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© Daniel Reinhardt/dpaStephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden
"Du hast hier nichts zu suchen", schrie ein Passant Stephan Kramer auf der Straße an. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden zeigte als Reaktion seine Waffe.

Ein Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland ist nach dem Besuch einer Synagoge in Berlin bedroht worden. Bei dem Opfer handelt es sich um den Generalsekretär der Organisation, Stephan Kramer, der mit seinen beiden Kindern unterwegs war. "Offensichtlich fühlte sich der Täter provoziert durch ein sichtbares jüdisches Gebetsbuch", sagte Kramer.

Der Täter hatte Kramer angepöbelt und ihn mehrfach aufgefordert, "von hier zu verschwinden". Wiederholt sei der Täter ihn "sehr aggressiv angegangen", sagte Kramer. Um den Mann abzuschrecken, habe er ihm dann gezeigt, dass er eine Waffe trage. "Die Waffe hat das Holster nicht verlassen", sagte Kramer. Er habe die Situation lediglich deeskalieren wollen.

Er trage seit mindestens acht Jahren legal eine Pistole zum eigenen Schutz und in seiner Funktion als Sicherheitsbeauftragter des Zentralrates der Juden. Er sei zuständig für den Schutz von Personen und Objekten der Organisation. "Ich habe eine Waffenberechtigung", sagte Kramer.

Polizei ermittelt wegen "wechselseitiger Bedrohung"

Ein Imbissbesitzer, der die Auseinandersetzung beobachtet hatte, rief die Polizei. Beide Männer erstatteten Anzeige. Die Polizei teilte mit, sie ermittele wegen "wechselseitiger Bedrohung". Einen fremdenfeindlichen Hintergrund des Streits wollte ein Polizeisprecher zunächst nicht bestätigen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte den Zwischenfall. "Drohungen auf offener Straße gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger sind unerträglich und absolut nicht akzeptabel", sagte Wowereit. Es gehe alle Bürger etwas an, wenn Menschen in Berlin wegen ihrer Religionszugehörigkeit bedroht oder angegriffen würden.

Vor einem Monat ist bereits ein Rabbiner in Berlin vor den Augen seiner Tochter von Jugendlichen geschlagen und antisemitisch beleidigt worden. Die Polizei hat die Täter bisher nicht fassen können.

ZEIT ONLINE, dpa, AFP