Das Kind der GesellschaftS


People 2

Vereint und einig? Deutschland nur Mittelmaß in Sachen Zusammenhalt und Einigkeit

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© dpaDie Bundesbürger identifizierten sich weniger mit der eigenen Nation als die Menschen in anderen Ländern, hieß es in der am Dienstag vorgestellten Erhebung der Bertelsmann-Stiftung.
Ist der Deutsche mehr Egoist oder will er die Gesellschaft zusammenhalten? Eine internationale Studie bescheinigt den Bundesbürgern hierbei nur Mittelmaß. Der Caritasverband warnt.

Gütersloh. Mitte Juni hing über der Autobahn bei Magdeburg ein großes Bettlaken. Darauf stand der Dank nach der Hochwasserkatastrophe an die Helfer. Die Politik griff das Thema auch auf. „Wir sind kein Volk von Individualisten. Wir stehen in der Not zusammen“, sagte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) im Düsseldorfer Landtag über die Hochwasserhilfe.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung nährt Zweifel, ob das wirklich auf alle Deutschen zutrifft. In einem internationalen Vergleich unter 34 Nationen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Bevölkerung liegt Deutschland auf Platz 14. Das bedeutet Mittelmaß. Zwar ist der Trend seit 2008 leicht positiv. Für einen Platz in der Spitzengruppe aber reicht es noch längst nicht.

Als einen Grund dafür sehen die Forscher einen Mangel an Akzeptanz von Vielfalt in der Gesellschaft. Gemeint sind der Einfluss anderer Kulturen oder die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Auch die größere Distanz zur eigenen Nation war nicht förderlich für eine bessere Platzierung. Bürger anderer Staaten identifizieren sich deutlich mehr mit ihrem Land.

Che Guevara

Gegen Massenentlassung: Griechen im 24h Streik

Um zu sparen, muss die Regierung Tausende Staatsdiener entlassen. Griechen protestieren mit 24-Stunden-Streik.
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© APSogar die Polizei streikt: Dieser Beamte stützt sich verzweifelt auf seinen Dienstwagen
24 Stunden Streik wegen harter Sparmaßnahmen! Aus Protest gegen geplante Massenentlassungen im staatlichen Dienst haben am Dienstag in Griechenland umfangreiche Streiks begonnen. Unter dem Motto „Generalstreik - Wir sind Menschen, keine Zahlen“, legten die Staatsbediensteten die Arbeit nieder. Zum Mittag sind Demonstrationen im Zentrum Athens und in anderen Städten des Landes geplant.

Wer krank ist, muss sogar damit rechnen, in staatlichen Krankenhäusern nur im Notfall behandelt zu werden. Zahlreiche Museen und antike Stätten bleiben zu. Die Züge fahren nicht. Einige Buslinien in Athen werden für wenige Stunden bestreikt.

Auch der Inlandsflugverkehr wird wahrscheinlich behindert werden, weil die Luftfahrt-Beschäftigten zwischen 12 Uhr und 16 Uhr (Ortszeit) ihre Arbeit niederlegen wollen. Fähren sind hingegen regulär ausgelaufen. Auch Hotels, Banken, Geschäfte sowie Taxis, U-Bahnen und Straßenbahnen in Athen wurden nicht bestreikt.

Heart - Black

Besorgniserregende Suizidwelle unter englischen Soldaten

gefallene Soldaten
© Getty ImagesLondon: Nahe der Westminster Abbey erinnern viele Kreuze mit Fotos an gefallene britische Soldaten
Im Jahr 2012 starben erstmals mehr britische Soldaten durch Selbstmord als auf dem Schlachtfeld. Posttraumatische Störungen holen Afghanistan-Rückkehrer oft erst Jahre nach dem Kriegseinsatz ein.

Es war der 1. Januar 2012. Das Video fand sich auf dem Handy in den Wäldern von Nord-Wales, nahe dem Ort des durch Erhängen selbst gewählten Todes.
"Hi, Mum, nur ein Video, nur, um zu sagen, dass es mir leid tut. Seit ich aus der Hölle zurück bin, hab ich mich in eine schreckliche Person verwandelt, die ich nicht mehr mag. Deshalb werde ich das jetzt hier tun, OK? Ich weiß, es ist egoistisch. Aber das will, das brauche ich jetzt. Ich kann so nicht mehr weiter leben. Nur um eins möchte ich dich bitten: Könnte ich eine Beerdigung mit militärischen Ehren bekommen? So würde ich gerne scheiden."
Tränen liefen dem 29-jährigen Soldaten in seiner Uniform und dem Stirntuch aus Afghanistan übers Gesicht, während er fortfuhr:
"Mum, sei nicht zu geknickt. Du musst mich verstehen. Ich habe versucht, mir Hilfe zu holen. Nichts scheint zu klappen. OK? Ich liebe dich, OK, und ich werde Dich da oben in ein paar Jahren wieder sehen, nun, hoffentlich nicht zu bald, du weißt, was ich meine. Ich liebe dich, bye-bye."

