„Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an, und der Arme sagte bleich: ‘Wär ich nicht arm wärst du nicht reich.’“Wie entsteht Reichtum? Wie entsteht Armut? In José Saramagos Roman „Die Stadt der Blinden“ wird exemplarisch der Sündenfall geschildert, der zu einer ungleichen Verteilung der Güter führt. In einer ehemaligen Irrenanstalt ist eine Gruppe von Blinden unter Quarantäne eingeschlossen. Wer das Gelände verlässt, wird von den Wachen erschossen. Ansteckungsgefahr. Die Blinden müssen sich komplett selbst verwalten, nur das Essen wird täglich dreimal von „außen“ geliefert - für jeden ein Essenspaket, genau abgezählt. Das funktioniert eine Weile, bis es einem der Blinden gelingt, einen Revolver in die Unterkunft zu schmuggeln. Von jetzt an gibt es das Essen nicht mehr umsonst, sagt er. Von jetzt an verteilen wir das Essen, und jeder muss dafür bezahlen, wenn er nicht verhungern will. Zur Bekräftigung seines Machtanspruchs schießt er in die Luft.
(Roland Rottenfußer)
Die eingeschüchterten Blinden liefern ihm ihren Schmuck, ihren spärlichen Besitz, sogar ihre Eheringe aus. Dann kommt der zweite Schock: Die neue „Führungselite“ teilt jedem seine Ration zu: nur noch die Hälfte dessen, was jeder zum Überleben braucht. Vorerst sind die Opfer gegenüber der „Mafia“ machtlos. Während sie mit Hunger und Wut im Bauch ausharren, stapeln sich die Essenspakete im Zimmer der neuen Herren. Es ist viel mehr als diese überhaupt selbst vertilgen können. Das Essen verfault und stinkt zum Himmel - so wie die Ungerechtigkeit dieser Situation ...












Kommentar: Die Charaktere der herrschenden reichen Eliten und ihren Drang Macht über andere zu erlangen, werden in dem Buch Politische Ponerologie erläutert: