Das Kind der GesellschaftS


Bizarro Earth

Golf von Mexiko - Leere Netze nach der Ölpest

Dort, wo nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" drei Monate lang etwa 780 Millionen Liter Öl ins Meer geflossen sind, erkranken nun Fische und Garnelen. Ein Zusammenhang scheint offensichtlich. Doch beweisen lässt er sich kaum.

Jeden Morgen fahren an der Küste Louisianas Trawler mit Schleppnetzen aus, um im Golf von Mexiko Garnelen zu fangen. Die Saison begann bereits Ende August und dauert bis Ende des Jahres. Es gibt derzeit nur ein Problem: Brachten die Krabbenfischer früher regelmäßig mehrere Tonnen Shrimps von einer Ausfahrt nach Hause, kommen sie heute oft mit fast leeren Booten zurück.
Krabbenfischen im Golf von Mexiko
© dpaKrabbenfischer im Golf von Mexiko, Mai 2010. Vor der Katastrophe im April brachten die Fischer regelmäßig mehrere Tonnen Shrimps nach Hause. Heute kommen sie oft mit fast leeren Booten zurück.

Die Sprecherin der Umweltbehörde des Staates Louisiana, Olivia Watkins, betont, dass endgültige Fangzahlen noch nicht vorliegen - und will sich deshalb nicht weiter äußern. Doch Clint Guidry, Präsident der Louisiana Shrimp Association, berichtet, die Fangmengen seien vielerorts um 80 Prozent gefallen.

Auch der Meeresbiologe James Cowan von der Louisiana State University sagt, der Einbruch der Garnelenfischerei sei unübersehbar. Fischer und fischverarbeitende Firmen stellen bereits Mitarbeiter frei, Großeinkäufer decken ihren Garnelenbedarf nicht mehr in Louisiana, sondern in Bundesstaaten wie Georgia, South oder North Carolina.

Blackbox

Hacker-Angriff auf "Datenkrake" Facebook?

Das Hacker-Kollektiv "Anonymous" hat für diesen Samstag einen Angriff auf Facebook angekündigt. Das Online-Netzwerk ist für die einen unverzichtbar geworden, für andere mutiert es zur gefährlichen Datenkrake.
anonymous, facebook
© DW/ap

Thilo Weichert dürfte mittlerweile der meistgehasste Mann im kalifornischen Menlo Park sein - der Name des schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten ist inzwischen auch am Stammsitz von Facebook ein Begriff. Denn Weichert hat Facebook herausgefordert - oder besser gesagt, dessen Fans. Der Datenschutzexperte kritisiert die so genannten "I like"-Buttons, die auf mittlerweile 250 Millionen Internetseiten weltweit vorhanden sein sollen.

Im Zentrum des Datennetzes: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Alleine das Aufrufen einer Seite mit einem solchen "I like"-Button, so Weichert, spiele Facebook eine Menge an Daten zu. Man müsse dafür nicht einmal den Button anklicken. Letztlich lasse sich damit sogar das Surfverhalten von Menschen beobachten, die gar nicht Mitglied bei Facebook sind. Der Datenschutzbeauftragte sieht damit einen deutlichen Verstoß gegen die Datenschutzgesetze in seinem Land - und droht den Betreibern einer Internetseite mit einem solchen "I like"-Button mit einem hohen Bußgeld. Weichert steht damit - mehr oder weniger unbewusst - an der Spitze einer langsam wachsenden Bewegung, die sich gegen den anscheinend unstillbaren Datenhunger von Facebook wendet. Nicht das Netzwerk als solches oder soziale Netzwerke generell nehmen die Kritiker ins Visier, sondern ganz speziell das Verhalten des US-Konzerns und Weltmarktführers. Den Ruf als "Datenkrake" hat Facebook sich dabei mehr oder weniger redlich verdient.

Book

Grenzwissenschaftliche "Generationenbibliothek" gegründet

Die 2 Vorsitzenden der 'Generationenbibliothek'
© Andreas Kirchner, prae-astronautik.atDie beiden Vorsitzenden der "Generationenbibliothek", Alexander Knörr und Frank Grondkowski.
Berlin/ Deutschland - Am 28. Oktober 2011 trafen sich im Hotel Van der Valk Berliner Ring vierzehn grenzwissenschaftliche Forscher, Autoren und Verleger um den Verein "Generationenbibliothek e.V." zu gründen.

