Wissenschaft und TechnologieS


Pills

Rückschau Gluten und Vitamin-D-Mangel mitverantwortlich für Typ-1-Diabetes?

Lässt sich einem Typ-1- Diabetes eines Tages vorbeugen? Forschungsansätze dazu wurden bei einem Symposium in München vorgestellt.

Fünf bis zehn Prozent der acht Millionen Zuckerkranken in Deutschland haben Typ-1-Diabetes. Die Zahl der Betroffenen wächst, besonders bei den Kleinkindern. Möglicherweise hat die Vererbung zugenommen, wobei die für den Typ-1-Diabetes entdeckten Gene ähnlich zahlreich sind wie die für den Typ-2-Diabetes ermittelten Gene.

In der Zwillingsforschung wurde belegt, dass der Typ-1-Diabetes eine stärkere hereditäre Penetranz aufweist als früher angenommen. Beim Typ-1-Diabetes spielen - nicht jedoch beim Typ-2-Diabetes - die HLA-Antigene eine entscheidende Rolle für die Vererbung.

Allerdings gibt es auch protektive HLA-Gene, wie Professor Anette-Gabriele Ziegler von der TU München bei dem Symposium der Forschergruppe Diabetes betont hat. Das Risiko für Typ-1-Diabetes hängt von der Zahl der gebildeten Antikörper dieser Autoimmunerkrankung ab (IAA, GADA, IA2A, ZnT8A [Zinktransporter]).

Satellite

Weltraumteleskop findet Tausende gefrorene Ozeane

Die Gas- und Staubscheibe rund um den Stern TW Hydrae enthält so viel Wasser wie Tausende Ozeane auf der Erde. Das ist eine Voraussetzung für Leben.

Astronomen haben weitere Hinweise darauf entdeckt, wie das Wasser auf die Erde kam. Mit dem europäischen Weltraumteleskop Herschel spürten sie große Mengen Wassereis in der Nähe eines jungen Sterns auf.
herschel
© PA / PHOTOSHOTDas Weltraumteleskop Herschel fotografiert gefrorene Ozeane bei TW Hydrea

Die Beobachtungen legen nahe, dass die äußere Gas- und Staubscheibe um den nahen Stern TW Hydrae gefrorenes Wasser im Umfang von mehreren tausend irdischen Ozeanen enthält, berichten Forscher um Michiel Hogerheijde vom Observatorium Leiden im US-Fachjournal Science. Dieses Eis könnte einmal zu einer Wasserquelle für noch nicht entstandene Planeten des Sterns werden.

Sonnensysteme formen sich nach heutigem Wissen aus großen Staubscheiben, die um junge Sterne wirbeln, und in denen sich nach und nach Planeten, Monde und Kometen zusammenklumpen. Auch unser eigenes Sonnensystem ist vor rund 4,5 Milliarden Jahren so entstanden. Der 175 Lichtjahre entfernte Stern TW Hydrae im Sternbild Wasserschlange ist erst zehn Millionen Jahre alt und steht damit noch ganz am Anfang seiner Entwicklung.

Telescope

Neuentdeckte Spiralarme in protoplanetaren Scheiben deuten auf bislang verborgene Planeten

Doppelspiralstruktur
© NAOJ/SubaruDoppelspiralstruktur der protoplanetaren Scheibe um den (auf diesem Bild blockierten) Stern "SAO 206462".

Greenbelt/ USA - Eine neue Aufnahme der Scheibe aus Staub und Gasen um einen sonnenähnlichen Stern zeigt erstmals eine spiralarmförmige Struktur einer solchen sogenannten protoplanetaren Scheibe, aus der heraus Planeten entstehen können. Diese Struktur könnte nun auch Hinweise auf in dieser Scheibe bereits vorhandene, bislang jedoch unerkannte Planeten geben.

"Detailgenaue Computersimulationen haben uns aufgezeigt, dass diese Spiralarme von der Schwerkraft von in der protoplanetaren Scheibe verborgenen Planeten erzeugt werden können und die neue Aufnahme zeigt uns nun genau eine solche Struktur", erläuterte die Astronomin Carol Grady vom "Goddard Space Flight Center" der NASA die Entdeckung auf der "Signpost of Planets"-Konferenz in Greenbelt.

Entdeckt wurde die ungewöhnliche Form der protoplanetaren Scheibe um den sonnenähnlichen Stern "SAO 206462" im Rahmen der fünfjährigen Studie "Strategic Exploration of Exoplanets and Disks with Subaru" (SEEDS), die sich auf Exoplaneten und Sternenscheiben mit dem "Subaru Telescope" auf dem Mauna Kea auf Hawaii konzentrierte. "SAO 206462" befindet sich im Sternbild Wolf (Lupus) rund 456 Lichtjahre von der Erde entfernt. Astronomen vermuten, dass das System gerade einmal neun Millionen Jahre alt ist und die protoplanetare Scheibe rund 22 Milliarden Kilometer, also fast der doppelten Entfernung wie die Umlaufbahn des Pluto um die Sonne, ihren Stern umgibt.

