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Erschöpfung, Burnout, Depression - diese Zustände sind halb so schlimm. Das wirklich große Problem unserer Gesellschaft ist die regelrechte Schlafmangel-Epidemie, die um sich greift. Ein renommierter Schlafmediziner aus den USA erklärt, warum.

Auf den Schlaf ohne jeden zwingenden Grund verzichten - das tue sich nur der Mensch an, sagt Matthew Walker von der University of California in Berkeley. Dabei drohten bei Schlafmangel Folgen, die man sich nicht vorstellen könne.

"Kein einziger Aspekt unserer Biologie bleibt bei Schlafmangel unberührt", sagt der Professor. Gedächtnisstörungen, Diabetes, Fettleibigkeit, ja sogar Alzheimer und Krebs - dazu könne es kommen, wenn der Mensch dauerhaft weniger als sieben Stunden täglich schlafe.

Seit 75 Jahre greife indes eine Schlafmangel-Epidemie um sich, so der Wissenschaftler. "Wir haben die Nacht elektrifiziert. Dabei ist gerade das Licht der Faktor, der uns den Schlaf raubt", betont er.


Und außerdem würden die Menschen immer mehr Zeit auf der Arbeit oder auf dem Weg dorthin verbringen. "Niemand will die Zeit opfern, die für Familie und Unterhaltung bleibt. Also opfern sie stattdessen den Schlaf."

Zudem habe der Schlaf keinen guten gesellschaftlichen Ruf: "Wir wollen in den Augen anderer wichtig sein. Eine Möglichkeit das zu zeigen, ist es, allen mitzuteilen, wie wenig wir schlafen." Dies sei fast schon etwas wie eine Auszeichnung.

Das Problem sei so ernst, dass der Gesetzgeber sich damit befassen müsse. "Die Situation muss sich ändern - in der Gesellschaft, bei der Arbeit, in den Familien. Haben Sie jemals eine Kampagne des Gesundheitsministeriums gesehen, wo Menschen aufgerufen würden, einfach schlafen zu gehen?"

Dabei ist das Geheimnis eines guten Schlafs ganz einfach: "Jede Nacht, acht Stunden, ohne Ausnahme. Und immer zur gleichen Zeit aufstehen - egal was", rät der Professor. Man müsse das Problem endlich ernst nehmen, fordert der Wissenschaftler. Denn er habe gesehen, wozu Schlafmangel führen könne.