Eine 23 Jahre alte Frau hat gestanden, ihren Sohn nach der Geburt getötet zu haben. Offenbar hat die Mutter den Säugling erstickt. Gegen die Frau wurde ein Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.
Berlin - In der Beerbaumstraße im Pankower Ortsteil Karow hat am Montagmorgen eine Frau ihren Sohn nach der Geburt getötet. Die Obduktion der Leiche am Dienstagmorgen ergab, dass der Säugling lebend auf die Welt kam und dann offenbar erstickt worden ist. Die 23-jährige Mutter sei dringend tatverdächtig, hieß es bei der Polizei. „Die Frau hat die Tat umfassend gestanden“, sagte Justizsprecher Martin Steltner. Die Ermittlungen übernahm eine Mordkommission. Am Abend wurde Haftbefehl wegen Totschlags erlassen, die junge Frau sitzt seither in Untersuchungshaft.
„Obwohl ich sie regelmäßig gesehen habe, wusste ich nicht, dass Julia schwanger ist“, sagte eine Freundin der 23-jährigen Mutter am Dienstagvormittag, als sie von der Tat gehört hatte. Beide Frauen kennen sich aus der gemeinsamen Schulzeit. Auch Anwohner waren überrascht und geschockt, als sie vom Tod des Jungen hörten. Dass die Frau ein Kind erwartet, habe man nicht gesehen, sagte eine Nachbarin.
Julia K. lebte zusammen mit ihren Eltern in einer Wohnung in einem der viergeschossigen Häuser innerhalb der gepflegten Wohnanlage. Der Vater soll den bisherigen Ermittlungen der Polizei zufolge seine Tochter Julia am Montag gegen 5 Uhr nach der Tat im Bad gefunden haben. Die Eltern informierten zunächst eine Ärztin und riefen anschließend die Polizei. Die 23-Jährige wurde von der Feuerwehr in ein Krankenhaus und später zur Vernehmung bei der Mordkommission gebracht.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Julia K. ihre Schwangerschaft verdrängt hat und nach der Geburt vermutlich völlig überfordert war. Sie wusste offenbar nicht, was sie machen sollte und war in Panik, sagte ein Fahnder.
Jährlich werden bis zu 40 Fälle in Deutschland bekannt, in denen Säuglinge getötet werden. In Berlin registriert die Polizei pro Jahr drei bis fünf Fälle. Allerdings vermuten Mordermittler, dass die Zahl der unentdeckten Fälle in den vergangenen Jahren stetig angestiegen ist.
Häufig sind es die Mütter selbst, die ihre Neugeborenen umbringen. Der Grund dafür ist oft, dass der Partner oder die Eltern eine Schwangerschaft ablehnen. Wenn die Polizei die Täterinnen ermittelt, werden die meisten von ihnen wegen Totschlags im minderschweren Fall angeklagt. Die Gerichte billigen den Müttern häufig einen seelischen Ausnahmezustand zu.
Säuglingsmorde gehören für die Ermittler zu den kompliziertesten Fällen, wenn Mütter nicht von sich aus gestehen. Außer der Kleidung, der Tötungsart und dem Fundort haben die Fahnder keinen Hinweis auf die Identität des Kindes. Versierte Rechtsmediziner könnten zwar an der Art und dem Aussehen des Bauchnabels feststellen, wann und in welcher Klinik der Säugling auf die Welt kam. Aber das sei schon alles, so Fahnder. Mütter, die die Nabelschnur selbst durchtrennen, seien schwer zu ermitteln. In Berlin hatte zuletzt im November 2011 in Charlottenburg eine Mutter ihren Säugling getötet und aus dem Fenster geworfen.
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