Dominoes

Straßenschlachten in Ägypten: Mehrere Tote und Verletzte

Kairo - In Ägypten ist nach einer Woche relativer Ruhe die Gewalt wieder eskaliert.

Bei Straßenschlachten zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi und dessen Gegnern sowie den Sicherheitskräften wurden in Kairo in der Nacht zum Dienstag sieben Menschen getötet und weitere 261 verletzt. 401 Personen seien wegen Unruhestiftung festgenommen worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur MENA. Die Bemühungen von Übergangsministerpräsident Hasem al-Beblawi, die Muslimbruderschaft in die Regierungsbildung einzubeziehen, wurden von den Islamisten erneut schroff zurückgewiesen. "Ohne ein Ende des Militärputsches wird es keine nationale Aussöhnung geben", sagte der ranghohe Muslimbruder Mohammed al-Beltagi.

An mehreren Stellen in Kairo hatten sich am Montagabend Zehntausende Anhänger der Muslimbruderschaft versammelt, um für die Wiedereinsetzung Mursis zu demonstrieren. Die Straßenschlachten waren aber auf einige wenige Orte begrenzt und dehnten sich nicht mehr über weite Gebiete aus wie unmittelbar nach Mursis Sturz.

Ein Zentrum der Unruhen war eine Nil-Brücke an einer der wichtigsten Durchfahrtsstraßen in der Innenstadt Kairos. Dort stieß eine Gruppe von Mursi-Getreuen auf Gegner des gestürzten Präsidenten. Es kam zu Rangeleien, schließlich flogen Steine, und es entwickelte sich eine Straßenschlacht. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Erst bei Sonnenaufgang beruhigte sich die Lage. Zwei Menschen wurden nach Angaben der Rettungsdienste bei den Krawallen an der Brücke getötet, fünf weitere bei Ausschreitungen in Gizeh, wo unweit von Kairo die weltberühmten Pyramiden stehen.

Evil Rays

Absurde Klage: Apple ist Schuld an Pornosucht und ließ Ehe scheitern

Anwalt fordert Pornofilter für mobile Endgeräte

Ein US-Anwalt aus Tennessee, Chris Sevier, verklagt Apple wegen der Möglichkeit pornographische Inhalte auf deren mobilen Endgeräten wie dem iPad, dem iPhone und den iPod zu konsumieren. Der Anwalt vertritt in seiner Klageschrift die Position, dass Apple einen Filter für pornographische Inhalte als Standard in seine Gadgets implementieren sollte. Er jedenfalls sei durch Apple nicht vorgewarnt worden und habe durch Apples Verschulden eine Sucht nach Pornos entwickelt. Apple hätte nach Seviers Meinung seine daraus folgenden Probleme verhindern können.

Die Klageschrift enthält dabei einige auf Europäer eher absurd wirkende Behauptungen: "Apples Mitarbeiter wissen, dass ein Mann voller Harmonien geboren wird. Er wird von Frauen angegriffen, die sich sexuellen Akten hingeben und die ihn in extremer Weise erregen sollen". Ob hier eigentlich "Hormone" gemeint waren und Sevier nur aus Versehen von "Harmonien" spricht, bleibt sein Geheimnis. Amüsant ist auch, dass der Anwalt Apple vorwirft seiner Ehe geschadet zu haben: "Der Kläger begann jüngere und attraktivere Frauen zu begehren, wie sie in den pornographischen Videos gezeigt wurden. Gegen jene hatte seine Ehefrau keine Chance, die mittlerweile älter als 21 ist."

Control Panel

Tod durch Explosion in Auerstedt - Nebengebäude stürzte auch ein

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© dpaDas Nebengebäude des Wohnhauses stürzte ein.
Drei Mal knallt es im thüringischen Auerstedt. Ein Gebäude stürzt ein und ein Feuer bricht aus. Für einen 37-Jährigen kommt jede Hilfe zu spät. Er stirbt. Offenbar hatte er vor dem Unglück mit Chemikalien hantiert.

