
Insgesamt nahmen 600 Probanden an mehreren unabhängigen Experimenten des Teams um Lerner teil. Die Teilnehmer hatten die Wahl, sofort Geldbeträge von zum Beispiel 25 US-Dollar anzunehmen oder nach einigen Wochen 85 Dollar zu erhalten. Probanden, die sich zuvor traurige Filme angesehen hatten und laut eigener Aussage auch in gedämpfter Stimmung waren, entschieden sich mit höherer Wahrscheinlichkeit für das schnelle Geld. Wer sich in einer neutraler Gemütslage befand, wartete eher auf den höheren Profit.
Um auszuschließen, dass negative Emotionen generell und nicht explizit Traurigkeit bei diesen Entscheidungen eine Rolle spielen, zeigten die Psychologen einer weiteren Probandengruppe einen Film mit ekelhaften Bildern. Anders als der Trübsinn verleitete der Ekel die Teilnehmer nicht dazu, auf Geld zu verzichten und sich für die schnelle Belohnung zu entscheiden.
Mussten sich die traurigen Probanden zwischen zwei Belohnungen entscheiden, die beide zu verschiedenen Zeitpunkten in der Zukunft ausgezahlt wurden, verzerrte die Stimmung die Entscheidungen nicht. Unter diesen Umständen wählten auch die traurigen Testpersonen die größere Belohnung, auf die sie etwas länger warten mussten. Trübsinn erhöhe also nicht einfach nur die Ungeduld, folgert Lerner, sondern dränge eben zu sofortiger Belohnung.
Die Ergebnisse überraschen ein wenig. Schließlich haben mittlerweile zahlreiche Studien gezeigt, dass traurige Menschen rationaler denken als gut gelaunte. In mieser Stimmung prüfen Menschen ihre Entscheidungen oder Meinungen eher kritisch, als wenn sie guter Laune sind. Andererseits ist ein sonniges Gemüt wohl auch eher in der Lage, auf eine Belohnung zu warten.



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