Wie wir auf andere Menschen reagieren, hängt entscheidend davon ab, ob diese auf der gleichen oder einer anderen Position in der sozialen Hierarchie angesiedelt sind. Am stärksten ist die Reaktion auf Personen gleichen Ranges.
Hirnaufnahmen
© C. Zink/NIMH Genes Cognition and Psychosis ProgramAnhand solcher Aufnahmen haben Wissenschaftler die Reaktionen ihrer Probanden auf andere Personen mit unterschiedlichem sozialen Status untersucht.

Der eigene soziale Status beeinflusst entscheidend, wie stark man auf Menschen reagiert, die auf der gleichen oder einer anderen Position in der sozialen Hierarchie angesiedelt sind.

Darauf deuten Versuche hin, die ein Forscherteam um Caroline Zink vom National Institute of Mental Health in Bethesda in den USA jetzt in der Fachzeitschrift Current Biology (online) publiziert hat. Sie bestätigen mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren ein altes Sprichwort: Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Für die Studie mussten die Versuchsteilnehmer jeweils zwei Fotografien von Menschen mit höherem oder niedrigerem sozialen Status bestimmten Fragen zuordnen, etwa: "Welche Person wurde mehrmals gefeuert?" oder "Welche Person hat eine Eliteuniversität besucht?" Zugleich beobachten die Forscher mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) das sogenannte ventrale Striatum im Bewertungssystem des Gehirns.

Von dieser Hirnstruktur weiß man, dass sie aktiver wird, wenn einer anderen Person stärkere soziale Beachtung gegeben wird. Bei der Auswertung der Daten ergab sich, dass entgegen naheliegender Vermutung nicht automatisch der sozial höher Gestellte für wichtiger gehalten wird.

Vielmehr unterschied sich das Interesse der Probanden je nachdem, wie sie selber ihren Status einschätzten: Nur bei denen, die sich in einer gehobenen sozialen Position wähnten, war das ventrale Striatum besonders aktiv, wenn sie mit der Fotografie einer sozial höher gestellten Person konfrontiert wurden. Bei Probanden mit subjektiv niedrigem Status war das Interesse eher auf Personen mit niedrigerem Status ausgerichtet.

Für die Forscher waren diese Ergebnisse weniger überraschend, weil ähnliche schichtabhängige Interessenlagen bereits von Affen bekannt sind - mit einem interessanten Unterschied: Bei nichtmenschlichen Primaten beachten die niedrig gestellten Tiere auch den dominierenden Oberaffen. Zu klären ist nun, ob sich Menschen von diesem Verhalten emanzipiert haben.