Der Psychologe und Management-Berater Michael Schmitz über den Vormarsch der Narzissten in die Chefetagen und seine gefährlichen Folgen.
Serie, Teil 2: Wie egozentrische Manager mit überzogenem Selbstwertgefühl motivierte Mitarbeiter demoralisieren.
Wenn Thomas L. seine Vorstandskollegen zur "offenen Aussprache“ einlädt, eröffnet der CEO die Runde gerne mit einer ausführlichen Darstellung, wie er die Lage sieht und was seiner Meinung nach zu tun wäre. Meist hört er große Zustimmung. Mit kritischen Äußerungen halten sich Anwesende zurück. Damit haben sie schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn einer dem Chef widerspricht, reagiert er verärgert, mit abfälligen Bemerkungen und erklärt, die Einwände seien nicht fundiert. "Eigentlich“, so einer aus der Runde, "nimmt er sich nur selbst ernst“.
L. ist sehr von sich überzeugt. Schließlich, so meint er, sei er nur hingekommen, wo er nun ist, nämlich an der Spitze eines großen, international agierenden Unternehmens, weil er besser ist als andere. Der Erfolg spreche doch für ihn. Allein: Seit einiger Zeit ist er gar nicht so erfolgreich. Aktionären hat er viel versprochen, doch wenig davon gehalten. Die Entwicklung des Unternehmens stagniert. Tendenz fallend. Die Konkurrenz zieht davon. Das, sagt L., liege allein an den Umständen - und daran, dass er noch nicht alle schwächelnden Führungskräfte ausgetauscht habe. Eine bessere Erklärung könnte sein: L. ist zu sehr von sich überzeugt, lässt sich nichts sagen, nutzt nicht das Wissen und die Fähigkeiten anderer, ist verbohrt, egozentrisch, nicht korrigierbar, auch wenn es schief läuft. L. ist ein Narzisst.
Kommentar: Die Begriffe sind nicht scharf getrennt in diesem Artikel, doch vielleicht ist das auch nicht der entscheidende Hauptpunkt. Sondern wichtig zu sehen, dass in Führungspersonen Menschen aktiv sind, die Schaden anrichten
materiell sowie persönlich. Sandra Brown beschrieb in ihrem Buch
Women who love Psychopaths, dass Psychopathen auch narzisstische Anteile haben können und sich ebenso anderen Persönlichkeitsstörungen überlappen können.
Das Stellen der Diagnose "narzisstische Persönlichkeitsstörung" ist Sache eines Psychiaters oder Psychotherapeuten. Dazu müssen fünf der folgenden DSM-IV-TR -Kriterien erfüllt sein:
- hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit (übertreibt etwa Leistungen und Talente, erwartet ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden)
- ist stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe
- glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen verkehren zu müssen
- benötigt exzessive Bewunderung
- legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d. h. hat übertriebene Erwartungen auf eine besonders günstige Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen
- ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, d. h. zieht Nutzen aus Anderen, um eigene Ziele zu erreichen
- zeigt einen Mangel an Empathie: ist nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen / anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren
- ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn / sie
- zeigt arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten
Weitere Zitate aus Wikipedia:
► Narzissmus ist eine starke Selbstverliebtheit oder auch Eitelkeit und hat als psychologischer Fachbegriff mehrere Bedeutungen.
Grundsätzlich kann man einen psychogenetischen Narzissmus-Begriff (Narzissmus als notwendige und ubiquitäre Entwicklungsstufe) von dem geläufigeren, diagnostisch verwendeten, negativ konnotierten Begriff unterscheiden. Letzterer bezeichnet eine Charaktereigenschaft, die sich durch ein geringes Selbstwertgefühl bei gleichzeitig übertriebener Einschätzung der eigenen Wichtigkeit und dem großen Wunsch nach Bewunderung auszeichnet. Diesem charakterpathologischen Narzissmus-Begriff folgt im Wesentlichen auch die diagnostische Verwendung.
Narzissmus ist übertriebene Selbstsucht, bedingt also Egoismus und Egozentrik. Sie versuchen ihr Gegenüber zu kontrollieren und suchen nach ständiger Bestätigung ihrer Grandiosität, da sie sich ohne diese leer fühlen. Narzisstische Personen sind gekennzeichnet durch einen Mangel an Einfühlungsvermögen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, was sie mit einem großartigen äußeren Erscheinungsbild zu kompensieren versuchen. Häufig hängt das mit ihrem brüchigen Selbstwertgefühl zusammen. Narzissten überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und zerstören aus Neid, was begabtere Menschen aufgebaut haben.
