PuppenspielerS


Heart - Black

Taser: Der Tod kommt durch Elektroschock

Taser sponserte Kongress

Berlin (nd-Heilig). In dieser Woche hat in Berlin der 15. Europäische Polizeikongress stattgefunden. Das Forum präsentierte sich vor allem als Angebotsmesse der Industrie. So wurde rund die Hälfte aller Vorträge von Industrievertretern gehalten, die ihre High-Tech-Entwicklungen in den Wandelgängen präsentierten. In Magazinen glänzten sie als Sponsoren des vom »Behörden-Spiegel« organisierten Treffens. Am Stand 24 und im Kongressmagazin (Faksimile) konnte man Produkte der Firma Taser begutachten. Sie stellt Elektroschockpistolen her und betont deren nichtletale Wirkung.

Zur gleichen Zeit, als diese Waffen in Berlin den rund 1600 versammelten Sicherheitsexperten offeriert wurden, kam aus den USA die Nachricht, dass Polizisten in Alabama mit einer solchen Taser-Waffe einen Mann getötet haben. Der Unbewaffnete ist laut Menschenrechtsorganisation Amnesty International bereits der 500. Taser-Tote seit dem Beginn des Einsatzes dieser Waffe im Jahr 2001.

Bad Guys

Schwere Gefechte im Nordkaukasus

Moskau. Bei den schwersten Gefechten seit Jahren sind im Nordkaukasus 23 Angehörige von russischen Regierungstruppen sowie islamistische Untergrundkämpfer ums Leben gekommen. Bei dem mehrtägigen Antiterroreinsatz in dem russischen Konfliktgebiet an der Grenze zwischen den Teilrepubliken Dagestan und Tschetschenien seien Artillerie sowie Kampfhubschrauber eingesetzt worden, berichteten Medien am Freitag. Auch im Gebiet Kabardino-Balkarien gab es Kämpfe.

dpa/nd

Cult

Parlament gewährt Geheimdienst Schutz vor Strafverfolgung

Ankara. Das türkische Parlament hat ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, dass Geheimdienstagenten vor Strafverfolgung schützt. Das in der Nacht zu Freitag mit den Stimmen der Regierungspartei AKP verabschiedete Gesetz sieht vor, dass die Justiz Agenten nicht ohne Einverständnis des Regierungschefs für Einsätze belangen darf, die von ihm angeordnet wurden. Vergangene Woche hatten sich Agenten des Geheimdiensts MIT geweigert, einer Vorladung der Istanbuler Staatsanwaltschaft Folge zu leisten. Diese wollte sie wegen des Verdachts auf Überschreiten ihrer Funktionen zu Kontakten mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) befragen.

AFP/nd

Beaker

Das Virus aus dem Labor

Viren
© Zeichnung: Chow Ming
Kann uns das drohen: eine Grippe-Pandemie, ausgelöst durch einen Laborunfall mit einer »aufgerüsteten« Version des Vogelgrippe-Virus H5N1? Die US-Regierung sieht das offenbar so. In einem bisher beispiellosen Schritt hat sie Wissenschaftler aufgefordert, eine Arbeit zum Vogelgrippevirus nicht vollständig zu veröffentlichen. Virologen aus den Niederlanden und den USA hatten im Labor eine Variante dieses Virus geschaffen, die leicht von Säugetier zu Säugetier übertragen werden kann.

Die beiden Hauptautoren Ron Fouchier vom Erasmus Medical Center in Rotterdam und Yoshihiro Kawaoka von der Universität von Wisconsin in Madison äußerten sich zurückhaltend zu der Forderung, erklärten allerdings ein zweimonatiges Moratorium für ihre Forschung.

Der Chefredakteur des US-Fachblatts Science, Bruce Alberts, schlug vor, ein System zu schaffen, mit dessen Hilfe zumindest den Fachleuten die kompletten Forschungsergebnisse zur Verfügung gestellt werden könnten. Das sei wichtig für die von der Vogelgrippe besonders stark betroffenen Gebiete wie China und Indonesien. Bis es jedoch eine solche Möglichkeit gebe, wolle »Science« auch keine »entschärfte« Version der Arbeit veröffentlichen.

Weltweit sind insbesondere Vögel mit dem Erreger H5N1 infiziert. Menschen waren nur in Einzelfällen erkrankt, man spricht von etwa 600. Diese Infektionen endeten allerdings zu 60 Prozent tödlich. Glücklicherweise überträgt sich der Erreger kaum von den Federtieren auf uns Menschen.

