Spezialisten haben eine Fliegerbombe in München entschärft. Doch auch andernorts lauert die Gefahr. Denn noch immer liegen unzählige Blindgänger in Deutschland unter der Erde versteckt.Oft klappt die Entschärfung einer Fliegerbombe
wie am Montag in München ohne größere Komplikationen. Doch erst im August 2012 erschütterte eine gewaltige Explosion das Münchner Szeneviertel Schwabing, ihr Knall war kilometerweit zu hören. Fensterscheiben gingen zu Bruch. Stroh, das die Wucht der Entladung dämpfen sollte, fing Feuer und wirbelte auf umliegende Hausdächer. Dachstühle gerieten in Brand. Löschfahrzeuge der Feuerwehr waren im Einsatz. Verletzte gab es zum Glück keine, da Tausende Anwohner zuvor evakuiert worden waren.
Schuld an diesem Katastrophenszenario war ein mörderisches Erbe des Zweiten Weltkriegs: Bauarbeiter hatten am Montag im Untergrund eine nicht detonierte 250-Kilo-Fliegerbombe entdeckt. Nachdem es aus Brandenburg eingeflogenen Spezialisten nicht gelungen war, die Bombe zu entschärfen, entschieden sich die Experten vor Ort, sie kontrolliert zu sprengen.
Unbekannte Zahl tickender ZeitbombenNicht jeder Bombenfund hat derart spektakuläre Auswirkungen, doch die Schwabinger Aktion ist alles andere als ein Einzelfall. Noch immer, mehr als 67 Jahre nach Kriegsende, rücken fast täglich so genannte Kampfmittelräumdienste aus, um „Blindgänger“ zu entschärfen oder kontrolliert zur Detonation zu bringen. Dies ist übrigens Sache der einzelnen Länder, nicht des Bundes - so regelt es das „Gefahrenabwehrrecht“. Das explosive Erbe des Zweiten Weltkriegs ist gewaltig und äußerst gefährlich: Mehrere Millionen Tonnen an Sprengkörpern hatten alliierte Bomber einst auf Deutschland abgeworfen. Kein geringer Teil davon tickt bis heute voll funktionsfähig im Untergrund.
Wie viele solcher Zeitbomben es in Deutschland noch gibt, können selbst Experten nicht sagen. „Wer sich da auf eine Zahl festlegt, der lügt“, stellt Horst Lenz, technischer Leiter des Kampfmittelräumdiensts Rheinland-Pfalz, kategorisch fest. Denn es sei weder klar, wie viele Bomben wo abgeworfen worden seien, noch, welche davon nicht explodierten. Und außerdem sei unbekannt, in welchem Ausmaß solche Sprengkörper in der Vergangenheit bereits geborgen worden seien. „Viele Entschärfungen wurden bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt“, konstatiert auch Oliver Kinast, Leiter des Kampfmittelräumdiensts Schleswig-Holstein. „Darüber wurde nicht Buch geführt, weil man nicht glaubte, das später noch einmal zu brauchen. In spätestens zehn Jahren, so dachte man, wäre das Problem mit den Bomben gelöst.“ Ein fataler Irrtum.