© Konstantin Yuganov – Fotolia
Bei einer Fructose-Intoleranz verträgt der Körper den in Obst und Gemüse enthaltenen Fruchtzucker nicht oder nicht so gut, vor allem dann, wenn die Verträglichkeitsgrenze von 35 Gramm Fructose täglich überschritten wird. Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall gehören zu den gängigsten Symptomen einer Fructose-Intoleranz. Wer unter einer Fructose-Intoleranz leidet, sollte bei der Wahl der Lebensmittel sehr achtsam sein.

Beim gesunden Menschen gelangt der Fruchtzucker mit der Nahrung über den Magen in den Dünndarm, wo das Transportprotein GLUT-5 dafür sorgt, dass er dem Nahrungsbrei entzogen und ins Blut weitergegeben wird. Mit dem Blut gelangt der Fruchtzucker in die Leber, wo er mithilfe verschiedener Enzyme abgebaut wird. Fructose wird unter anderem als Energielieferant und zum Aufbau von Triglyzeriden (bestimmten Blutfetten) gebraucht. Gerade die Beteiligung am Aufbau von Blutfetten bewirkt, dass ein Zuviel an Fructose zu einer Fettleber, Übergewicht, Gicht oder der Zuckerkrankheit führen kann. Bei der Lebensmittelherstellung wird industriell hergestellte Fructose in großen Mengen eingesetzt, weswegen es nicht verwundert, dass immer mehr Menschen unter einer Fructoseintoleranz leiden. Laut Schätzungen sind 15 bis 25 Prozent der Menschen in der westlichen Welt davon betroffen.

Fructose-Intoleranz: Gendefekt und Fehlfunktion als Ursache

Die Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker kann zwei Ursachen haben: eine gestörte Fructoseaufnahme, genannt intestinale Fructose-Intoleranz, oder einen gestörten Fructoseabbau, was bei der hereditären Fructose-Intoleranz oder der benignen Fructosurie der Fall ist. Bei der seltenen hereditären Fructoseintoleranz liegt ein angeborener Gen-Defekt vor, der dazu führt, dass Fructose nicht richtig verdaut werden kann. Für neugeborene Babys ist die Erkrankung nach dem Abstillen lebensbedrohlich, wenn nicht eine strenge, fructosefreie Diät eingehalten wird. Menschen mit der hereditären Fructoseintoleranz müssen sich ein Leben lang Fructose-frei ernähren. Ebenfalls selten, aber ohne Beschwerden verläuft die benigne Fructosurie, bei der die Fehlfunktion eines Leberenzyms verhindert, dass Fructose abgebaut wird. Der Fruchtzucker gelangt in diesem Fall direkt ins Blut und wird über den Urin ausgeschieden.

Der überforderte Dünndarm

Bei der intestinalen Fructose-Intoleranz, der häufigsten Form von Fruchtzuckerunverträglichkeit, ist das Transportprotein mit Namen GLUT-5 defekt und behindert im Dünndarm die Aufnahme von Fructose aus der Nahrung, wodurch der Fruchtzucker in großen Mengen in den Dickdarm gelangt. Dort wird er von den Bakterien der Darmflora verstoffwechselt. Bei diesem Vorgang entstehen Gase, die zu den typischen Symptomen, Blähungen und Bauchschmerzen, führen. Zu Durchfällen kommt es, weil die Fructose den Darmzellen Wasser entzieht und den Stuhl aufweicht.

Wie Fructose-Intoleranz festgestellt wird

Haben Betroffene nach dem Verzehr Fructose-haltiger Produkte Blähungen, Bauchschmerzen oder gar Durchfall, kann ein sogenannter Fructose-H2-Atemtest den Verdacht auf eine Fructose-Unverträglichkeit bestätigen. Bei diesem Test wird auf nüchternen Magen eine Fructose-haltige Lösung verabreicht und in regelmäßigen Abständen beim Ausatmen der Gehalt an Wasserstoff gemessen. Wasserstoff entsteht, wenn die Darmbakterien die Fructose abbauen. Über die Darmwand und das Blut gelangt ein Teil des Wasserstoffs in die Lunge und wird ausgeatmet. Eine weitere Möglichkeit, eine Fructose-Intoleranz festzustellen, ist der vorübergehende Verzicht auf Fructose-haltige Nahrungsmittel. Danach darf dosiert Fruchtzucker in Lebensmitteln wie Obst und Gemüse verzehrt werden, wobei der Betroffene aufpassen muss, wann die Beschwerden einsetzen. Mit diesem Test kann bestimmt werden, wie viel Fructose der Körper verträgt. In den meisten Fällen muss nämlich nicht völlig auf Fruchtzucker verzichtet werden, da der Körper geringe Mengen verträgt.

