Das Kind der GesellschaftS


Che Guevara

Weltweite Proteste gegen Anti-Islamfilm - 16 Tote

Hunderttausende haben am Freitag gegen das Mohammed-Schmähvideo demonstriert. In Pakistan war eigens ein "Tag des Ausdrucks der Liebe für den Propheten" ausgerufen worden. Mindestens 16 Menschen kamen dort ums Leben - weniger als befürchtet. In anderen islamischen Staaten blieb es friedlich.


So makaber es angesichts der Todeszahlen klingen mag: Die Demonstrationen gegen den Film "Die Unschuld der Muslime", in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, verliefen in den islamischen Staaten insgesamt friedlicher als befürchtet. Vor allem in Pakistan, wo die Regierung diesen Freitag eigens zum Feiertag des "Ausdrucks der Liebe für den Propheten" ausgerufen und zu Protesten aufgefordert hatte, war ein Flächenbrand erwartet worden. Ganz so schlimm kam es nicht - trotzdem starben in Folge der Unruhen mindestens 16 Menschen.

Die schwersten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften ereigneten sich in der Hafenstadt Karatschi. Dort steckten Randalierer mehrere Kinos in Brand und lieferten sich mit der Polizei Straßenschlachten. Ein Polizist wurde tödlich von einer Kugel getroffen. Zu heftigen Gefechten kam es auch, als Randalierer versuchten, Barrikaden am Zugang zum US-Generalkonsulat zu überwinden. Insgesamt zwölf Menschen starben in der Stadt.

Pills

Neue Mohamed-Karikaturen: Schließung mehrerer Botschaften von Frankreich, Hacker legen Seite lahm

charlie hebdo
Vergangene Woche griff ein Mob die deutsche Botschaft im Sudan an. Aus Angst vor erneuten Ausschreitungen bleibt sie geschlossen und wird zusätzlich abgesichert, kündigt Außenminister Westerwelle an. Frankreich schließt wegen Mohammed-Karikaturen eines Magazins gar 20 Einrichtungen. Hacker legen die Website des Satireblatts lahm.

Angesichts der Veröffentlichung von neuen Mohammed-Karikaturen in Frankreich wird Deutschland seine Botschaft im Sudan weiter geschlossen lassen. Dies hat Außenminister Guido Westerwelle (FDP) angekündigt. Die Sicherheitsmaßnahmen für andere deutsche Auslandsvertretungen seien erhöht und zusätzliches Personal entsandt worden. Frankreich hat angekündigt, Botschaften und andere Einrichtungen in insgesamt 20 vor allem islamischen Ländern geschlossen zu lassen.

Westerwelle mahnte zugleich, auf religiöse Gefühle in der islamischen Welt Rücksicht zu nehmen. "Ich rufe alle auf, gerade auch solche, die sich auf ihre Meinungsfreiheit zu Recht berufen, auch verantwortlich zu handeln. Nicht der ist der größere Freigeist, der jetzt auch noch absichtlich und mit erkennbarer Wirkung Öl ins Feuer gießen will."

Dominoes

Demonstration im Libanon gegen Anti-Islamfilm

Hisbollah-Chef Nasrallah trat auf einer Großkundgebung auf. Er forderte die USA auf, Gesetze gegen die Beleidigung des Korans zu erlassen.
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© ReutersHisbollah-Chef Hassan Nasrallah mit Leibwächter bei seiner Ansprache in Beirut.
Beirut - Etwa 100.000 Schiiten sind am Montagabend einem Aufruf der schiitischen Hisbollah zu einer Protestdemonstration gegen das Mohammed-Video in Beirut gefolgt. Darunten waren auch viele Angehörige der zweiten schiitischen Partei Amal. Deren riesige grüne Flaggen, die gelb-grüne der Hisbollah und viele syrische, manche mit dem Konterfei von Präsident Baschar al-Assad, ließen den von der Hisbollah kontrollierten Südbeiruter Stadtteil Dahiye als eine einzige Protestmeile erscheinen.

Ganze Großfamilien traten in geschlossenen Blöcken auf, gesäumt von den teilweise bewaffneten Milizionären der „Partei Gottes“. In Sprechchören verhöhnten die Demonstranten die USA und Israel.

