Auswirkungen von Gylphosat
Deutschlandweit verzichten bereits 90 Städte und Gemeinden auf Glyphosat und andere Pestizide bei der Pflege ihrer Grün- und Freiflächen. Um diesen Einsatz zu dokumentieren und zu würdigen, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine interaktive Karte dieser pestizidfreien Kommunen veröffentlicht.

"Mit dem Bekenntnis zur pestizidfreien Kommune kommen die Kommunalpolitiker ihrer Verantwortung für Menschen und Umwelt nach. Sie zeigen, es geht auch ohne Glyphosat", sagte Corinna Hölzel, BUND-Pestizidexpertin und Leiterin des Projekts "Pestizidfreie Kommune".

Nach dem unlauteren "Ja" des Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt, das für die Glyphosat-Wiederzulassung in Brüssel sorgte, sei es umso wichtiger, das vorbildliche Engagement der Kommunalpolitiker bekanntzumachen, so Hölzel.

Glyphosat gilt laut Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen und ist mitverantwortlich für das dramatische Insektensterben und den Verlust der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft.

Das Totalherbizid vernichtet alle Wildkräuter und entzieht dadurch Insekten die Nahrungsgrundlage und den Lebensraum. Das Insektensterben wiederum gefährdet auch andere Tierarten und letztlich die Lebensmittelproduktion für Menschen, denn rund zwei Drittel der Kulturpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen (Deutschland beschert Europa Glyphosat bis 2022).

"Sowohl in der Landwirtschaft als auch in den Kommunen und in Hobbygärten gibt es umweltfreundliche Alternativen zu Glyphosat, die Insekten wie Bienen und Wildbienen nicht gefährden. Blütenreich und ohne Gift - das sollte das Motto aller Städte und Gemeinden sein. Städte erfüllen viele Funktionen. Sie sind Orte der Erholung und Umweltbildung, Rückzugsgebiete für bedrohte Insekten wie Wildbienen und sogar Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Honig werden in Städten produziert. Gifte haben in dieser Umgebung nichts zu suchen", sagte Hölzel.

Kommunen haben viele Möglichkeiten für eine pestizidfreie Pflege ihrer Grün- und Freiflächen. "Statt giftgrünem Einheitsrasen oder exotischen Bepflanzungen können Städte und Gemeinden mit mehrjährigen Blühwiesen ein ganzjähriges Nahrungsangebot für Insekten schaffen", so die BUND-Pestizidexpertin.

Für die Reinigung von Wegen seien mechanische und thermische Geräte eine gute Alternative zu chemischen Unkrautvernichtern.

Auch Frankreich will aussteigen

Frankreich will sich bis spätestens 2020 von der Glyphosat-Nutzung verabschieden. Zahlreiche deutsche Kommunen haben sich schon jetzt für glyphosatfrei erklärt und auch national mehren sich die Stimmen für einen Ausstieg.

Frankreich will sich so bald wie möglich von Glyphosat unabhängig machen. Staatspräsident Emmanuel Macron habe die Regierung beauftragt, "die notwendigen Vorkehrungen für ein Verbot des Glyphosats in Frankreich zu treffen, sobald Alternativen gefunden sind, und spätestens in drei Jahren", meldete die französische Botschaft in Berlin.

Nach ihren Angaben hat Glyphosat bei den Unkrautvernichtern in Frankreich einen Marktanteil von 30 Prozent. Von der EU-Kommission wünscht sich die französische Regierung, dass sie "ihren angekündigten Reformvorschlag zur besseren Evaluierung chemischer Substanzen, der dem Anspruch von mehr Transparenz und eines unabhängigen Urteils genüge leistet, schnell vorlegt".

Neue Argumente

Neue Argumente für einen schnellen Abschied von Glyphosat liefert eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern aus Deutschland, China und den USA. Sie haben dafür rund 220 wissenschaftliche Untersuchungen aus den letzten Jahren ausgewertet, die sich mit den Auswirkungen von Glyphosat auf die Umwelt und die pflanzliche, tierische oder menschliche Gesundheit befassten.

"Es gibt viele offene Fragen, die dringend wissenschaftlich genauer untersucht werden müssen", sagte die an der Studie beteiligte Kasseler Professorin Maria Finckh. Als Beispiel nannte die Pflanzenschutzexpertin die in einigen Arbeiten festgestellten Zusammenhänge zwischen chronischem Botulismus bei Tieren und Glyphosat im Futter.

Der Grund dafür sei, dass bestimmte schädliche, pathogene Mikroorganismen deutlich resistenter gegen Glyphosat seien als viele für Tiere und Pflanzen nützliche Organismen. Auch eine Vielzahl von Pflanzenkrankheiten werde mit Glyphosat und seinen Effekten auf die Zusammensetzung der mikrobiellen Umwelt in und um die Wurzel in Zusammenhang gebracht, sagte Finckh.

Die interaktive Karte mit pestizidfreien Kommunen und weitere Informationen, darunter eine Beschlussvorlage für den Gemeinderat, gibt es im Internet unter www.bund.net/pestizidfreie_kommune.