auch Trisomie 21 genannt - schon in einer Blutprobe der Schwangeren erkennt und riskante Fruchtwasseruntersuchungen in vielen Fällen überflüssig machen soll. Im Blut von schwangeren Frauen finden sich Teile der Erbinformation des Embryos, die im Labor analysiert und auf Hinweise einer Chromosomenveränderung abgesucht werden. Beim Down-Syndrom liegt das Chromosom 21 drei statt zwei Mal vor. Der Test kann nach Unternehmensangaben die Trisomie «risikofrei» und «zuverlässig» erkennen.
Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery verteidigte hingegen den neuen Bluttest für Schwangere. «Unsere Gesellschaft hat sich für Pränatal-Diagnostik entschieden. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen», sagte er der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post. Daher sei es besser, diesen Bluttest anzuwenden, als eine mit Risiken behaftete Fruchtwasseruntersuchung vorzunehmen.
Kommentar: Deswegen muss das Rad aber nicht weiter gedreht werden, um die Beschreibung des Arztes aufzugreifen.
Für Frauen, bei denen erhöhtes Risiko besteht
Der Bluttest soll zunächst in rund 20 Praxen und Pränatalzentren in Deutschland angeboten werden und rund 1250 Euro kosten. Die Summe müssen die Frauen selbst zahlen. Der PraenaTest ist nach Unternehmensangaben für Frauen ab der zwölften Schwangerschaftswoche gedacht, bei denen ein erhöhtes Risiko für Chromosomenveränderungen beim Embryo besteht. Zudem müssen sich die Frauen gemäß Gendiagnostikgesetz von einem qualifizierten Arzt beraten lassen.
afp, AZ



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