© Reuters Benoit Tessier
Zum Teil waren die verheirateten Mädchen gerade mal zehn Jahre alt (Symbolbild).
Laut jüngsten Statistiken wurden seit dem Jahr 2001 über 200.000 Minderjährige in den USA verheiratet, darunter drei zehnjährige Mädchen und ein elfjähriger Junge. Gesetzeslücken in einigen US-Bundesstaaten machen dies möglich. Besonders New Jersey ist betroffen.

Die meisten Bundesstaaten in den USA haben zwar das Mindestalter für Eheschließungen auf 18 Jahre festgelegt, doch viele Staaten erlauben auch Ausnahmen. Diese greifen zum Beispiel, wenn eine elterliche Zustimmung oder eine Schwangerschaft vorliegt. Mindestens 207.468 Minderjährige gingen in den USA im Zeitraum zwischen 2000 und 2015 auf dieser Basis eine Ehe ein.

Auf diese erstaunliche Zahl kommen die Organisation Unchained At Last (Endlich entkettet), die sich für die Abschaffung der Heirat von Minderjährigen einsetzt, sowie die investigative TV-Dokumentarserie Frontline.

Beide gehen sogar davon aus, dass die wahre Zahl dieser Fälle vermutlich deutlich höher liegt, da zehn Bundesstaaten keine oder nur unvollständige Statistiken zur Verfügung stellten. Fraidy Reiss, die Gründerin von "Unchained at Last", war von dem Ergebnis schockiert. Vor allem, als sie die Daten für New Jersey zu sehen bekam, wo die Organisation ihren Sitz hat. Fast 3.500 Minderjährige heirateten dort zwischen 1995 und 2012.
Diese Zahl war so viel höher als ich es gedacht hatte",
sagte sie gegenüber Frontline. Und:
Dann war da noch die Tatsache, dass die Kinder so jung waren, zum Beispiel 13, und zudem die Tatsache, dass meist Mädchen mit erwachsenen Männern verheiratet wurden.
New Jersey: Gouverneur Christie gegen ausnahmsloses Heiratsverbot

Im Mai dieses Jahres lehnte es der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, ab, ein Gesetz zu unterzeichnen, das in New Jersey die Heirat von Minderjährigen ohne Ausnahme verbieten würde. Christie begründete seine Verweigerung damit, dass dieses Gesetz mit religiösen Überzeugungen einzelner Bürger in Konflikt geraten würde. Immerhin ermöglicht eine Heirat einer schwanger gewordenen minderjährigen Person eine eheliche Geburt - was gerade in traditionellen ländlichen Gebieten von hoher sozialer Bedeutung sein kann.


Kommentar: Christie benutzt dieses Argument recht wahrscheinlich zur Deckung des weitverzweigten Phänomens von Pädophilie, das sich bis in die höchsten Kreise der Macht zieht. Und damit ist er nicht allein, sonst würden diese Gesetzeslücken auch in anderen US-Staaten nicht existieren.


Die Eheschließungen betrafen jedoch bei weitem nicht nur Fälle von älteren Minderjährigen zwischen 16 und 18 Jahren, wo in den meisten Staaten der Welt mit elterlicher und/oder gerichtlicher Zustimmung geheiratet werden kann. Zum Teil waren auch Kinder und Minderjährige unter 14 Jahren betroffen.

Die jüngsten Verheirateten in den USA waren im Jahr 2001 drei zehnjährige Mädchen in Tennessee, die Männer im Alter von 24, 25 und 31 Jahren heirateten. Der jüngste Bräutigam war ein Elfjähriger, der im Jahr 2006, ebenfalls in Tennessee, eine 27-jährige Frau ehelichte.

Kinder, die 12 Jahre alt waren, erhielten Heiratsgenehmigungen in Alaska, Louisiana und South Carolina, während elf weitere Staaten 13-Jährigen entsprechende Genehmigungen aussprachen. Dazu erhielten mehr als 1.000 Minderjährige ab 14 Jahren Heiratslizenzen.

Eheschließung kann Anklagen wegen sexuellen Missbrauchs verhindern

Die meisten Bundesstaaten in den USA haben das gesetzliche Mindestalter für einvernehmliche geschlechtliche Beziehungen zwischen 16 und 18 Jahren festgelegt. Bei einer sexuellen Beziehung mit jüngeren Personen kann es zu einer Anklage wegen sexuellen Missbrauchs kommen. Dennoch werden viele Ehen genehmigt, in denen ein Partner noch nicht dieses Alter erreicht hat - im Regelfall, weil eine Eheschließung mit dem Opfer nach den vor Ort geltenden Gesetzen eine Strafverfolgung ausschließt.


Kommentar: Ein Schlupfloch für Pädophile, wie zuvor schon angemerkt ...


Nur 14 Prozent der verheirateten unter 18-Jährigen liierten sich mit anderen Minderjährigen. Es wurden aber auch Ehen mit sehr großem Altersunterschied gestattet. Ein 14-jähriges Mädchen heiratete einen 74-jährigen Mann in Alabama, während ein 17-Jähriger eine 65-Jährige in Idaho ehelichte. Für Jeanne Smoot, eine Anwältin aus dem Tahirih Justice Center, sind Kinderehen ein soziales Problem. Die meisten jungen Verheirateten kämen laut Smoot aus ärmlichen Verhältnissen. Das Tahirih Justice Center unterstützt Frauen, die vor Gewalt fliehen und setzt sich für das Verbot der Kinderehe ein.
Fast alle Beweise deuten darauf hin, dass Mädchen in den Städten nicht jung heiraten, dass Mädchen aus der Mittelklasse oder wohlhabenden Familien nicht jung heiraten. Es ist ein ländliches Phänomen und es ist ein Phänomen der Armut", so Smoot.
Flüchtlingskrise brachte Thema auch in Deutschland aufs Tapet

In Deutschland beschloss der Bundestag erst Anfang Juni dieses Jahres ein Heiratsverbot für Jugendliche. Die Neuregelung sieht zudem auch die Aufhebung der meisten bestehenden Kinderehen vor. Mit dem neuen Gesetz gelten Ehen mit Personen unter 16 Jahren künftig von vornherein als nichtig. Zudem sollen Ehen gerichtlich annulliert werden, wenn ein Partner zum Zeitpunkt der Eheschließung zwischen 16 und 18 Jahre alt war. Nur in besonderen Härtefällen soll davon abgesehen werden, so zum Beispiel, wenn ein minderjähriger Ehepartner zwischenzeitlich volljährig geworden ist und die Ehe bestätigt.

Die neue Regelung in Deutschland gilt auch für Ehen, die im Ausland geschlossen wurden. Für Trauungen in Deutschland gilt künftig grundsätzlich ein Mindestalter von 18 Jahren. Mit dem Gesetz reagierte die Bundesregierung auf die steigende Zahl verheirateter minderjähriger Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind. Im vergangenen Jahr wurde die Zahl von 1.475 im Ausland geschlossenen Ehen mit minderjährigen Partnern genannt, darunter 361 mit Kindern unter 14 Jahren. Die Familiengerichte ließen zudem jährlich noch rund 100 Ehen in Deutschland mit einem unter 18-jährigen Partner zu.