Populismus

Populisten: Sprachrohr des Volks oder Manipulatoren?
Von allen Seiten, so scheint es, wirft man Donald Trump vor, er sei „Populist“ - genauer: Rechtspopulist. Denn es gibt auch „Linkspopulisten“, ein Vorwurf, der zum Beispiel in Deutschland die Linkspartei und insbesondere deren schillernde Figuren Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht trifft. Und natürlich ordnet man AfD, Front National, UKIP und Co. ebenfalls den Populisten zu. Hier einige Schlagzeilen der letzten Zeit: Aber was ist eigentlich dieses Schreckgespenst des Populismus? Nun, glaubt man den Medien oder auch dem Duden und Wikipedia, handelt es sich dabei um die Vereinnahmung des einfachen (scheinbar nicht sehr hellen) Volks, um politische Macht zu erlangen. Dies geschieht angeblich mit wütender Rhetorik gegen das Establishment und unrealistischen Versprechen an das Wahlvolk.

Populismus

Ein Gespenst geht um in Europa... die Populisten!
Allerdings fallen hier bereits einige Schwierigkeiten auf. Zum einen schwingt im Vorwurf des Populismus eine gewisse elitäre Überheblichkeit mit - nach dem Motto, das Volk hat ja keine Ahnung, was gut für es ist: es durchschaut die Tricks der Populisten nicht. Das ist natürlich ein etwas fragwürdiges Verständnis von Demokratie. Zum anderen könnte man fragen, ob es sich beim Populismus-Vorwurf nicht um psychologische Projektion handelt - sind es nicht oft jene, die andere zu Populisten erklären, die selbst lediglich schamlos am Erlangen oder Erhalt von Macht interessiert sind? Die bereit sind, leere Versprechen zu machen und die Wahrheit zu verdrehen, um das Volk auf ihre Seite zu ziehen? Zum Beispiel sollten wir nicht vergessen, dass die meisten Menschen die Auslandseinsätze der Bundeswehr ablehnen, und dennoch werden sie von Politik und Medien als "alternativlos" propagiert. Ich weiß auch nicht, warum mir plötzlich Tony Blair, Gerhard Schröder und Joschka Fischer einfallen...

Vielleicht ist ja Populismus - verstanden als die Vertretung der Interessen des Volks - gar nicht so schlecht, wie man uns weismachen möchte. Aber das hängt natürlich stark von den Rahmenbedingungen ab: Wenn es, wie in der oben zitierten FAZ-Überschrift, um einen Konflikt zwischen Establishment und Populisten geht, hängt alles vom Zustand des Establishments ab. Wenn dieses korrupt und verlogen ist und „Populismus“ lediglich bedeutet, dass jemand sich anschickt, dies zu verändern und die Aufmerksamkeit wieder auf das Wohl des Volks zu richten, ist das ja erstmal zu begrüßen. Und wer hier regelmäßig liest, wird sicher seine Zweifel haben, ob unsere derzeitige Führungsriege unser und der Menschheit bestes Wohl im Sinne hat - die Fakten sprechen deutlich dagegen. Aber macht das die sogenannten populistischen Bewegungen besser, oder sind diese lediglich die andere Seite derselben Medaille - eine neue Elite in den Startlöchern, die Änderung verspricht, aber lediglich die alte Elite ersetzen möchte, um selbst an die Macht zu kommen und dann doch nur wieder das alte Spiel zu spielen? Vielleicht hilft ja ein Blick in die Geschichtsbücher, um den Mythos und Vorwurf des „Populismus“ zu verstehen.

Julius Cäsar: Archetyp des Populisten

Die landläufige - und in der Schule vermittelte - Meinung über Julius Cäsar lautet, dass er ein Populist war, der sich zum Diktator aufschwang und somit die Demokratie Roms zerstörte. Cäsar ist gewissermaßen der Prototyp des Populisten, der dem „dummen Volk“ Brot und Spiele serviert, während er schamlos die absolute Macht ergreift. Doch bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, dass dies so nicht stimmt.