Die Explosion in Auerstedt in Thüringen mit einem Toten könnte durch Chemikalien verursacht worden sein. Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes suchten am Tag nach dem Unglück in den Trümmern des eingestürzten Gebäudes nach Spuren. Nach ersten Erkenntnissen habe der 37-Jährige vor seinem Tod im Nebengebäude eines Wohnhauses mit Chemikalien hantiert, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Apolda, Frank Geilert. Möglicherweise habe der Mann dabei Fehler gemacht. Aber auch ein technischer Defekt sei denkbar.

Auf dem Grundstück war es am späten Sonntagnachmittag zu drei Detonationen hintereinander gekommen. Ein Nebengebäude eines Wohnhauses stürzte ein und ein Brand wurde ausgelöst. Dabei kam der 37-Jährige ums Leben.

Feuerwehrleute fanden den Toten in den Trümmern. Laut Polizei handelt es sich um einen in Apolda lebenden Verwandten des Grundstücksbesitzers, der zurzeit in Auerstedt zu Besuch war.

Pistol

Nachbarschaftsstreit endete tödlich

Ein 43 Jahre alter Mann ist am frühen Montagabend in Wilflingen (Kreis Rottweil) erschossen worden. Noch am Tatort nahm die Polizei einen Verdächtigen vorläufig fest. Den tödlichen Schüssen soll ein Nachbarschaftsstreit vorausgegangen sein.

Als die Auseinandersetzung eskalierte, griff Tatverdächtige zu einer Waffe und feuerte mehrmals auf sein Opfer. Die Kriminalpolizei ermittelt. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Rottweil will sie am Dienstagvormittag weitere Details bekannt geben.

Light Sabers

Flutopferbetrüger: Soforthilfe kassieren und nicht betroffen gewesen sein

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© dpa
Von der Flut blieben sie verschont, dennoch wollen sie Geld sehen: Viele Bürger in den Hochwassergebieten haben Soforthilfe kassiert, obwohl ihr Hab und Gut nie unter Wasser stand. Das Geld müssen die Behörden nun mühsam zurückholen.

Betrug mit der Flut-Soforthilfe registrieren deutsche Kommunen nach dem Jahrtausendhochwasser vom Juni. Die Behörden müssen nach FOCUS-Informationen in den Katastrophengebieten nun unberechtigt ausbezahlte Unterstützung wieder eintreiben.

So lehnte die sächsischen Stadt Grimma bereits jeden zehnten der 620 Anträge auf Soforthilfe ab. Weitere zehn Prozent stellten sich im Nachhinein als unberechtigt heraus, so dass das Ordnungsamt die Gelder nun von den Bürgern zurückfordert. Meist weil sie entweder im ersten oder zweiten Stockwerk leben, das Hochwasser aber nur die Erdgeschosse erreichte.

Stock Down

Das Beste aus dem Web: Apartheidsamerika? Schwarze Mutter bekommt für Warnschüsse 20 Jahre Haft - Zimmerman wird freigesprochen, der einen schwarzen Jugendlichen erschoss

marissa alexander
Marissa Alexander: 20 Jahre Haft, weil sie ihren prügelnden Eheman - mit Warnschüssen - abhalten wollte.
In wenigen Wochen feiert Amerika das 50. Jubiläum einer der wirkungsmächtigsten Reden aller Zeiten. „I have a dream“, den Satz, den der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King 1963 auf den Marmorstufen des Lincoln-Denkmals in Washington sprach, destilliert wie kein anderer das Sehnen nach Gleichbehandlung und Überwindung der Schranken zwischen den Rassen. King wollte die Menschen „nach ihrem Charakter und nicht nach ihrer Hautfarbe“ beurteilt wissen. Ein halbes Jahrhundert später wecken Fälle wie die unheilvolle Begegnung von Trayvon Martin und George Zimmerman Zweifel, ob die Vereinigten Staaten Kings Traum jemals wirklich verstehen werden und zu leben lernen.

Man muss das Unterholz der komplizierten juristischen Details für einen Moment verlassen, um die Dimension dieses das Land spaltenden Freispruchs zu erahnen: Ein schwarzer, unbewaffneter und unbescholtener Teenager wird erschossen, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Der Täter, ein weißer Möchtegern-Ordnungshüter, bleibt auf freiem Fuß. Entschieden hat es eine ausnahmslos weiße Jury. Gerechtigkeit made in USA.

