Die Therapie von Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen ist schwierig. Umso schlimmer ist die Erkenntnis, die US-Forscher nun veröffentlichen: Die Störung beeinflusst die Chromosomen.
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Vor allem bei Soldaten, die in Krisengebieten eingesetzt werden, aber auch bei Polizisten und Feuerwehrmännern ist die Gefahr für traumatische Erfahrungen hoch. Entsprechend leiden in diesen Berufsgruppen besonders viele Menschen an posttraumatischen Belastungsstörungen
Vor allem bei Soldaten, die in Krisengebieten eingesetzt werden, aber auch bei Polizisten und Feuerwehrmännern ist die Gefahr für traumatische Erfahrungen hoch. Entsprechend leiden in diesen Berufsgruppen besonders viele Menschen an posttraumatischen Belastungsstörungen


Es kann ein Unfall sein, ein Übergriff - oder ein Attentat: Solche Erlebnisse können die Psyche eines Menschen so stark belasten, dass ein normales Leben kaum noch möglich erscheint. Forscher sprechen von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) - und seit ihrer wissenschaftlichen Beschreibung scheint die Zahl der Menschen, die daran erkranken, rasant in die Höhe zu schnellen.


Vor allem die Erforschung der Lebensläufe von Soldaten, die aus Krisengebieten zurückkehren, zeigt: Wer ein schweres Trauma erleidet, hat ein hohes Risiko, an Depressionen, Angst-, Ess- oder Schlafstörungen zu erkranken und drogen- oder alkoholabhängig zu werden. Kurzum: PTBS ist eine schwere psychische Erkrankung, die alleine durch Ereignisse in der Umwelt ausgelöst wird.

Eine genetischen Ursache haben Wissenschaftler bislang noch nicht bestimmen können. Die Erforschung der Gene hat nur gezeigt, dass es eine Prädisposition für die Entwicklung von PTBS zu geben scheint. Offenbar gibt es Menschen, die anfälliger für PTBS sind als andere. Ausgelöst wird die Erkrankung aber nicht durch die Erbanlagen.

Zellen reagieren auf die Störung

Doch wie wirken sich psychische Erkrankungen auf den Körper aus? Wissenschaftler der University of California haben nun eine Studie veröffentlicht, die zeigt, wie heftig die Folgen sein können. Im American Journal of Geriatric Psychiatry berichtet das Team um Dilip V. Jeste, dass die Chromosomen von Menschen mit PTBS schneller zu altern scheinen als die von Menschen ohne das Belastungssyndrom. Ein Umweltauslöser kann so bis tief in die Zellen wirken und deren Stoffwechsel offenbar dauerhaft umändern.

Es sei die erste Studie, bei der ein Zusammenhang zwischen einer von außen ausgelösten psychischen Störung und den biologischen Prozessen hergestellt wurde, so die Wissenschaftler.

Bislang hatten Wissenschaftler schon bei Patienten mit anderen psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolaren Störungen festgestellt, dass sie schneller zu altern scheinen. Ob das auch auf Menschen mit einer nicht genetisch beeinflussten psychischen Erkrankung zutrifft, war bisher allerdings unklar. Also durchforsteten die Wissenschaftler aus Kalifornien mehrere Datenbanken, die bis ins Jahr 2000 zurückgingen.

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Sie suchten nach Studien, in denen bei PTBS-Patienten auch die Telomerlänge der Chromosomen von weißen Blutkörperchen erfasst worden war. Die Länge der Telomere gilt als biologischer Marker für das Altern. Telomere sind die Endstücke der Chromosomen, die die Erbgutmoleküle davor schützen, abgebaut zu werden.

Bei jeder Zellteilung geht ein wenig Information des Erbgutes verloren - an seinen Enden. Die Telomere verkürzen sich dabei. Chromosomen mit sehr kurzen Telomeren sind somit ein Kennzeichen von alten Organismen. Zellen mit langen Telomeren werden in der Regel bei jungen Lebewesen gefunden.

Tatsächlich gab es Studien, bei denen die Telomerlänge von PTBS-Patienten aufgenommen wurde. Und tatsächlich zeigte sich: Die Chromosomen hatten kürzere Endstücke.

"Wir können nicht sagen, dass die Verkürzung der Chromosomen nur bei PTBS schneller läuft", erklären die Wissenschaftler. "Aber unser Befund zeigt, dass man PTBS nicht nur als eine psychische Erkrankung betrachten darf." Man müsse die biologische Komponente berücksichtigen, da sie für die Betreuung von Erkrankten eine wichtige Rolle spiele. Möglicherweise sei es notwendig, PTBS-Patienten über die reine Therapie der Traumafolgen hin zu betreuen.