trump netanyahu
Am Tag nachdem zwei US-Drohnen Raketen abgefeuert haben, die den iranischen General Qassem Soleimani töteten, gab US-Präsident Donald Trump eine Pressekonferenz, in der er seine Gründe für die Aktion mit folgenden Worten darlegte: "Wir haben gestern Abend Maßnahmen ergriffen, um einen Krieg zu verhindern. Wir ergreifen keine Maßnahmen, um einen Krieg zu beginnen."

Auf welchen Krieg bezog sich Trump mit dieser Aussage?

Im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016 erschreckte Trump die Israelis mit seiner "America First"-Politik, weil sie nach Isolationismus und einem möglichen Rückzug aus dem Nahen Osten roch. Wie jeder (oder zumindest jeder in Israel) "weiß", würde Israel bald "von muslimischen Horden überrannt" werden, sollten die USA den Nahen Osten verlassen. Israel hätte dann kaum eine andere Wahl, als die "Samson-Option" zu nutzen und so viele seiner arabischen "Feinde" wie möglich mit sich in den Abgrund zu reißen.

Diese Befürchtungen wurden bis zu einem gewissen Grad durch Trumps Entscheidung gemildert, sich aus dem Nukleardeal mit dem Iran zurückzuziehen, die Sanktionsschrauben für Teheran anzuziehen und die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem zu verlegen. Natürlich wurden diese Gefälligkeiten für Israel zu einem großen Teil im Voraus durch eine 25 Millionen Dollar-Spende für die Trump-Wahlkampange (die größte Spende für irgendeine Wahl-Kampagne im Jahr 2016) von dem jüdischen Casino-Mogul Sheldon Adelson erkauft. Nach dem Wahlsieg von Trump gab Adelson weitere 5 Millionen Dollar für seine Amtseinführung aus - die größte Einzelspende, die jemals für die Amtseinführung eines Präsidenten geleistet wurde. Laut dem US-Politiker Newt Gingrich ist Adelsons "Hauptanliegen" Israel; und angesichts der Tatsache, dass Adelson 2013 sagte, dass die USA "eine Atombombe auf den Iran werfen sollte", bin ich geneigt, Gingrich zu glauben.

Die pathologischen Befürchtungen Israels, von den Gois [steht im Hebräischen unter anderem für "Nichtjuden"] im Stich gelassen zu werden, sind tief verwurzelt, unüberwindbar und wurden zweifellos durch ein Interview wiedererweckt, das Trump im November 2018 der Washington Post gab. Als Trump gefragt wurde, ob gegen Saudi-Arabien Sanktionen wegen der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi verhängt werden sollten, antwortete er [meine Hervorhebung]:
"Ich habe einfach das Gefühl, dass es sehr, sehr wichtig ist, diese Beziehung [zu Riad] aufrechtzuerhalten. Es ist sehr wichtig, Saudi-Arabien als Verbündeten zu haben, wenn wir in diesem Teil der Welt bleiben wollen. Nun, werden wir in diesem Teil der Welt bleiben? Ein Grund dafür ist Israel. Öl ist immer weniger ein Grund [dafür, zu bleiben], weil wir jetzt mehr Öl produzieren, als wir jemals zuvor produziert haben. Also, wissen Sie, daher kommt man plötzlich an einen Punkt, an dem man nicht mehr dort bleiben muss."
Die Invasion und Zerstörung des Irak im Jahr 2003 und die Entfernung von Saddam Hussein war ein von den US-amerikanischen/israelischen Neokonservativen eingefädeltes Komplott, um (unter anderem) den Baathismus ein für alle Mal zu beseitigen: Eine Ideologie, die versucht hatte, mehrere Nationen des Nahen Ostens unter einem [nominell] säkularen, sozialistischen Pan-Arabismus (eine ernsthafte Bedrohung für Israel) zu vereinen. Während das durch die US-Invasion und die Besatzung verbreitete Chaos dieses Ziel erreicht hat, öffnete es auch den Weg für den Iran, seinen Einfluss unter den schiitischen Muslimen des Irak zu vergrößern, die 65% der Bevölkerung dieses Landes ausmachen und die von Saddam, einem sunnitischen Muslim (der Iran ist zu 90% schiitisch), in Schach gehalten worden sind. In den letzten 10 Jahren hat dieser wachsende iranische Einfluss zu immer schärferen Aufrufen aus Israel geführt, "etwas gegen den Iran zu unternehmen".