Den Hintergrund des Projekts erläutern die Gründungsmitglieder wie folgt:
"Die meisten Menschen, die sich für Grenzwissenschaften interessieren, werden von ihrem Umfeld und der Familie zwar geduldet aber doch in den meisten Fällen belächelt. Viele verstehen nicht, dass man sehr viel Zeit diesen Themen widmet. Ob dies Prä-Astronautik, Astronomie, UFO Forschung, Kryptozoologie, Geisterphänomene oder spirituelle Themen sind, sie werden durchweg eher abwertend von außen betrachtet.

Spätestens nach dem Tode des Freizeitforschers sind die über Jahrzehnte angesammelten Dokumente, Zeitschriftenartikel, Bücher, Schriftverkehr mit anderen Forschern, Bilder und vieles mehr dann für die Hinterbliebenen nicht mehr interessant und werden schlichtweg weggeworfen! Bücher werden noch bei Ebay verschachert, aber die wirklich wertvollen Manuskripte, Akten von Sichtungen und unheimlichen Begegnungen, die man selbst untersucht hat, Dokumente und Notizen werden meist entsorgt." Der gemeinnützige Verein "Generationenbibliothek e.V." wurde von aktiven Forschern, Autoren, Verlegern und interessierten Laien gegründet, um dies zu verhindern!

Bad Guys

Griechenland: "Mitte des Monats fehlt das Geld fürs Essen"

Junge Griechen wie Christina Baniotopoulou sind wütend - und wollen das Land verlassen

Christina Baniotopoulou studiert Psychologie in Thessaloniki. Als Studentin habe man meistens wenig Geld. Doch vielen ihrer Altersgenossen gehe es wirklich schlecht, sagt die 21-Jährige. Keine Perspektive, kein Job. "Spätestens Mitte des Monats wissen viele nicht mehr, wovon sie noch ihre Lebensmittel bezahlen sollen", sagt Christina.

Sie und viele jungen Griechen sind wütend. Nicht nur auf den Ministerpräsidenten Papandreou. Auf die ganze politische Klasse in Griechenland. Darauf, dass die ihr Land kaputt gewirtschaftet haben. Aber bei all der Wut herrscht vor allem eines: Verzweiflung. Darüber, dass Akademiker, die mit einem gut bezahlten Job ins Berufsleben gestartet sind, heute nur noch 500 Euro Gehalt im Monat bekommen. Von denen sie nicht leben, geschweige denn eine Familie ernähren können. Und am Ende auch Verzweiflung darüber, wie Griechenland jemals all das Geld zurückzahlen soll, das es sich geliehen hat.

Was muss passieren? Christina hat einen ungewöhnlichen Vorschlag. Schuldige seien nicht die EU oder der Euro. Griechenland müsse raus aus dem Internationalen Währungsfonds. Dass Griechenland überhaupt erst so viele Schulden machen konnte, hätte das Land in diese Krise gestürzt. Das zeigten Länder wie Argentinien und Ecuador, denen es besser gehe, seitdem sie den IWF verlassen hätten. In Griechenland hingegen seien die Steuern ins Unermessliche gestiegen, die Gehälter reichten nicht mehr zum Leben.

Megaphone

Schmutzige Wissenschaft: Psychologie-Professor des Betrugs überführt

Um möglichst rasch in die Schlagzeilen zu gelangen, gibt es für einen Wissenschaftler ein einfaches Rezept: Führe eine Studie zu einem ideologisch aufgeladenen Thema durch! Daran hielt sich jahrelang auch der niederländische Psychologe Diederik Stapel, der 2002 als Professor für Kognitive Sozialpsychologie an die Universität Groningen berufen wurde und 2010 den Posten des Dekans an der Tilburg School of Social and Behavioral Sciences übernahm.

Im April 2011 veröffentlichte er gemeinsam mit einem Kollegen im US-Fachblatt Science einen Artikel, worin es heißt, dass eine schmutzige Umgebung die Benutzung von Stereotypen sowie ein diskriminierendes Verhalten fördere. Auf dem Hauptbahnhof von Utrecht, der wegen eines Streiks mit Müll übersät war, hatten die Forscher zuvor 40 Niederländer gefragt, was sie über Homosexuelle und Muslime dächten. Eine Woche später wiederholten sie die Befragung auf dem mittlerweile gesäuberten Bahnhof. Bei Anwesenheit von Schmutz und Unordnung, so resümierte Stapel, seien Homosexuelle und Muslime viel stärker mit negativen Eigenschaften belegt worden als in einer sauberen Umgebung.

