© Maxime Aliaga
Eine eigene Orang-Utan-Art: Pongo tapanuliensis.
Batang Toru (Sumatra) - Im Batang-Toru-Wald im westlichen Sumatra haben Forscher eine dritte Art von Orang-Utans beschrieben. Die zugleich auch schon vom Aussterben bedrohte Art ist damit die erste seit mehr als 80 Jahren entdeckte Art von Menschenaffen. Die Entdeckung ist auch aus kryptozoologischer Sicht von Bedeutung.

Wie das Team um den Anthropologen Erik Meijaard von der Naturschutzorganisation Borneo Futures in Jakarta und Alexander Nater von der Universität Zürich aktuell im Fachjournal Current Biology (DOI: 10.1016/j.cub.2017.09.047) berichtet, stammen die ersten Berichte über die isoliert auf der indonesischen Insel Sumatra lebende Orang-Utan-Art aus den 1930er Jahren. Die jetzt auch wissenschaftlich beschriebenen und damit bestätigten Menschenaffen erhielten den Namen Pongo tapanuliensis. Mit ihrer Beschreibung der Primaten selbst warnen die Forscher zugleich vor der akuten Bedrohung des Lebensraums der Tiere.

Wie die Wissenschaftler berichten, handelt es sich bei den Tapanuli-Orang-Utans um eine Population aus weniger als 800 Individuen, die in den Batang-Toru-Wäldern im westlichen Sumatra leben. Schon eine erste Expedition Meijaards entdeckte in den 1990er Jahren die Überreste eines Orang-Utan-Weibchens und stieß auch auf die charakteristischen Nester, die auf die Population hindeuteten. Als dann Einwohner 2013 ein männliches Tier töteten, hatten die Forscher erstmals auch verwertbare Knochen- und Gewebeproben zur Verfügung.

Tatsächlich zeigte sich schon früh, dass diese Orang-Utans anders aussahen, als Vertreter der bereits bekannten zwei Arten: Ihre Körper waren kleiner, ihre Gesichter flacher und ihr Fell krauser als das von Orang-Utans im nördlichen Sumatra (Pongo abelii) oder auf der Nachbarinsel Borneo (Pongo pygmeaeus).

Anhand von genetischen Analysen, Feld- und vergleichenden Studien konnten die Wissenschaftler die Orang-Utans im westlichen Teil Sumatras nun endgültig als eigene Art - Pongo tapanuliensis - bestätigen.

Umfangeiche Computermodellierungen zur Rekonstruktion der Populationsgeschichte zeigen, dass die Tapanuli-Population für mindestens 10.000 bis 20.000 Jahre von allen anderen auf Sumatra lebenden Orang-Utans isoliert war. "Die älteste evolutionäre Linie in der Gattung Pongo findet sich tatsächlich bei den Tapanuli-Orang-Utans. Sie sind daher wahrscheinlich die direkten Nachkommen der ersten Population im Sunda-Archipel", erläutert Alexander Nater. Verhaltensbeobachtungen sowie ökologische Studien belegen diese genetischen und morphologischen Analysen.

Mit kaum mehr als 800 Exemplaren ist die Tapanuli-Population die am meisten bedrohte Menschenaffenart überhaupt. Die Forscher warnen deshalb auch abschließend: "Wenn nicht früh genug Maßnahmen eingeleitet werden, um gegenwärtige und zukünftige Bedrohungen zu reduzieren, und um jedes noch verbleibende Waldstück zu bewahren, stirbt eine Menschenaffenart bereits in wenigen Jahrzehnten aus."

+ + + GreWi-Kommentar

Fund und Nachweis der bislang wissenschaftlich nicht beschriebenen Menschenaffenart zeigt einmal mehr, dass es durchaus möglich ist, dass bislang unbekannte und zudem vergleichsweise kleine Populationen großer Menschenaffen bis in die heutige Zeit nahezu unentdeckt und wissenschaftlich nicht beschrieben, selbst auf einem begrenzten Lebensraum überlebt haben können, wie sie noch bis vor wenigen Jahen lediglich anhand von Augenzeugenberichten bekannt waren, die von vielen als Mythen und Legenden abgetan wurden. Ähnlich könnte es sich auch im Falle der angeblich in den nordamerikanischen Wäldern lebenden aufrechtgehenden Primaten verhalten, die weithin als Bigfoot und Sasquatch bekannt sind. Auch hier liegen neben den Legenden und zahleichen Augenzeugenberichten, zahlreiche Funde von Fußabdrücken und potentielle Schlafnester vor. Was bislang noch fehlt, sind aussagebkräftige Knochen- und Gewebeproben, wie sie aber auch im Falle der jetzt beschriebenen Tapanuli-Orang-Utans erst seit wenigen Jahren vorliegen, obwohl die Art schon seit mehreren zehntausend Jahren existiert...