Ägyptens neuer Präsident heißt Mohammed Mursi. Der Machtkampf zwischen Kräften des alten Regimes und Muslimbrüdern wird sich weiter zuspitzen.

© Daniel Berehulak/Getty ImagesAnhänger feiern die Wahl Mursis auf dem Tahrir-Platz in Kairo.
Knapp eine Stunde lang herrschte atemlose Stille, dann verwandelte sich der Tahrir-Platz mit einem Schlag in ein brodelndes Menschenmeer. Feuerwerksraketen jagten in den Himmel. "Mursi! Mursi! Allah ist groß!", skandierte die jubelnde Menge und "Nieder mit der Militärherrschaft". Sekunden zuvor hatte der umstrittene Chef der Obersten Wahlkommission, Farouk Sultan, endlich nach einer langen, gewundenen Rede den Namen über seine Lippen gebracht, auf den Ägypten seit Tagen wartete. "Der Gewinner der Wahl zum Präsident Ägyptens am 16. und 17. Juni ist Mohammed Mursi Eissa al-Ayat", sagte er.
Mit dem 61-jährigen promovierten Ingenieur rückt zum ersten Mal in der Geschichte Ägyptens ein Mann an die Spitze des Staates, der der Muslimbruderschaft angehört.
Nach dem offiziellen Endergebnis entfielen auf Mursi 13.230.131 Stimmen, rund 880.000 mehr als auf seinen Konkurrenten, den ehemaligen General und Premierminister Ahmed Schafik. Die Wahlbeteiligung lag bei 51,8 Prozent. Rund 400 Einwände und Anzeigen von Unregelmäßigkeiten habe die Hohe Kommission in den vergangenen sieben Tagen geprüft, deren wichtigste Details Farouk Sultan in seiner rund einstündigen Rede noch einmal Wahlkreis für Wahlkreis durchging.