Im letzten Jahr haben wir wiederholt israelische Luftangriffe auf so genannte angebliche "iranische Militärziele" in der Levante erlebt, einschließlich mehrerer israelischer Luftangriffe auf Syrien, auf den Irak, auf Libanon und mehrere koordinierte Angriffe auf Öltanker im Persischen Golf - die, obgleich sie ursprünglich dem Iran in die Schuhe geschoben wurden, keinen Krieg provozierten, weil regionale Untersuchungen sich "nicht als schlüssig erwiesen" - und ebenso auch das, was wahrscheinlich eine israelische Operation unter falscher Flagge war und auf große saudische Ölraffinerien abzielte (und dem Iran ebenfalls lauwarm angelastet wurde).

Der Hauptgrund für Israels zunehmende Besorgnis wegen des Irans ist der bedeutende Fortschritt, den der Iran bei der Bildung politischer und militärischer Allianzen innerhalb des Irak (eine direkte Folge der von Israel inspirierten Zerstörung des Landes durch die USA) und in der gesamten Region gemacht hat sowie die Tatsache, dass er heute das einzige Land in der Region ist, das über die menschlichen und militärischen Ressourcen (und die Absicht) verfügt, den Wunsch des jüdischen Staates nach regionaler Hegemonie zu bedrohen.

Vor kurzem veröffentlichte diplomatische Dokumente, die auf die Jahre 2014-15 datieren, führen im Detail das Ausmaß des iranischen Einflusses innerhalb der irakischen Regierung auf und offenbaren, wie iranische Geheimdienstbeamte einen Großteil des Kabinetts der irakischen Regierung kooptiert [bzw. "vereinamt"] haben, ihre militärische Führung infiltriert und sogar ein Netzwerk von Quellen angezapft haben, das einst von der CIA betrieben wurde. In den vier bis fünf Jahren, die seitdem vergangen sind, ist der iranische Einfluss stetig weiter gewachsen und hat aus israelischer Sicht eine "rote Linie" erreicht - einen Punkt also, an dem der Irak als Schauplatz für Angriffe auf Israel dienen könnte.

Angesichts dieser Tatsache und Trumps Rede davon, dass es "immer weniger Gründe" für die USA gibt, im Nahen Osten zu bleiben - in Kombination mit der bevorstehenden Abstimmung im irakischen Parlament, um offiziell die Entfernung der US-Truppen aus dem Land zu fordern - ist es wahrscheinlich, dass die Tötung von Soleimani eine (von Trump) ausgehandelte Alternative für einen kurz bevorstehenden und groß angelegten israelischen Angriff auf iranische Vermögenswerte und Aktivposten im Irak, und möglicherweise auf den Iran selbst, darstellt. Ein solcher Angriff hätte einen echten Krieg zwischen Israel und dem Iran ausgelöst, der unweigerlich die USA mit reingezogen hätte. Ich würde sagen, dass es das ist, was Trump meinte, als er sagte, dass "wir gestern Abend Maßnahmen ergriffen haben, um einen Krieg zu verhindern".

In diesem Szenario können öffentliche Äußerungen von Beamten der Trump-Administration, dass die Tötung Soleimanis notwendig war, um "bedeutende Schläge gegen Amerikaner" in der Region zu stoppen, als notwendige Lügen verstanden werden, um die Wahrheit zu vertuschen: dass die US-Regierung, anstatt ihre eigenen unmittelbaren Interessen zu schützen, handelte, um Israel daran zu hindern, etwas gefährlich Irrationales zu unternehmen, das das Leben von Millionen Menschen im Nahen Osten und darüber hinaus bedrohen könnte.

Was US-Beamte ihren iranischen Amtskollegen kurz nach dem Attentat privat erzählten, passt zu diesem Szenario. Konteradmiral Ali Fadavi, stellvertretender Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, sagte dem iranischen Staatsfernsehen, dass "die Amerikaner gleich am nächsten Morgen diplomatische Maßnahmen ergriffen haben". Fadavi sagte, Washington habe Teheran gebeten, "verhältnismäßig" zu antworten. Sie "sagten sogar, wenn ihr euch rächen wollt, dann rächt euch im gleichen Verhältnis zu dem, was wir getan haben", was die ganze Situation wie ein schäbiges geopolitisches Spiel erscheinen lässt. Heute Abend wurden Raketen auf die "Grüne Zone" der Amerikaner in Bagdad abgefeuert. Vielleicht ist das diese verhältnismäßige Reaktion Teherans.

Andererseits ist es auch möglich, dass es mehr als nur geopolitischen Pragmatismus gibt, der bestimmte Mitglieder der Trump-Administration motiviert...
pompeo israel iran
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