Um die Fragwürdigkeit zu erkennen, muss man keine Justizschelte anstimmen. Auch wenn das Rechtsinstitut der Notwehr hier nur noch als Ausdruck von Perversion bezeichnet werden kann. Die katastrophalen Fehler sind viele Jahre vorher passiert, sie sind Teil der nationalen DNA.

Die latente Angst vorm schwarzen Mann, die fahrlässig freie Verfügbarkeit von Waffen und empörende Gesetze, die Selbstjustiz nicht nur fördern sondern sogar mit Straflosigkeit honorieren, haben Trayvon Martin auf dem Gewissen.

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George Zimmerman Freispruch: Tausende protestieren - Opfer der Hysterisierung

In mehreren Städten der USA sind Menschen gegen das Urteil im Fall Trayvon Martin auf die Straße gegangen. Präsident Barack Obama mahnt zur Besonnenheit.

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© Angel Valentin/Getty ImagesProteste in Miami nach dem Freispruch im Fall Trayvon Martin
Tausende Menschen haben in mehreren Städten der USA gegen den Freispruch von George Zimmerman protestiert. Auf dem Union Square im New Yorker Stadtteil Manhattan versammelten sich am gestrigen Sonntagabend Tausende Demonstranten, sie riefen "keine Gerechtigkeit, kein Frieden". Etwa 2.000 Menschen zogen dann über die Straßen in Richtung Times Square, der Verkehr in Manhattan geriet durcheinander. Polizisten versuchten vergeblich, die Menge aufzuhalten. Auch in San Francisco, San Diego, Sacramento und Boston gingen Menschen auf die Straße. Die Los Angeles Times meldete eine erste Verhaftung.

Im vergangenen Jahr hatte der 29-jährige den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin auf einer Patrouille für eine Bürgerwehr erschossen. Das Gericht im US-Bundesstaat Florida sprach ihn nun vom Vorwurf des Totschlags frei. Die sechs Frauen der Jury, darunter fünf Weiße, begründeten, es gebe zu viele Zweifel an seiner Schuld.

Viele Demonstranten halten das Urteil, wie auch schon die Tat selbst, für rassistisch. "Wir haben ein großes Problem mit Rasse und ein anderes Problem mit Waffen", sagte ein Redner, Rodney Rodriguez. Ebenso wie die Demonstranten kritisierte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg das Stand-Your-Ground-Gesetz, das Bürgern in Florida ein ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung mit Schusswaffen einräumt.

Kommentar: Das ist ein kontroverses Thema und verfolgt eventuell den Zweck, die Gesellschaft zu entzweien und gegenseitig aufzuwiegeln. Wie so oft, ist es nicht einfach in Schwarz und Weiß einzuteilen. Zu den rassistischen Vorwürfen: George Zimmerman ist selber spanischer Herkunft. Eventuell sind beide Opfer der Hysterisierung (aus Politische Ponerologie):
Die traditionelle Interpretation dieser großen historischen Krankheiten [einer Pathokratie] lehrte die Historiker bereits, zwei Phasen zu unterscheiden. Die erste Phase wird durch eine Periode spiritueller Krisen in einer Gesellschaft gekennzeichnet, die die Geschichtsschreibung mit einem Verfall an ideellen, moralischen und religiösen Werten assoziiert, die bislang die betreffende Gesellschaft am Leben hielten. Der Egoismus bei einzelnen Menschen wie auch bei sozialen Gruppierungen wächst, moralische Pflichten und soziale Netzwerke lockern sich spürbar. Daraufhin dominieren unwichtige Dinge den menschlichen Geist bis zu dem Ausmaß, dass kein Platz mehr für Gedanken über öffentliche Angelegenheiten oder ein Gefühl für ein Engagement um die Zukunft vorhanden ist. Eine Folge davon ist die Atrophie der Wertehierarchie im Denken der Menschen und Gesellschaften; dies wurde bereits in Einzelanalysen der Geschichtsschreibung wie auch in psychiatrischen Schriften beschrieben. Die Regierung eines Landes ist schließlich angesichts der Probleme, die unter anderen Umständen ohne große Schwierigkeiten gelöst hätten werden können, gelähmt und hilflos. Wir wollen solche Krisenzeiten der uns bereits vertrauten Phase der sozialen Hysterisation zuordnen. [...]

