Was wir fürchten, nehmen wir stärker wahr

Für ihre Studie ließen die Mannheimer Psychologen Georg Alpers und Antje Gerdes jeweils 20 Menschen mit und ohne Spinnenphobie einen speziellen Sehtest machen. Dabei wurde den Testpersonen auf das linke Auge ein anderes Bild projiziert als auf das rechte. Das eine war eine geometrische Figur, das andere entweder eine Spinne oder eine Blume. Damit waren die Testpersonen jedoch überfordert. "Es ist nicht möglich, dauerhaft zwei verschiedene Bilder gleichzeitig wahrzunehmen. Sie stehen in einem Wettstreit, den das Gehirn zu Gunsten eines Bildes entscheidet - ohne, dass wir darauf bewusst Einfluss nehmen können“, erklärt Professor Alpers in einer Pressemeldung der Universität Mannheim.
Angstbilder haben eine starke emotionale Wirkung
Bei den meisten Phobikern wurde erst das Spinnenbild und dann erst die geometrische Figur wahrgenommen. Sie nahmen das Spinnenbild früher, länger und dominanter wahr. Menschen ohne Spinnenangst dagegen sahen das Krabbeltier im Schnitt nur halb so oft wie die Phobiker. In der Gegenüberstellung des Blumenbildes mit der geometrischen Figur gab es jedoch keine solchen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.
Fazit: Menschen mit Angst nehmen das Bild der Spinne früher, länger und damit dominanter wahr als gesunde Probanden. Die Mannheimer Wissenschaftler führen das Ergebnis auf die emotionale Bedeutung der Spinnen für die Patienten zurück. "An der Instanz im Gehirn, wo entschieden wird, welches Bild Einzug in die bewusste Wahrnehmung erhält, spielen Emotionen wie Angst offenbar eine große Rolle“, erklärt Dr. Gerdes. "Das Spinnenbild gewinnt bei Menschen mit Phobie dadurch früher und häufiger den Wahrnehmungswettstreit gegen das neutrale Bild."



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