Seltener Fund: In der Schweiz haben Forscher eines der größten Meteoriten-Streufelder Europas entdeckt. Auf einer Länge von fünf Kilometern fanden sie schon jetzt mehr als 600 Meteoriten-Fragmente. Die Bruchstücke stammen Eisenmeteoriten, der vor rund 160.000 Jahren in der Atmosphäre zerplatzte. Spannend auch: Dieser Meteorit gehörte einem extrem seltenen Typ an, weltweit gibt es davon nur sechs Funde.

600 Fragmente über fünf Kilometer verstreut
Ein besonders großes Streufeld haben nun Wissenschaftler des Naturhistorischen Museums Bern gemeinsam mit rund 50 Meteoritensammlern entdeckt. Es liegt im Gebiet des Twannbergs, nahe der Schweizer Stadt Biel. Dort haben die Forscher während der letzten drei Jahre bereits rund 600 Meteoriten-Fragmente mit einem Gesamtgewicht von 72,5 Kilogramm gesammelt. Sie schätzen aber, dass die Gesamtzahl in den nächsten Jahren weiter steigen wird.
Die Bruchstücke erstrecken sich über ein Gebiet von fünf Kilometern Länge, könnten aber nach Schätzungen der Forscher auf über 15 Kilometern Länge verteilt sein. Schon jetzt gehört dieses Streufeld damit zu den größten bekannten Meteoriten-Streufeldern in Europa.

Spannend auch: Analysen der Meteoriten-Fragmente ergaben, dass der Twannberg-Meteorit ein sogenannter IIG-Eisenmeteorit war. Er gehört damit zu einem äußerst seltenen Typ und ist der erste Fund eines solchen Meteoriten in Europa. Weltweit gibt es davon erst sechs anerkannte Funde - aus den USA, Chile, Südafrika und jetzt auch der Schweiz.
Das Eisen dieser Meteoriten enthält nur sehr wenig Nickel und hat eine kubische Struktur. Diese Meteoriten zeigen daher beim Anätzen oft nicht das typische Widmannstätten-Muster, sondern stattdessen feine parallele Linien. Außerdem enthalten diese Eisenmeteoriten das extrem seltene phosphatreiche Mineral Schreibersite. Auf der Erde wurde es bisher nur auf der grönländischen Disko-Insel gefunden.

Der Twannberg-Meteorit hatte wahrscheinlich einen Durchmesser von sechs bis 20 Metern, wie die Forscher aus den Edelgasgehalten der Fragmente schließen. Er hatte eine Masse von 1.000 bis 30.000 Tonnen und ist damit der größte bekannte Meteorit der Schweiz - und einer der größten Eisenmeteoriten weltweit.
Die Untersuchungen ergaben, dass der Meteorit vor rund 160.000 Jahren in die Erdatmosphäre eingetreten sein muss. Bei rasenden Flug durch die Luft heizte er sich enorm auf und wurde dann noch vor seinem Einschlag in unzählige Stücke gerissen. Die Bruchstücke dieses Asteroiden fielen dann über dem Schweizer Jura im heutigen Kanton Bern zu Boden.
(Naturhistorisches Museum Bern, 19.08.2016 - NPO)



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