Der marxistische Publizist Michael Parenti hat hierzu ein vielbeachtetes Buch geschrieben: The Assassination of Julius Cesar. Dort zeigt er auf, dass Cäsar vom Volk geliebt wurde, da er den völlig korrupten Senat überlistete und eine Politik durchsetzte, die nicht mehr auf die Bereicherung einer korrupten Elite zielte, sondern auf echten Fortschritt zum Wohle der Menschen. Wie ein Rezensent es zusammenfasst:
Die populären Maßnahmen, die Cäsar in seinen letzten Jahren durchgesetzt hat, sind wenig bekannt. Wie Parenti schreibt, hat er Land für seine Veteranen gesichert und Güter um Capua an etwa 20.000 arme römische Familien verteilt. Ein Programm öffentlicher Arbeiten begann, Großgrundbesitzer wurden verpflichtet, ein Drittel ihrer Arbeitskräfte für die Beschäftigung freier Römer zu reservieren. Cäsar setzte Mietkürzungen durch, erreichte eine Reduzierung der Zahlungen aus den Provinzen, reduzierte die Schuldenlast, gewährte Juden das Recht, ihre Religion legal auszuüben und gab römische Staatsbürgerschaft an alle ausländischen Ärzte oder Professoren der freien Künste, die in Rom wohnen wollten. Er sorgte dafür, dass seine Maßnahmen von der Comitia Tributa (die Volksversammlung der römischen Stämme) genehmigt und verabschiedet wurden sowie für die Veröffentlichung aller Senats-und Versammlungsdekrete. Er gewährte den Bürgern von Athen auch das Recht, ihre demokratische Verfassung wieder herzustellen, wenn sie es wünschten.
Meurtre de César au Sénat
© Inconnu
Ermordung Cäsars: Antiker Regime Change?
Es ist schon interessant, dass Cäsar bis heute diffamiert wird und die Geschichtsschreibung im Wesentlichen der Version einer korrupten Oligarchie folgt, die ihre Entmachtung als Anschlag auf „ihre“ Demokratie sah. Dies wirft auch ein neues Licht auf die Ermordung Cäsars - der Schluss liegt nahe, dass es sich hier nicht etwa um die ehrenhafte Beseitigung eines bösen Diktators handelte, sondern eher um die hinterlistige Ermordung eines beliebten Volkshelden, der Ernst machte mit dem Beenden der Korruption einer maßlosen Elite. "Regime change" hat eine lange Tradition.

Dieses Phänomen der Diffamierung können wir auch heute beobachten: Staatsoberhäupter, die Ernst machen mit einer Politik für die Menschen, werden systematisch von einem bewiesenermaßen korrupten westlichen Establishment und dessen Medien diffamiert - man denke etwa an Hugo Chavez oder Wladimir Putin. Seit Cäsars Zeiten haben sich bestimmte Grundmechanismen anscheinend nicht verändert. Welche Mechanismen sind das?

Psychopathologie: Schlüssel zum Verständnis der menschlichen Misere

Es ist erstaunlich, wie wenig in politischen und gesellschaftlichen Debatten auf psychologische Prinzipien zurückgegriffen wird. Eigentlich kein Wunder, denn leider lernen wir nichts über Psychologie und erst recht nichts über Psychopathologie, also psychische Störungen, in unserem Bildungssystem. Erstaunlich ist das deshalb, weil die Frage, warum wir in der Situation sind, in der wir sind und wie man diese verbessern kann, seit Menschengedenken diskutiert wird. Was liegt also näher als zu untersuchen, wie Menschen funktionieren? Was sie antreibt, wie sie ticken und was dabei schief gehen kann?

Dabei sollten wir den Blick zunächst auf uns selbst richten, unser Denken, unsere Gefühle und wie wir auf äußere Einflüsse reagieren. Denn meist handeln wir unbewusst, nehmen eine Verteidigungshaltung ein und neigen zu kognitiver Dissonanz. Das führt zu einer verzerrten Weltsicht und macht uns anfällig für Manipulationen durch Menschen, die alles andere als unsere Interessen im Sinn haben. Und das führt uns zu einem immens wichtigen Thema: Psychopathologie oder psychische Störungen.

Politsche Ponerologie

Das Buch Politische Ponerologie beschreibt die Zyklen der Hysterisierung unserer Gesellschaft
Wenn wir die Probleme auf der Welt sehen und die Schamlosigkeit, mit der mächtige Menschen andere Menschen und sogar den ganzen Planeten ausbeuten, ausnutzen und zerstören, stellt uns dies vor ein Rätsel - wie können Menschen nur so herzlos und brutal sein? Oder würden Sie beispielsweise einen Krieg beginnen, bei dem Millionen von Menschen sterben, nur um noch reicher zu werden? Da so etwas jenseits unserer Vorstellungskraft liegt, ist der erste Impuls, diese Probleme schönzureden, nach dem Motto: Es ist doch alles gar nicht so schlimm. Seid doch nicht so pessimistisch. Das führt freilich dazu, dass große Teile der Wirklichkeit verdrängt werden - genau darauf bauen jene, denen es nur um Macht, Reichtum und die Durchsetzung ihres Willens geht. Viele leugnen auch die Tatsache, dass es solche Menschen überhaupt gibt und bemühen das Klischee vom „Guten im Menschen“, das es nur zu wecken gelte. Die Vorstellung, dass unverbesserliche Gierhälse, Sadisten und Ausbeuter jeder Couleur unter uns sind, ist einfach zu schrecklich.