Attention

Mit einer Granate gegen jüdischen Supermarkt in Paris

Ein Mensch leicht verletzt

Bei einem Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt in Frankreich ist am Mittwoch ein Mensch leicht verletzt worden. Zwei schwarz gekleidete, maskierte Unbekannte hätten eine "schwache Granate" auf den Supermarkt in der Pariser Vorstadt Sarcelles geworfen, teilte die Polizei mit, ohne genauere Angaben zur Art der Granate zu machen. Der Hintergrund der Attacke ist noch unklar, der Rat jüdischer Institutionen in Frankreich (Crif) schloss aber einen Zusammenhang mit den weltweiten Protesten von Muslimen gegen einen islamfeindlichen Film aus den USA nicht aus.

Heart - Black

Zwangssterilisationen von Mädchen und Frauen bis 2011 in österreichischen Heimen

Mädchen und Frauen mit Behinderungen und intellektuellen Beeinträchtigungen sollen in österreichischen Heimen noch bis 2001 zwangssterilisiert worden sein. Die Eingriffe seien demnach als Blinddarmoperationen getarnt worden, erklärte der bekannte Wiener Kinderpsychiater Ernst Berger am Montag. Er bestätigte damit einen Bericht des Ö1- "Mittagsjournals". Die Betroffenen hätten gar nicht gewusst, dass sie danach keine Kinder mehr bekommen konnten.
Krankenhaus, Klinik
© dpa/Frank May(Symbolbild)
Mit der Operation mussten laut Bergers Angaben nur die Eltern einverstanden sein, auf die vonseiten der Ärzte und der Behindertenheime Druck ausgeübt worden sei. So sei die Sterilisation zur Bedingung für die Aufnahme in eine Behinderteneinrichtung gemacht worden. "Das war ein offenes Geheimnis, aber es hat niemanden interessiert", sagte der Mediziner.

Cow Skull

Christlicher Extremist Terry Jones beschwert sich über Verbot seiner Hasspredigten gegen den Islam in Deutschland

Terry Jones, Hassprediger, Koranhasser, Pastor
© dpaDer als Koranhasser bekanntgewordene Pastor Terry Jones aus Florida
Der christliche Extremist Terry Jones hat das gegen ihn verhängte Einreiseverbot der Bundesregierung scharf kritisiert. Seine Botschaft an Muslime: "Wir werden beleidigt, ihr werdet beleidigt.”

Der evangelikale Pastor und christliche Extremist Terry Jones ist enttäuscht über das Einreiseverbot in Deutschland.

"Ich würde gerne nach Europa und nach Deutschland kommen", sagte der Amerikaner der "Welt". Die rechtsextreme Gruppe "Pro Deutschland" habe ihn zu einer Konferenz in Berlin eingeladen, um über den radikalen Islam zu sprechen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle hatten angesichts der weltweiten Proteste von Seiten der Muslime gegen einen umstrittenen Mohammed-Film erklärt, der als Islamhasser bekannte Amerikaner Jones sei in Deutschland nicht willkommen.

Attention

Methanolskandal: Gepanschter Schnaps in Tschechien - Bisher 21 Tote

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© dpaNach Methanolskandal Tschechien verbietet hochprozentigen Alkohol
Deutsche Urlauber, aufgepasst: Nachdem in den vergangenen Wochen 21 Menschen an verunreinigtem Schnaps in Tschechien gestorben sind, mahnt nun das Auswärtige Amt zur Vorsicht.

Die Regierung in Prag hat den Verkauf von Spirituosen mit mindestens 20 Prozent Alkohol kurzerhand verboten und nun warnt auch das Auswärtige Amt in Berlin offiziell vor gepantschtem Schnaps in Tschechien. Laut einer aktualisierten Reisewarnung sollen Besucher des Nachbarlandes bei Alkohol unklarer Herkunft vorsichtig sein. Auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit mahnte zur Vorsicht.

Trotz eines strikten Verkaufsverbots sterben in Tschechien nach wie vor Menschen an gepanschtem Schnaps. Die Zahl der Toten stieg am Dienstag auf 21. Bei der Suche nach den Veratwortlichen fehlen den Ermittlern entscheidende Hinweise, ein großer Fahndungserfolg blieb weiterhin aus.

