Das schwere Erdbeben im Osten des Landes hat eine tiefe Kluft zwischen den sozialen Schichten gerissen. Auch politische Allianzen bestimmen, wer zuerst Hilfe bekommt.

© dapdWer wird als erstes bedient? Vermutlich die reichen und politisch genehmen.
VAN taz | Abgesehen von einigen Rissen in den Wänden und etwas abgeplatztem Putz scheint Van nach dem schweren Erdebeben vom vergangenen Sonntag zum normalen Alltagsleben zurückzukehren.
Tagsüber sind die Bürgersteige der Innenstadt gefüllt, und auf den Straßen herrscht das übliche Verkehrschaos. Nachts jedoch ist Van eine verlassene Geisterstadt: die mehrstöckigen Appartmentblocks, die das Stadtbild beherrschen, stehen größtenteils leer, nur vereinzelt sind Fenster erleuchtet.
Über 5.000 Gebäude sind wegen statischer Bedenken für unbewohnbar erklärt worden. Während es die Mittelschicht vorzog, der Stadt vorläufig zu entfliehen, bleibt den ärmeren Bewohnern keine Wahl, als bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt die Nächte in Zelten zu verbringen. Die Naturkatastrophe hat - wie so oft - die bereits Benachteiligten am härtesten getroffen.