Aber genau das ist der Fall - man nennt sie Psychopathen und manchmal auch „charaktergestört“, in der Terminologie von Dr. George Simon. Dies sind Menschen, die über keine Spur von Empathie verfügen, nicht lernfähig sind und denen es immer nur darum geht, zu „gewinnen“ und andere Menschen emotional und manchmal auch physisch für ihre eigenen Zwecke auszusaugen und zu zerstören. Dies sind keineswegs nur mordende Monster, wie man sie aus Filmen kennt, viele von ihnen haben gelernt, dass sie in hohen Positionen ihr furchtbares Spiel viel effektiver spielen können. Da sie oft über viel Charme und Manipulationstalent verfügen, kommen sie leicht in Spitzen-Positionen - von dort aus haben sie unsere Gesellschaft, unser System in den letzten Jahrzehnten „nach ihrem Bilde“ geformt. Eine Gesellschaft, in der sie die unbesiegbaren Könige sind. Es lohnt sich wirklich sehr, sich mit diesem Phänomen zu beschäftigen, nicht nur, um die politische Realität zu verstehen, in der wir leben, sondern auch unsere eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen und die schädlichen Dynamiken, die oft am Werk sind.

Ein effektives Mittel, das solche pathologischen Personen einsetzen, ist die Orwellsche Verdrehung unserer Sprache - die Verwendung von als richtig empfundenen Konzepten gegen die normale Bevölkerung. Eines von vielen Beispielen ist eben der Begriff Populismus: ein Kampfbegriff, mit dem alle politischen Meinungen, die das Interesse des pathologischen Establishments gefährden, als dumm, unrealistisch und niederträchtig gebrandmarkt werden. Doch warum ist es eigentlich so schlimm, wirklich etwas zu ändern im Sinne des Volkswillens oder der volonté générale? Ganz einfach: Für Psychopathen und charaktergestörte Individuen an der Macht bedeutet dies die Zerstörung „ihres“ Systems, in dem sie nicht nur unangefochten an der Spitze stehen, sondern auch noch von vielen bewundert werden.

Populisten kommen in allen Farben

Zwar wird der Begriff „Populist“ häufig benutzt, um politische Kräfte zu diffamieren, die den Status einer korrupten Elite gefährden - die Beschäftigung mit Psychopathologie lehrt uns aber auch, dass psychische Abweichungen und die damit verbundenen Taktiken in allen Parteien, Bewegungen, Medien etc. vorkommen können, also auch im „alternativen“ Spektrum. Solche Menschen sind überall dort verstärkt zu finden, wo sie leicht Machtpositionen erreichen können, und das lediglich durch ihr Charisma und ihre Gabe, andere Menschen zu manipulieren, ohne sich durch ehrliche und aufrichtige Arbeit allzu sehr anstrengen zu müssen. Wir tun also gut daran, auch solche Bewegungen kritisch zu betrachten, die sich gegen das sogenannte Establishment richten. Sonst kann es passieren, dass wir falschen Führern folgen, die uns nach dem Mund reden, nur um dann am Ende doch wieder eine ausbeuterische und verlogene politische Klasse zu erhalten, die lediglich in einer „anderen Farbe“ und mit einer etwas anderen Rhetorik daherkommt. Insofern kann am Populismus-Vorwurf durchaus etwas dran sein. Es ist eben nicht immer alles schwarz-weiß.

Wie können wir hier klar sehen? In erster Linie sollten wir uns das nötige Wissen aneignen, um schädliche psychologische Abweichungen zu erkennen. Hierzu gibt es bei Sott bereits viele Informationen. Wir empfehlen außerdem die Lektüre von Büchern, die sich mit dem Thema Psychopathologie beschäftigen, darunter vor allem das Buch Politische Ponerologie. Darüber hinaus ist die Beschäftigung mit Psychopathie von besonderer Bedeutung - hier hilft zum Beispiel das (auf Deutsch leider schwer zu bekommende) Buch Menschenschinder oder Manager - Psychopathen bei der Arbeit. Einen guten Einstieg, besonders zu den Taktiken, mit denen Psychopathen und andere manipulative Menschen vorgehen, bietet auch das Buch Wölfe im Schafspelz von Dr. George Simon.

Heute werden leider viele Worte auf Orwellsche Art umgedeutet, verdreht und per medialem Bombardement gegen uns verwendet. Dazu gehört auch das Wort "Populismus", das als politischer Kampfbegriff jene diffamieren soll, die den Status quo in Frage stellen. Das heißt freilich nicht, dass die als Populisten gebrandmarkten Personen automatisch nur Gutes im Schilde führen. Es führt kein Weg daran vorbei: Wir müssen uns das nötige Wissen aneignen, ganz genau hinschauen, immer kritisch bleiben und dann den Einzelfall beurteilen. Schwarz-weiß-Denken macht uns nur anfällig für Manipulatoren aller Couleur.