Entgegen der vielen Erwartungen - ein zweites Afghanistan ist der Syrien-Einsatz für Russland nicht geworden. Das schreibt die israelische Zeitung "Haaretz". Statt im Krieg zu versumpfen, hat sich Moskau zu einer internationalen Größe aufgeschwungen.
"In Syrien ist jetzt Russland Herr der Lage" sagte der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates kürzlich auf einer Konferenz in Kiew. Dies sei Teil des "Putin-Plans", um Russland wieder auf den Stand eines international unverzichtbaren Partners zu hieven.

"Auf der gleichen Konferenz vor zwei Jahren - Russlands Syrien-Einsatz kam gerade erst ins Rollen - herrschte der Konsens: Putins zentrales Ziel sei es, einen Hebel zu bekommen, um Einfluss auf den Westen ausüben zu können. Dies sollte ihm ermöglichen, seine Ziele in der Ostukraine zu erreichen. Doch hat das nicht funktioniert", schreibt das Blatt.

Bei den Verhandlungen mit dem Westen bot Russland dann tatsächlich "eine Zusammenarbeit bei der Terror-Bekämpfung in Syrien" an. Im Gegenzug wollte Moskau, dass der Westen seine Sanktionen lockert.

"Wir haben abgelehnt", zitiert das Blatt einen Diplomaten, der an den damaligen Verhandlungen teilnahm. "Sie waren ja daran interessiert, dass wir gemeinsam gegen den Terror kämpfen. Wozu hätten wir dann in der Ukraine Zugeständnisse machen sollen?"

Jetzt, zwei Jahre später sei die Lage in der Ostukraine immer noch unübersichtlich. Syrien hingegen sei eine echte Erfolgsgeschichte, schreibt das Blatt weiter. Und das ist noch nicht alles: "Syrien ist zu einer Art Showroom für neueste russische Waffen geworden, die anderen Ländern zum Kauf angeboten werden."

Das Fazit: "Seine Truppen abzuziehen, hat Russland noch nicht vor - obwohl die Intensität der Kämpfe nachlässt. Zunächst wird Moskau dort Marine- und Luftwaffenstützpunkte einrichten. Dann wird Putin die Rolle des Friedensstifters übernehmen wollen: Zwischen dem Iran, der Türkei und den Kurden. Und auch zwischen den sunnitischen Golfmonarchien und der schiitischen Achse des Irans. Danach schafft es vielleicht das Unmögliche: Es erreicht einen gewissen Kompromiss zwischen Israel und dem Iran - wer weiß? Russlands Machtstellung in Syrien ist jedenfalls der Schlüssel zu all dem."

Dabei mache sich der russische Präsident durchaus bewusst: Sein Erfolg in Syrien werde auch durch jenes Vakuum bedingt, das der ehemalige US-Präsident Barack Obama hinterlassen habe wie auch durch die Untätigkeit Trumps.