Nuke

Verstrahlte Lebensmittel: Japan senkt Grenzwerte und erklärt diese als sicher

Über ein Jahr nach dem GAU im Atomkraftwerk Fukushima will Japan die Grenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel deutlich senken. Nach der Atomkatastrophe hatte der Staat die Grenzwerte erhöht. Unterdessen scheint das Erdbebenrisiko in der Region angestiegen zu sein.
Bild
© keystone

Ein für Lebensmittelsicherheit zuständiges Gremium des Gesundheitsministeriums stimmte am Donnerstag dem Plan zu, den Grenzwert für Cäsium bei Lebensmitteln wie Reis und Fleisch im April auf 100 Becquerel festzusetzen. Für Milch und Babynahrung sollen 50 Becquerel gelten und für Trinkwasser 10.

Nach Beginn der Atomkatastrophe in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 hatte der Staat für Trinkwasser, Milch und Milchprodukte vorläufig einen Grenzwert von 200 Becquerel pro Kilogramm festgelegt sowie von 500 Becquerel für die drei Kategorien Gemüse, Getreide und andere Lebensmittel wie Fleisch, Eier und Fisch.

USA

Syrien: Aktivisten berichten von Kampfjet-Angriff

Neue Offensive in Syrien: Die Truppen von Assad sind offenbar mit Panzern bis in zentrale Teile der Hauptstadt Damaskus vorgedrungen. In Homs explodierte schon zum dritten Mal eine Ölpipeline.


Syrische Sicherheitskräfte haben die Stadt Hama angegriffen. Am Morgen sind starke Explosionen zu hören gewesen, wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilt. Telefonleitungen, das Mobilfunknetz und das Internet sind unterbrochen. Nach Angaben der örtlichen Koordinierungskomitees, die vor Ort den Protest gegen Präsident Baschar al-Assad organisieren, war am Vorabend überdies ein Krankenhaus in Hama bombardiert worden.

Zugleich flog die syrische Armee nach Angaben von Aktivisten Angriffe auf eine Öl-Pipeline in der Protesthochburg Homs. Zwei Militärflugzeuge hätten die Leitung am Rande des Stadtviertels Baba Amr am Morgen aus der Luft attackiert, teilt ein Mitglied des sogenannten Revolutionsrates von Homs unter Berufung auf Augenzeugen mit. Die Londoner Beobachtungsstelle bestätigte den Angriff. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete indes, eine «Terrorgruppe» habe eine Öl-Pipeline in Homs gesprengt.

Eye 1

Google will Datenspionage schmackhaft machen mit Amazon-Gutscheinen und Bargeld

Der amerikanische Konzern Google hat die Firma Knowledge Networks mit einer Studie zur Internetnutzung beauftragt, um typische Gewohnheiten bei der Internetnutzung zu erforschen. Für das Projekt, das unter dem Namen „Screenwise“ läuft, werden Leute gesucht, die dazu bereit sind, ihre Internetnutzung überwachen zu lassen. Wenn die Nutzer es zulassen, dann werden sie mit Amazon-Gutscheinen und 20 US-Dollar monatlich entschädigt, solange sie an dem Projekt teilnehmen. Wenn die Nutzer sich bereit erklären eine datensammelnde Hardware installieren zu lassen, so wird eine einmalige Zahlung von 100 US-Dollar vorgesehen.

Google wirbt dabei mit dem Spruch „Helfen sie uns, Google besser zu machen“, jedoch stehen viele Datenschützer dem Verhalten des Internetgiganten kritisch gegenüber, obwohl es auf freiwilliger Basis und mit Einwilligung der Nutzer geschieht. Die Teilnahmebedingungen sind recht einfach gestrickt. Hier muss man mindestens 13 Jahre alt sein, über ein Google-Konto verfügen und den Google-eigenen Browser „Chrome“ verwenden. Datensammelnde Hardware soll in 2500 Haushalten installiert werden. Hier wird ein Gerät von Cisco bereitgestellt, das als Router und WLAN-Spot dient. Das Gerät sammelt alle Daten von allen Endgeräten, die darüber mit dem Internet verbunden sind. Weiterhin stimmt man zu, dass Google die erfassten Daten an Dritte weitergegeben darf.

