
© nasaAuch die Internetseite funktioniert nicht mehr.
Ob einfache Aufseherposten im Museum oder anspruchsvolle Jobs bei der NASA: Der Haushaltsstopp in den USA hat Folgen, Arbeiter werden in Zwangsurlaub geschickt. Sie hoffen auf schnelle Rückkehr.Seit Dienstagfrüh geht fast nichts mehr im öffentlichen Dienst der USA. Die gescheiterte Einigung der beiden Kammern im Kongress über einen Haushaltsentwurf haben dazu geführt, dass nahezu alle Mitarbeiter des Bundes für unbestimmte Zeit in einen Zwangsurlaub geschickt wurden - ohne Bezahlung.
Die Zwangspause trifft vor allem die Mitarbeiter der niedrigeren Dienstgrade wie Nationalparkwächter, Erzieherinnen in staatlichen Vorschulprogrammen oder Museumskräfte.
"Wie's weitergehen soll, weiß ich nicht"Der werdende Vater Darquez Smith zum Beispiel arbeitet als Aufseher im Motorflugmuseumspark in Dayton in Ohio und hangelt sich finanziell von Monat zu Monat. Wie viele junge Amerikaner finanziert der 23-Jährige sein College-Studium selbst und hat eine finanzielle Dreifachbelastung: "Die Ausbildung, meine Tochter, die Rechnungen", zählt er auf. "Wie's weitergehen soll, weiß ich nicht, ich warte erst einmal ab wie alle anderen", sagt er.
Es fehlt nicht an Geld, sondern an der Bereitschaft, es auszugeben. So fließt die Nothilfe für die Opfer der Septemberüberschwemmung in Colorado weiter, aber die staatlich bezahlten Bauarbeiter dürfen nicht zur Arbeit gehen, solange die verzankten Kongresskammern sich nicht einigen. Dadurch verzögern sich auch die Hilfsmaßnahmen für die Geschädigten der Naturkatastrophe. Nur die Mitarbeiter der Nationalgarde und aktive Soldaten werden weiterbezahlt, selbst Zivilangestellte der amerikanischen Streitkräfte dürfen nicht weiterarbeiten. Dagegen läuft die Auslieferung der Post weiter und auch die bereits existierenden staatlichen Gesundheitseinrichtungen dürfen ihre Türen offenhalten.
Wer arbeiten darf und wer nicht, scheint willkürlichWer arbeiten darf und wer nicht, scheint willkürlich: Sollte ein Flugzeug abstürzen, dürfen derzeit die Mitarbeiter der US-Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nicht ausrücken. Auch die Weltraumbehörde NASA sperrt ihre Mitarbeiter aus - lediglich die Missionskontrolle im texanischen Houston darf die virtuelle Nabelschnur zur Internationalen Raumstation ISS aufrecht halten. Die Smithsonian-Museen in Washington bleiben zu, ebenso wie der Zoo. Sogar die Webcam im Pandahaus wurde abgeschaltet, dort war Ende August ein Bärenjunges zur Welt gekommen.
Die Touristin Emily Enfinger hat gerade noch schnell die Freiheitsstatue in New York besucht, bevor auch dort die Türen zugingen. Sie ist sauer auf die Politiker: "Die sollten ihren Willen zeigen, sich zu einigen, und zwar beide Seiten. Mich entmutigt es, dass sie dazu offenbar nicht in der Lage sind", sagt sie. "Die machen einfach nicht ihren Job, wenn sie mich fragen."
Der Streit ist "total schräg"Die Australierin Marlena Knight befällt eine bestürzte Faszination, weil sich die US-Politiker ausgerechnet über die Einführung einer obligatorischen Krankenversicherung streiten. In ihrem Land ist die Gesundheitsversorgung ein nicht verhandelbares Gut: "Wir können uns gar nicht mehr vorstellen, kein staatliches Gesundheitssystem zu haben", sagt sie. Für sie ist der Streit "total schräg".
Es ist nicht das erste Mal, dass den USA der völlige Stillstand des öffentlichen Dienstes droht. Das Szenario wurde immer wieder als Druckmittel eingesetzt, aber in den vergangenen 18 Jahren haben sich die beiden großen amerikanischen Parteien oft in letzter Minute zusammengerafft.
Für Dienstag wurde den Mitarbeitern noch erlaubt, morgens zur Arbeit zu kommen und ihre Anrufbeantworter und E-Mail-Accounts mit Abwesenheitsnotizen zu versehen. Aber selbst das Lesen der elektronischen Post wurde ihnen bereits strikt verboten. Wie lange die Zwangspause dauern wird, steht völlig in den Sternen. Aber die Zeit drängt: Am 17. Oktober ist voraussichtlich die gesetzlich festgelegte Schuldenobergrenze erreicht, und ohne Einigung ist das Land dann de facto pleite.
mei, AP
Kommentar: Der Zeitpunkt ist interessant, wo sich Komet ISON nähert und es fast täglich Feuerbälle regnet.