Vorsicht vor Light- und Diät-Produkten

Da es noch keine Behandlung gibt, die die Ursachen der Fructose-Intoleranz bekämpft, ist es wichtig, die Fructoseaufnahme soweit wie möglich einzuschränken. Bei manchen Betroffenen führt der temporäre Verzicht dazu, dass der Körper Fruchtzucker wieder abbauen kann. Auf alle Fälle sollte weiterhin auf industriell hergestellte Fructose-haltige Produkte oder Fruchtzuckersirup verzichtet werden. Bei Fertigprodukten wie beispielsweise Backwaren, Desserts, Suppen, Limonaden, Schokolade, Dressings und Fruchtsäften ist es ratsam, die Zutatenliste auf Süßungsmittel hin zu untersuchen, denn meist enthalten sie viel Fructose. Vorsicht ist auch geboten bei Produkten mit der Aufschrift light, Diät-, weniger süß, weniger Zucker oder mit Fruchtsüße. Sie enthalten häufig viel Fruchtzucker. Und das Tückische daran: Man kann viel davon essen, ohne sich satt zu fühlen; sie machen wegen der speziellen, von Insulin unabhängigen Abbauweise von Fruchtzucker nicht satt.

Lebensmittel mit wenig Fructose

Der Verzehr der folgenden Lebensmittel und Getränke sollte keine Probleme bereiten. Jedoch gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen, jeder Betroffene muss individuell herausfinden, welche der nachfolgend genannten Lebensmittel er verträgt.

Artischocken, Auberginen, Avocado, Bambussprossen, Brie-Käse, Brokkoli, Buttermilch, Camembert, Champignons, Cheddar-Käse, Chicorée, Chinakohl, Dorsch, Edamer-Käse, Eier, Emmentaler, Erbsen, Feldsalat , Fenchel, Forelle, Gurken, frischer Fisch, frisches Fleisch, Hefe, Hefeextrakt, Hering, Hühnerfleisch, Hüttenkäse, Naturjoghurt, Kaffee, Kokosmilch, Kopfsalat, Kürbis, Lachs, Leber (vom Rind), Limetten, Löwenzahn, Magermilchpulver, Magermilch, Mangold, Möhren, Molkenpulver, Mozarella, Okra, Parmesan, Pastinaken, Petersilie, Pilze, Porree, Reis, Rettich, Rindfleisch, Roquefor-Käse, Sahne, Salami, Salat, Sauerrahm, Schafskäse, Schafsmilch, Schinken, Schweinefleisch, Sellerieknolle, Spargel, Spinat, Steinpilze, Süßkartoffeln, Thunfisch (aus der Dose), Tomaten, Truthahnfleisch, Vollmilch, Vollmilchpulver, Weizen, Ziegenmilch, Zucchini.

Lebensmittel, die nur gelegentlich auf dem Speiseplan stehen sollten

Die Lebensmittel und Getränke, die nachfolgend genannt sind, enthalten mehr Fructose, aber in kleinen Mengen und nur gelegentlich konsumiert, können sie durchaus verträglich sein. Ein Tipp: Statt einmalig eine größere Menge zum Beispiel von Aprikosen oder Bananen zu essen, lieber kleinere Portionen über den Tag verteilen.

Aprikosen, Bananen, Bier, Blaukraut, Blumenkohl, grüne Bohnen, Brombeeren, Champagner, Erdbeeren, Esskastanien, Feigen, Früchtetee, Granatapfel, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Kakaopulver, Kaki, Kaktusfeige, Kiwi, Knoblauch, Kohlrabi, Litschi, Mais, Mandarinen, Meerrettich, Orangen, Papaya, Paprika (grün), Pfirsich, Radieschen, Rhabarber, Rosenkohl, Rote Bete, Schnaps, Schwarzwurzel, Stachelbeere, Tomaten, Topfen/Quark, Wassermelone, Weißkohl, Weißwein, Zitronen, Zuckermelone, Zwiebel.

Lebensmittel mit viel Fructose

Die folgenden Lebensmittel sollten bei einer Fructose-Intoleranz nicht auf dem Speiseplan stehen, da sie viel Fruchtzucker enthalten:

Ananas, Äpfel, Birnen, Kirschen, getrocknete Datteln, Dosenobst, Dosengemüse, Eis, Energiedrinks, Fertigsoßen, Fruchtsäfte, Gebäck, gesüßte Milch- und Getreideerzeugnisse, Honig, Ketchup, Konfitüre, Malzbier, Mango, Marmelade, Mayonnaise, Pflaumen, Pudding, Pumpernickel, Rosinen, Rotwein, Sauerkraut, Schokolade, Trauben, Vollkornbrot, Weißbrot und Weizenbier.


Quellen und weiterführende Links: