Bis zu 5.000 Flüchtlinge werden heute Nacht auf dem Boden des Münchner Hauptbahnhofs schlafen müssen. "Einige Leute müssen die Nacht im Sitzen verbringen“ sagte Christoph Hillenbrand, Regierungspräsident von Oberbayern.

Flüchtlinge München September 2015 refugees Munich
© BRFlüchtlinge auf dem Weg in eine Unterkunft
An die Flüchtlinge, die am Bahnhof übernachten müssen, werden die Helfer Isomatten und Decken verteilen. Am Samstag sind bis zum späten Abend insgesamt etwa 11.000 Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof eingetroffen. Das teilte die Polizei mit.

Zelte für die Flüchtlinge

Um weitere Not-Übernachtungsplätze für Flüchtlinge zu schaffen, werden ab Sonntag im großen Stil Zelte aufgebaut. Das sagte eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern dem Bayerischen Rundfunk. Die Zelte sollen auf dem Gelände der Bundeswehr-Universität Neubiberg bei München stehen. Am frühen Samstag Abend hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter noch einen Standort in der Nähe der Notunterkunft Richelstraße an der Donnersberger Brücke ins Spiel gebracht, ebenso wie die Öffnung der Olympiahalle. Dazu wird es heute Nacht laut Polizei wohl nicht mehr kommen.

Herrmann: Bund muss handeln

Mit seiner Ankündigung, am Wochenende müsse München mit über 40.000 Flüchtlingen rechnen, hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Verantwortlichen gestern in Alarmbereitschaft versetzt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach von bis zu 10.000 Neuankömmlinge am Samstag. Bayern sei im Moment noch gut darauf eingestellt, sagte er im Bayerischen Rundfunk. Entscheidend sei aber, wie viele Flüchtlinge entsprechend der Quote von anderen Bundesländern aufgenommen werden können. Er sei allen Ländern dankbar, die weiter helfen, aber er erwarte auch vom Bund konkrete Schritte, die diesen Zuzug nach Deutschland bremsten.

Wie das niedersächsische Innenministerium bekannt gab, soll in der Lüneburger Heide ein weiteres Drehkreuz für Flüchtlinge in Norddeutschland entstehen. Asylbewerber sollen ab Sonntag per Bahn von Österreich nach Bad Fallingbostel gebracht werden, dort in Busse umsteigen und auf die norddeutschen Länder verteilt werden. Schon jetzt fahren zweimal täglich Sonderzüge mit jeweils 500 Flüchtlingen nach Nordrhein-Westfalen.

Oberbürgermeister Reiter appelliert an Bundesländer

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat die anderen Bundesländer dringend zur Unterstützung aufgefordert. München sei mit seinen Kapazitäten am Limit. Tausende hätten sich auf den Weg gemacht. Es sei Aufgabe der Bundeskanzlerin und der anderen Länderchefs, mehr zu tun.
Statistil Flüchtlinge München Hauptbahnhof September 2015
© Sebastian Krass (Twitter)Statistik der Regierung von Oberbayern über Zahl der angekommenen Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof
Sorgenvoller Blick Richtung Wiesn

Die Deutsche Bahn könnte statt der bisher geplanten zwei Züge täglich bis zu vier Sonderzüge mit Flüchtlingen von Salzburg aus an München vorbei führen. Allerdings fehlen dafür bisher die Zielpunkte, so der Konzernbeauftragte der Deutschen Bahn für Bayern, Klaus-Dieter Josel, am Donnerstag zum Bayerischen Rundfunk. Jeder Sonderzug hätte Platz für um die 600 Flüchtlinge. "Technisch können wir überall hinfahren, wo es einen Bahnhof gibt. Wir warten auf die Signale der Politik, dass unsere Züge dort auch ankommen, wo Helfer in Norddeutschland zur Verfügung stehen."

Der Bahn liegt viel daran, das Aufkommen an Flüchtlingen im Hauptbahnhof zu verringern. In einer Woche beginnt das Oktoberfest mit seinem riesigen Verkehrsaufkommen:
"Das Oktoberfest ist an sich schon eine Herausforderung, und wir müssen jetzt deshalb gemeinsam mit der Politik schauen, dass wir möglichst viele Flüchtlingsströme an München vorbei führen."

Klaus-Dieter Josel, bei der Bahn für Bayern zuständig
Mit Shuttle-S-Bahnen zur Donnersberger Brücke

Schon bisher fährt die Deutsche Bahn regelmäßig Flüchtlinge aus Sonderzügen mit Shuttle-S-Bahnen zu bahneigenen Hallen an der Donnersberger Brücke, die als Notaufnahmestelle hergerichtet sind, um so den Hauptbahnhof zu entlasten. Beeinträchtigungen für die Fahrgäste seien dennoch nicht zu vermeiden, so Josel. Die Bahn bitte dafür um Verständnis.

Eine weiträumige Umleitung von Flüchtlingszügen über Passau fasst die Bahn nicht ins Auge - auch den Behörden sei daran gelegen, Salzburg als Hauptumsteigepunkt für Asylsuchende zwischen Österreich und Deutschland beizubehalten.