Zeitungen auf der ganzen Welt griffen diese »Botschaft an die Politik« sofort auf. Focus und Spiegel berichteten darüber ebenso ausführlich wie die »Frankfurter Rundschau« und die »Neue Zürcher Zeitung«. Inzwischen jedoch ist die ganze Studie, die vielleicht sogar Bedenkenswertes enthält, wertlos geworden. Denn nachdem Stapel von einigen jungen Kollegen der Datenfälschung verdächtigt worden war, setzte die Universität Tilburg einen Untersuchungsausschuss ein, der diesen Vorwurf jetzt bestätigt hat.

Che Guevara

Oakland, USA: "Occupy"-Aktion legt Hafen lahm

Mit einem Generalstreik und Besetzungen demonstrieren Tausende in Oakland unter dem Banner der Occupy-Bewegung gegen die Macht der Finanzmärkte. Der wichtige Handelshafen muss seinen Betrieb einstellen. In der Nacht muss die Polizei eingreifen. In London feiern Protestler einen Erfolg: Die Zelte vor der St. Paul's Cathedral dürfen bis Januar bleiben.
demonstranten
© APFriedlich besetzten die Demonstranten den Hafen von Oakland und legten damit den Verkehr dort lahm.

Im kalifornischen Oakland haben tausende Menschen gegen die Macht der Banken protestiert und dabei den Hafen der Millionenstadt lahmgelegt. Sie blockierten Zufahrtsstraßen und errichteten Sperrzäune. Die Operationen des fünftgrößten Hafens der USA kamen zeitweise fast vollständig zum Erliegen.

Die Aktion der Anti-Wall-Street-Bewegung verlief tagsüber friedlich. In der Nacht kam es allerdings zu Ausschreitungen. Der San Francisco Chronicle nannte die Zustände chaotisch. Demnach marschierten Dutzende Maskierte durch die Innenstadt, brachen in ein leerstehendes Gebäude ein, schlugen Fensterscheiben ein, versprühten Graffiti und legten Feuer. Polizisten in Kampfausrüstung seien schließlich mit Tränengas gegen die Gruppe vorgegangen. Viele Vandalen seien festgenommen, drei von ihnen verletzt worden. Nur eine kleine Gruppe von Demonstranten habe randaliert und Sachschaden angerichtet, beschwichtigte Oaklands Bürgermeisterin Jean Quan.


Ambulance

Flugzeug in Not nach Kollision mit Vogel

Ein mit 245 Passagieren besetzter Ferienflieger muss den Steigflug abbrechen und ein Triebwerk abschalten. Piloten kehren um.
boeing 757-300, hamburg, condor
© dpaDie Boeing 757-300 der Fluggesellschaft Condor nach ihrer Landung auf dem Flughafen Fuhlsbüttel. In Hamburg werden jährlich etwa 30 Vogelkollisionen gezählt

Hamburg. Der Condor-Ferienflieger hatte Sekunden zuvor die Startbahn verlassen. Er setzte gerade steil zu seinem Höhenflug an, als die in die Sitze gepressten Passagiere durch einen Knall auf der linken Flügelseite und die folgende Erschütterung aus ihrem frühmorgendlichen Dämmerzustand gerissen wurden. Die Meldung im Cockpit der voll besetzten Boeing 757-300 folgte unverzüglich: Probleme am linken Triebwerk, warnte ein Signallicht. Die Piloten wussten genau, was zu tun ist: Sie schalteten die betroffene Turbine in den Leerlauf und setzten zum Rückflug nach Hamburg an.

Ein sogenannter Vogelschlag beendete gestern Morgen kurz vor 7.30 Uhr jäh den Traum von Sonnenstunden am Roten Meer für 245 Passagiere: Ein oder mehrere Vögel hatten den Weg ihres metallenen Bruders auf seinem Flug in das ägyptische Touristenmekka Hurghada gekreuzt und waren in die Turbine eingesogen worden, wo sie beträchtlichen Schaden anrichteten.

Wie hoch der Schaden ist, ist noch nicht bekannt. Die Lufthansa Technik untersuchte die Maschine gleich nach ihrer erfolgreichen Landung in einer Werft. Die Ergebnisse des gründlichen Checks stehen aber noch aus.