Dominoes

Reiche werden reicher: Wohlstand in Deutschland geht weiter auseinander

Der Wohlstand steigt - doch nur die Reichen profitieren. Ihnen gehören laut Armutsbericht 53 Prozent des Vermögens, der unteren Bevölkerungshälfte bleibt ein Prozent.
rolex
© Jens Kalaene/dpaEin Mann trägt eine Rolex.
Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Der private Reichtum in Deutschland wird insgesamt immer größer. Davon profitieren in erster Linie die Reichen. Sie werden immer reicher und besitzen 53 Prozent des Gesamtvermögens. Das geht aus dem vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Analyse wird vom Arbeitsministerium alle vier Jahre vorgelegt.

Demnach hat der Wohlstand in Deutschland vor allem in den letzten Jahren kräftig zugenommen. Zugrunde liegt der Analyse das Nettovermögen, zu dem etwa Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten gehören. Das Nettovermögen der Privathaushalte habe sich in den letzten 20 Jahren von 4,6 auf rund zehn Billionen Euro mehr als verdoppelt. Allein in den letzten fünf Jahren zeigt sich ein Anstieg von 1,4 Billionen. Der Reichtum ist jedoch überaus ungleich verteilt: So besitzen "die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens". Ihr Anteil sei in den Jahren immer weiter gestiegen. Allein von 1998 bis 2008 ist ein Anstieg von acht Prozent festzustellen. Anders bei der unteren Bevölkerungshälfte: Sie besitzt nur ein Prozent des gesamten Nettovermögens.

Che Guevara

Gegen Sozialkürzungen: Portugiesen und Spanier demonstrieren

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© ReutersTausende Demonstranten versammeln sich in Spanien bei dem „Marsch auf Madrid“, um gegen weitere Kürzungen zu protestieren.
Seit dem Ende der Diktatur gingen nicht mehr so viel Demonstranten auf die Straße. Eine gute Million Portugiesen und Spanier fordern ein Ende des Spardiktats. Doch beeindruckt das die Regierungen?

Mehr als eine Million Menschen haben in Portugal und Spanien gegen die harten Sozialkürzungen zur Rettung des Euro demonstriert. In Portugal forderten die Demonstranten am Samstag den Rücktritt der Mitte-Rechts-Regierung, in Spanien eine Volksabstimmung über die Sparpolitik. Doch während in der portugiesischen Regierung Zweifel am eigenen Kurs wachsen, will Madrid die Maßnahmen sogar noch verschärfen.

Alleine in Portugal beteiligten sich nach Medienschätzungen mehr als eine Million Menschen an den Kundgebungen in 40 Städten. Die Zeitung „Público“ sprach am Sonntag von der größten Demonstration seit dem Ende der Diktatur 1974. Die Protestmärsche standen unter dem Motto „Zum Teufel mit der (Geldgeber-)Troika! Wir wollen unser Leben“. „Eine brutale rote Karte“ für die Regierung von Pedro Passos Coelho, titelte das Massenblatt Correio da Manha.

Radar

"Euro-Rettung" führt auch in Finnland zu Streit

Während der finnische Notenbankchef die Anleihenkäufe durch die EZB lobt, positionieren sich Politiker immer eindeutiger gegen weitere Belastungen durch die Eurorettung.

Der Chef der finnischen Zentralbank verteidigt die angekündigten unbegrenzten Ankäufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank. In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte Erkki Liikanen, er hätte sich bei der Entscheidung über die neuen EZB-Interventionen Einstimmigkeit im EZB-Rat gewünscht.

Die Handlungsfähigkeit in einem solchen Fall zu erhalten sei allerdings wichtig. Bei der Abstimmung hatte sich der deutsche Vertreter im EZB-Rat, Jens Wiedmann, als einziger gegen weitere Anleihenkäufe ausgesprochen.

Mit seiner Rückendeckung für die EZB zeigte Liikanen, dass in Finnland die Eurorettung zunehmend zum Streitthema wird. Da in Finnland demnächst Wahlen anstehen, zeigen sich viele Politiker äußerst kritisch, was die Eurorettung angeht.