Maligner (bösartiger) Narzissmus kann als Zwischenstufe von narzisstischer und antisozialer Persönlichkeitsstörung angesehen werden. Als maligner Narzissmus wird die Kombination von narzisstischer Persönlichkeitsstruktur, antisozialen Verhaltensweisen mit intensiven krankhaften Aggressionen und eventuellen paranoiden Neigungen bezeichnet. Kennzeichnend sind krankhafte Grandiosität (Entwicklung eines nicht der Realität angemessenen Größenselbst oder Realitätsverlust) mit Herrschaftsanspruch innerhalb einer Gruppe, bis hin zu Sadismus und Hass. Im Unterschied zur antisozialen Persönlichkeitsstörung, die sich durch das völlige Fehlen von Verantwortungsgefühl, Gewissen und Sorge/Mitgefühl sich selbst und andere Menschen betreffend auszeichnet, sind beim malignen Narzissmus noch Über-Ich-Anteile (Gewissen) funktionsfähig, und es existiert auch ein Gefühl für Mitmenschen, wenn auch oft in ausbeuterischem Interesse.
"Psychopathen: Geborene Ausbeuter?" (Jochen Paulus, S. 70-73)
Psychopathen nützen ihre Empathie zum eigenen Vorteil.
Die Diagnose "dissoziative Persönlichkeitsstörung" entstammt der Krankheitsklassifikation der Weltgesundheitsorganisation. Viele Fachleute bevorzugen zumindest für die schweren Fälle einen anderen Begriff: Psychopathie. Psychopathen stellen den harten Kern der Kriminellen dar. "Wenn Verbrechen die Stellenbeschreibng ist", schrieb der kanadische Forschungspionier Robert Hare, "ist der Psychopath der perfekte Bewerber."
Nicht jeder Psychopath wird kriminell, die Mehrzahl begeht wohl keine Straftaten. Nette Mitmenschen sind sie deswegen noch nicht unbedingt. Viele lügen und betrügen, nutzen andere aus und übernehmen keine Verantwortung.
Psychopathie ist eine psychiatrische Erkrankung, und Kranke besitzen normalerweise keine besonderen Talente, sondern leiden an Defiziten. Doch in jüngster Zeit wird immer klarer: Psychopathen sind anderen Menschen in manchen Punkten überlegen. Ihre Mängel können ihnen zum Vorteil gereichen.
Erstaunliche Fähigkeiten von Psychopathen. (...) Den Psychopathen gelang es fast dreimal so häufig wie den anderen [Verbrechern], die Ausschüsse von ihrer Harmlosigkeit zu überzeugen.
"Eine besondere Schulung im Umgang mit psychopathischen Straftätern ist dringend nötig", folgert der Psychologieprofessor [Stephen Porter] aus dem Desaster mit Blick auf die Bewährungsausschüsse.
"Oberflächlicher Charme", mit dem sie andere täuschen, gilt als ihr Markenzeichen. "In aller Regel wirkt der typische Psychopath sehr angenehm und hinterlässt einen ausgesprochen positiven Eindruck, wenn man ihm zum ersten Mal begegnet", schrieb der amerikanische Psychiater Hervey Clecley in seinem Buch The Mask od Sanity (etwa "In der Maske der Gesundheit").
Bei gewöhnlichen Kriminellen finden sich überdurchschnittlich oft frühe Schwächen, die zu psychiatrischen Erkrankungen führen können - etwa Probleme während der Geburt, medizinische Auffälligkeiten in der Kindheit oder Lernschwierigkeiten in der Schule.
"Psychopathen folgen einer 'gesunden' (im biomedizinischen, nicht moralischem Sinn) Strategie", spekulieren Harris und Rice. Eine Strategie, welche die Ausbeutung anderer möglich macht.
"Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Psychopathie mit einer Art Raubtiergedächtnis einhergeht", kommentiert Kevin Wilson.
Ebenso können Psychopathen unsichere Menschen außergewöhnlich gut erkennen, wie Angela Book von der Brock University in Ontario nachwies.
Diese "gefühllose Empathie" sei womöglich "entscheidend für den Erfolg der Psychopathen als zwischenmenschliche Betrüger".
Tatsächlich gibt es erste Indizien dafür, dass Menschen Psychopathen intuitiv erkennen können. (...) Die Zuschauer erkannten besser, als bei reinem Raten zu erwarten, wie psychopathisch die Häftlinge waren. Am besten gelang ihnen dies, wenn sie sich auf ihre Intuition verlassen mussten. Bei mehr Zeit "wird das anfängliche Misstrauen womöglich durch Charme überspielt", kommentiert Katherine Flower das frappierende Ergebnis.
Quelle: http://www.kreativtherapien.de/Legendenbildung.htm
Kommentar: Die Begriffe sind nicht scharf getrennt in diesem Artikel, doch vielleicht ist das auch nicht der entscheidende Hauptpunkt. Sondern wichtig zu sehen, dass in Führungspersonen Menschen aktiv sind, die Schaden anrichten materiell sowie persönlich. Sandra Brown beschrieb in ihrem Buch Women who love Psychopaths, dass Psychopathen auch narzisstische Anteile haben können und sich ebenso anderen Persönlichkeitsstörungen überlappen können.