Eye 2

"Jeder begegnet einmal im Leben einem Soziopathen"

monster von nebenan, buch, psyhopath
© Goldegg-Verlag
Buchautorin Beate Handler über Gewalt in der Familie, fehlende Zivilcourage, Fehler der Medien und das Geheimnis des Nachbarn

Die Psychologin und Psychotherapeutin Beate Handler schreibt in ihrem vierten Buch Monster von Nebenan. Wie gut kennen Sie Ihren Nachbarn? über "die dunkle Seite" in den Menschen. Sie bezeichnet die Kindheit als Schlüssel zur Psyche und widmet sich psychischen Erkrankungen und Auffälligkeiten. Dabei beschreibt sie unter anderem die Merkmale, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten von dissoziale Persönlichkeitsstörungen, Stalking oder Narzissmus.

derStandard.at: Frau Handler, wie gut kennen Sie Ihren Nachbarn?

Beate Handler: Die jetzigen Nachbarn kenne ich nicht sehr gut aber sie sind auch gerade erst eingezogen. Die vorigen Nachbarn haben das Kapitel "Gibt es das Böse?" im Buch sehr bereichert. Begonnen hat es damit, dass um sieben Uhr abends meine Bekannten unabsichtlich bei den Nachbarn geklingelt haben. Daraufhin ist mein Nachbar aus der Wohnung gekommen und hat mich sehr derb beschimpft. Sie haben mich auch nie gegrüßt und im Aufzug immer böse geschaut. Mit ihren Kindern haben sie nie nett gesprochen. Und eines Tages hatte ich im neuen Auto zwei Dellen, die wahrscheinlich von ihrer Autotür stammten. Sie sind aber, nachdem ich das Buch fertig geschrieben hatte, zum Glück ausgezogen.

Kommentar: Lesen Sie auch die Artikelserie über Psychopathen:

Der Psychopath - Teil 1: Die Maske der Vernunft


Heart - Black

Justizskandal: Türkisches Gericht rechtfertigt Gruppenvergewaltigung

türkei, flagge
© DPA
Zwei Dutzend Beamte, Lehrer und Soldaten haben in der Türkei eine 13-Jährige regelmäßig vergewaltigt. Möglich, dass keiner von ihnen hinter Gitter muss. Parteien und Regierung distanzieren sich von dem Urteil.

Die osttürkische Provinz Mardin im Jahr 2002. Mehr als zwei Dutzend scheinbar ehrenwerte Bürger, darunter Beamte, Lehrer, Soldaten und der Chef der örtlichen Landwirtschaftskammer, verschaffen sich über zwei Zuhälterinnen Kontakt zu dem Mädchen Nailan und vergewaltigen die 13-jährige regelmäßig. Schließlich gelingt Nailan die Flucht, Anwälte nehmen sich des schwer traumatisierten Mädchens an und bringen die Täter vor Gericht. Doch diese könnten billig davonkommen: Vor wenigen Tagen entschied das höchste Berufungsgericht des EU-Bewerberlandes Türkei, dass die Vergewaltiger nur Mindeststrafen erhalten dürften - weil das Mädchen den Geschlechtsverkehr selbst gewollt habe.

Gut möglich, dass die Männer keinen einzigen Tag hinter Gittern verbringen müssen.

„Bisher war noch keiner im Gefängnis“, sagte Nailans Anwältin Reyhan Baydemir am Donnerstag unserer Zeitung. „Möglicherweise bleiben alle auf Dauer frei.“ Denn das Verfahren steht vor der Verjährung.

Bandaid

Wieder Triebwerksproblem: Qantas A380 muss in Dubai notlanden

Auf den Tag genau vor einem Jahr explodiert bei der australischen Fluglinie Qantas ein Triebwerk am Riesenflieger A380. Nun muss Qantas seinen Vorzeige-Jumbo erneut wegen eines Triebwerksproblems notlanden. Parallelen zu den Ereignissen vor einem Jahr sieht Qantas nicht.
qantas, flugzeug a380
© APDiese A380 von Qantas hat ihr Ziel London-Heathrow planmäßig erreicht.

Rund ein Jahr nach der aufsehenerregenden Notlandung einer Qantas -Maschine musste erneut ein Airbus A380 der australischen Airline wegen Triebwerksproblemen ungeplant in Dubai landen. Wegen eines Fehlers bei der Ölmengenanzeige landete das Flugzeug mit 258 Passagieren an Bord in der Wüstenstadt.

Der Flieger war nach Unternehmensangaben ursprünglich auf dem Weg nach London. Eine Qantas-Sprecherin wies jeden Zusammenhang mit den Problemen vor einem Jahr zurück. "Die beiden Vorfälle unterscheiden sich vollkommen." Das aktuelle Problem werde nun untersucht. Sprecher des britischen Triebwerksherstellers Rolls-Royce und des Flugzeugbauers Airbus erklärten, sie seien über den Vorfall informiert und arbeiteten eng mit Qantas zusammen.