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Muttermilch ist die beste Nahrung für einen Säugling. Dennoch stillen viele Mütter ihre Kinder viel zu kurz. Anlässlich der Weltstillwoche wird dazu aufgerufen, stillende Frauen mehr zu unterstützen.
Gut verdaulich und hygienisch einwandfrei: Muttermilch ist die beste Nahrung für Babys

Muttermilch ist die natürliche Nahrung für Säuglinge: gut verdaulich, hygienisch einwandfrei und richtig temperiert. Doch leider stillen viele Mütter ihr Baby viel zu kurz. Anlässlich der Weltstillwoche informieren Experten darüber, wie wichtig die Muttermilch für den Nachwuchs ist.

Beste Ernährung für Säuglinge

Stillen gilt als die beste Ernährung für einen Säugling, denn in der Muttermilch befinden sich in optimaler Zusammensetzung alle Nährstoffe, die das Kind in den ersten Lebensmonaten braucht. Die Milch ist "gut verdaulich, hygienisch einwandfrei und richtig temperiert", schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Mitteilung. Doch längst nicht alle Kinder werden lange genug gestillt. Unter dem Motto "Stillen unterstützen - gemeinsam!" ruft die diesjährige Weltstillwoche dazu auf, stillende Frauen in unserer Gesellschaft mehr zu unterstützen.

Gesundheitliche Vorteile für Kinder und Mütter

In wissenschaftlichen Untersuchungen zeigte sich, dass Stillen positiv für die Entwicklung des kindlichen Immunsystems ist. Zudem kann Stillen laut Studien vor Allergien schützen und das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes-Typ-2 mindern.

Wichtig ist es insbesondere während der ersten sechs Monate des Lebens. Es hilft unter anderem auch, Durchfall zu verhindern.

Mütter, die stillen, haben Experten zufolge ein reduziertes Risiko für Eierstock- und Brustkrebs. Darüber hinaus hat sich in einer Studie gezeigt, dass Stillen Mütter langfristig vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt.

Doch obwohl Stillen viele gesundheitliche Vorteile für die Entwicklung von Kindern hat, werden nur etwa vierzig Prozent aller Babys in den ersten sechs Monaten ihres Lebens ausschließlich gestillt.

"Kein Land der Welt erfüllt die empfohlenen Standards für das Stillen", schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer Mitteilung.

Babys insbesondere in den ersten sechs Lebensmonaten stillen

Auch hierzulande müsste mehr unternommen werden, um der Bevölkerung vor Augen zu führen, wie wichtig Stillen ist. Darauf weist der Deutsche Hebammenverband im Rahmen der Weltstillwoche unter dem Motto "Stillen fördern - gemeinsam" hin.

"Die Forderung, dass in Deutschland mehr für die Gesundheit von Frauen und Familien getan werden muss, beinhaltet insbesondere in den ersten Lebensmonaten eines Kindes die Möglichkeit zu stillen", so Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands, in einer Mitteilung.

"Und zwar unabhängig davon, ob dies öffentlich oder im privaten Raum geschieht."

Doch leider berichten Frauen immer wieder über negative Erlebnisse nach dem Stillen in der Öffentlichkeit.

Eine vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Auftrag gegebene Studie zeigt laut dem Verband, dass Stillen in der Öffentlichkeit umso positiver aufgenommen wird, je mehr über die gesundheitlichen Vorteile bekannt ist.

Stillende Frauen müssen wertgeschätzt werden

Ein gesellschaftliches Klima, in dem stillende Frauen sich wertgeschätzt und akzeptiert fühlen, ist für den Stillerfolg ebenso wichtig wie individuelle, fachkundige Unterstützung, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Mitteilung anlässlich der Weltstillwoche. Stillen als Normalität ist das Ziel.

Die Nationale Stillkommission am BfR weist auf zwei neue Forschungsprojekte zum Stillen in Deutschland hin.

Im international angebundenen Projekt "Becoming Breastfeeding Friendly" (BBF) wird erstmals der aktuelle Stand der Stillförderung in Deutschland umfassend analysiert. Eines der acht Handlungsfelder dieses Projektes untersucht, welchen Stellenwert das Thema "Stillen" in den deutschen Medien hat.

Neben diesem Projekt wird zudem ein von der Nationalen Stillkommission vorgeschlagenes Folgeprojekt der vor 20 Jahren durchgeführten bundesweiten "SuSe"-Studie ("Stillen und Säuglingsernährung") gestartet.

Die groß angelegte Studie "SuSe II" erhebt umfassende Daten zur Stillhäufigkeit sowie zu Einflussfaktoren auf das Stillverhalten und auf die Ernährung von Säuglingen.

Wie stillfreundlich ist Deutschland?

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat das Netzwerk "Gesund ins Leben" und die Nationale Stillkommission beauftragt, das Vorhaben "Becoming Breastfeeding Friendly" (BBF) in Zusammenarbeit mit der Universität Yale für Deutschland durchzuführen.

Dabei untersucht eine Expertenkommission unter anderem, wie stillfreundlich Deutschland ist. Ein Schwerpunkt ist hierbei die Analyse, wie deutsche Medien über das Thema Stillen berichten und in welchem Umfang und über welche Kanäle Prominente öffentlichkeitswirksam für das Stillen werben.

Auf Basis der Ergebnisse schlägt die Expertenkommission dann Maßnahmen vor, um das gesellschaftliche Klima in Deutschland stillfreundlicher zu gestalten.

Des Weiteren startete kürzlich das von der Nationalen Stillkommission vorgeschlagene Folgeprojekt der im Jahr 1997/1998 durchgeführten "SuSe"-Studie. "SuSe II" soll zeigen, ob und wie sich das Stillverhalten und die Säuglingsernährung in Deutschland seither entwickelt haben.

Dazu werden ca. 170 Geburtskliniken und 1.500 Mütter befragt. Die auf zwei Jahre angelegte Studie wird vom Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE) der Universitätskinderklinik Bochum durchgeführt und vom BMEL gefördert.

Auftraggeber ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Forschungsergebnisse sind Grundlage für gesundheits- und ernährungspolitische Maßnahmen und sollen die praxisnahe, professionelle Beratung junger Familien zum Stillen und zur Säuglingsernährung erleichtern.

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