Zustände gesellschaftlicher Hysterisation

Wenn ein Laie wissenschaftliche oder literarische Beschreibungen von hysterischen Phänomenen durchsieht - wie jenes vom letzten großen Anstieg der Hysterie in Europa, ein viertel Jahrhundert vor dem ersten Weltkrieg - , so kann er den Eindruck bekommen, dass dies in individuellen Fällen endemisch war, besonders bei Frauen. Die ansteckende Natur von hysterischen Zuständen wurde jedoch bereits von Jean-Martin Charcot entdeckt und beschrieben.

Es ist praktisch unmöglich, dass sich Hysterie als rein individuelles Phänomen manifestiert, da sie über psychologische Resonanz, Identifikation und Imitation ansteckend ist. Jedes menschliche Wesen ist für diese Fehlfunktion der Persönlichkeit prädisponiert, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und obwohl sie normalerweise durch Erziehung und Selbstbetrachtung zu überwinden ist, was die Zugänglichkeit zu korrektem Denken und emotionaler Selbstdisziplin fördert.

Während ‚glücklichen Zeiten‘ des Friedens lernen die Kinder der privilegierten Schichten - abhängig von der jeweiligen sozialen Ungerechtigkeit - jene unangenehmen Vorstellungen aus ihrem Bewusstsein zu verdrängen, die suggerieren, dass sie und ihre Eltern von den Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Menschen profitieren. Diese jungen Menschen lernen die moralischen und mentalen Werte jedes Menschen zu disqualifizieren und herabzusetzen, dessen Arbeit sie zu ihrem eigenen übergroßen Vorteil nutzen. Junge Gemüter nehmen auf diese Weise Gewohnheiten an, die eine unterbewusste Selektion und Substitution von Informationen zulassen, was zu einer hysterisch konversiven Ökonomie des Denkens führt. Sie wachsen auf, um auf eine Weise zu hysterischen Erwachsenen zu werden, die - mittels der oben erwähnten Wege - solche Charakteristika noch weiter und stärker entwickeln. Das hysterische Muster bei Erfahrungen und im Verhalten steigt an und verbreitet sich von den privilegierten Schichten nach unten, bis es die Grenzen des ersten Kriteriums der Ponerogenese erreicht: Die Verkümmerung der natürlichen kritischen Fähigkeiten in Bezug auf pathologische Menschen.

Wenn die Gewohnheiten von unterbewusster Selektion und Substitution von Gedankeninformationen sich auf makrosoziale Ebene ausbreiten, tendiert eine Gesellschaft dazu, gegenüber sachlicher Kritik Verachtung zu entwickeln und jeden Menschen zu beschämen, der vor Gefahren warnt. Auch anderen Ländern wird Verachtung entgegengebracht, die normale Gedankenmuster aufrecht erhalten konnten. Diese egotistische Gedankenterrorisierung wird durch die Gesellschaft selbst und durch ihre Prozesse des konversiven Denkens erreicht. Dies macht die Notwendigkeit der Zensur von Presse, Theater oder von Nachrichten überflüssig, da ein pathologisch hypersensitiver Zensor in den Bürgern des Landes selbst lebt.

Wenn drei ‚Egos‘ regieren - Egoismus, Egotismus, und Egozentrik, dann verschwindet das Gefühl von sozialen Verbindungen und der Verantwortlichkeit gegenüber anderen Menschen und die betreffende Gesellschaft spaltet sich in Gruppierungen, die zueinander immer feindlicher werden.

Wenn eine hysterische Umgebung aufhört, die Meinungen eingeschränkter, nicht-wirklich-normaler Menschen von den Ansichten normaler, vernünftiger Personen zu unterscheiden, ist der Aktivierung pathologischer Faktoren verschiedenster Art Tür und Tor geöffnet.

Individuen, die - wie bereits beschrieben - von einer pathologischen Sichtweise der Realität und abnormen Zielen, die durch ihre unterschiedliche Natur verursacht wurde, beherrscht werden, können unter diesen Umständen ihre Aktivitäten ausleben. Wenn eine beliebige Gesellschaft es nicht schafft, unter ihren ethnologischen und politischen Umständen den Zustand der Hysterisation zu überwinden, kann eine gewaltige, blutige Tragödie die Folge sein.

[Lobaczewski, 2011, S. 192 ff.].
Für mehr Informationen über den Fall Zimmerman-Tryvon, können Sie den englischen Fokus-Artikel lesen:

Hysterization Via Racism in the Trayvon Martin Case