Pills

Weiterer Medikamente-Skandal: 1.300 Todesfälle durch Benfluorex in Frankreich

Paris - Die viel zu späte Marktrücknahme des Appetitzüglers Mediator hat in Frankreich möglicherweise zu 3.100 Hospitalisierungen wegen Herzklappenfehlern und 1.300 Todesfällen geführt. Dies ergeben neue Berechnungen des französischen Forschungsinstituts INSERM in Pharmacoepidemiology & Drug Safety (2012, doi: 10.1002/pds.3213).

Die französische Arzneibehörde Afssaps hatte das Medikament Mediator erst im November 2009 vom Markt genommen, nachdem dem dortigen Melderegister für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) erste Fälle einer Herzklappeninsuffizienz oder einer pulmonalen Hypertension im Zusammenhang mit der Einnahme gemeldet worden waren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nach Auskunft des Herstellers in Frankreich 145 Millionen Packungen verkauft worden.

Dort war es seit 1976 (wie auch in Spanien und Italien, nicht aber in Deutschland) zur Behandlung der Hypertriglyzeridämie und zur Gewichtsreduktion beim Typ-2-Diabetes mellitus zugelassen. Es wurde zunehmend „off-label“ als Appetitzügler verordnet.

Red Flag

Propaganda: Für Anschläge auf israelische Diplomaten beschuldigt Israel den Iran

Israel hat den Iran zweier Anschläge auf israelische Diplomaten in Indien und Georgien beschuldigt. In Neu Delhi sind vier Menschen verletzt worden. In der georgischen Hauptstadt Tiflis konnte ein Sprengkörper rechtzeitig entschärft werden.

Israel hat den Iran zweier Anschläge auf israelische Diplomaten in Indien und Georgien beschuldigt. Dabei wurden am Montag in Neu Delhi vier Menschen verletzt, als eine Bombe nahe der israelischen Botschaft explodierte, darunter die Frau eines israelischen Diplomaten. In der georgischen Hauptstadt Tiflis konnte ein Sprengkörper rechtzeitig entschärft werden. Israelische Vertretungen weltweit wurden aus Furcht vor weiteren Anschlägen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beschuldigte Teheran der Urheberschaft: „Der Iran, der hinter diesen Anschlägen steht, ist der größte Terror-Exporteur der Welt.“ Außenminister Avigdor Lieberman sagte: „Wir können identifizieren, wer hinter den Anschlägen steht.“ Man werde Angriffe auf israelische Staatsbürger nicht tolerieren.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die Anschläge auf das Schärfste. „Wir fühlen solidarisch mit unserem Freund und Partner Israel“, sagte er nach Angaben des Auswärtigen Amtes am Rande seiner Gespräche in Brasilia. „Hinterhältige Anschläge wie diese schaden den Bemühungen um Frieden im Nahen Osten.“ Indien und Georgien seien aufgerufen, die Anschläge aufzuklären und die Sicherheit israelischer Diplomaten zu gewährleisten.

Stormtrooper

Brilliant: James Vaupel legt Rente mit 72 nahe

Im Jahr 2050 müssten die Deutschen nach Forschungsergebnissen fünf Jahre länger arbeiten, um die Funktion des Rentensystems zu erhalten.
rentner, rollator
© dapd/DAPD

Berlin/Rostock. Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock rechnet damit, dass das Renteneintrittsalter in Deutschland angesichts der höheren Lebenserwartung erheblich ansteigen muss. Im Jahr 2050 müssten die Deutschen fünf Jahre länger arbeiten, um die Funktion des Rentensystems zu erhalten, sagte Institutsdirektor James Vaupel der Welt am Sonntag. Das hieße, die Beschäftigten dürften nicht mit 67, sondern erst mit 72 Jahren in den Ruhestand.

Vaupel reagierte damit auf Pläne der Europäischen Kommission. Sie empfiehlt Europa, „das Rentenalter mit der Steigerung der Lebenserwartung abzugleichen“ und außerdem die Möglichkeiten der Frühverrentung zu beschränken. So steht es nach Informationen des Blattes im Entwurf zu einem sogenannten Weißbuch der EU-Kommission, das sie in der kommenden Woche vorstellen will.

„Die Menschen müssen schlicht einen vernünftigen Teil ihrer Lebenszeit arbeiten“, sagte Vaupel zu den Plänen aus Brüssel. Heute verbrächten die Europäer etwa die Hälfte ihres Lebens im Beruf. „Für die Rentensysteme würde es schon reichen, dieses Verhältnis beizubehalten.“