Chalkboard

Dunkle Sternhaufen - Theoretische Physiker beschreiben eine neue Art von Himmelskörpern

Schwarzes Loch
© grenzwissenschaft-aktuell.deArchiv: Ein einzelnes Schwarzes Loch (Illu.). Haufenweise könnten sich diese Objekte zu sog. "Dunklen Sternhaufen" zusammenfinden.

Bonn/ Deutschland - Theoretische Physiker der "Universität Bonn" schlagen eine neue Klasse von Himmelskörpern vor: Sogenannte "Dunkle Sternhaufen“ könnten aus vielen umeinander kreisenden Schwarzen Löchern und einigen Sternen bestehen. Bislang sind derartige Gebilde noch reine Hypothese, einmal entdeckt, könnten sie jedoch zu tieferen Einsichten in Supernovae-Explosionen, Gravitationswellen sowie in die Dynamik und Entwicklung von Sternhaufen führen.

Wie die Forscher um Prof. Dr. Pavel Kroupa vom "Argelander Institut für Astronomie" an der "Universität Bonn" aktuell im Fachmagazin The Astrophysical Journal Letters darlegen, entwickeln sich Sterne bekanntermaßen aus Gaswolken, die sich aufgrund der Schwerkraft sehr stark zusammenziehen und dann das Sonnenfeuer zünden. Nur selten sind die stellaren Objekte Einzelgänger, meist treten sie in Gruppen auf. Solche Sternhaufen, so die Pressemitteilung der Bonner Universität (uni-bonn.de), sind Orte im Universum, wo sich besonders viele der leuchtenden Gaskugeln auf einmal bilden und nach vielen Millionen bis Milliarden von Jahren auch wieder zugrunde gehen. Wenn solche Haufen noch jung sind, hauchen sterbende Sterne ihr Leben in einer Supernova-Explosion mit einem extrem hellen Aufleuchten aus. "War die Masse der Sterne groß genug, bleiben extrem dichte Neutronensterne und Schwarze Löcher übrig", sagt Kroupa.

Footprints

Wurzeln der Kultur vermutlich älter als gedacht

Forscher beantworten umstrittene Frage - Kultur von Affen und Menschen hat die selben evolutionären Wurzeln
Orang Utan
© Mure Wipfli, Universität ZürichDie großangelegte Studie an Orang Utans führte zur Antwort einer lange umstrittenen Frage: Sind Unterschiede im Verhaltensmuster verschiedener Populationen kulturell bedingt sind, oder durch genetische Faktoren und Umwelteinflüsse verursacht.

Menschen geben neue Verhaltensweisen durch soziales Lernen von einer Generation zur nächsten weiter. Für viele zeigt sich das Vorhandensein von Kultur beim Menschen in dessen idealer Anpassung an die Umwelt. Dies unterscheidet den Menschen vom Tier. Ob Kultur einzigartig beim Menschen vorkommt oder tiefere evolutionäre Wurzeln hat, ist nach wie vor eines der ungelösten Probleme der Wissenschaft. Hinweise auf eine Antwort haben nun aber umfangreiche Untersuchungen an Orang Utans geliefert.

Vor ungefähr zehn Jahren berichteten Biologen, die freilebende Menschenaffen beobachteten, von einer geographischen Verteilung von Verhaltensmustern, wie sie nur durch die kulturelle Weitergabe von Innovationen, ähnlich wie beim Menschen, zustande gekommen sein könnte. Diese Beobachtung hat zu einer hitzigen, bis heute andauernden Debatte unter Experten geführt. Bisher konnte nicht geklärt werden: Ist die geographische Variation im Verhalten kulturell bedingt, oder ist sie das Resultat genetischer Faktoren und Umwelteinflüsse?

Rocket

Raketenabwehr schützt nicht vor Asteroiden

Die bestehenden Raketentechnologien, insbesondere die Raketenabwehrsysteme, eignen sich nicht für den Schutz der Erde vor Asteroiden und Kometen. Für diesen Zweck sind grundsätzlich neue Entwicklungen notwendig.
planeten
© NASA PL-Caltech/T

Diese Meinung äußerte Sergej Narojenkow, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Astronomie der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Die Zeitung Kommersant hat heute unter Hinweis auf diplomatische Quellen mitgeteilt, dass Russland Vorschläge zur Schaffung einer „Strategischen Verteidigung der Erde“ vorbereitet, um die Verhandlungen zur Raketenabwehr aus der Sackgasse zu bringen. Mit dieser Initiative soll die „Umorientierung“ des Raketenabwehrsystems, das die USA und deren Partner in der Nato in Europa zu schaffen gedenken, auf den Schutz nicht nur vor Raketen, sondern auch vor Asteroiden und anderen Gefahren erreicht werden, die vom Weltraum ausgehen. Nach Angaben der Zeitung ist der Autor der Idee der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin.

Telescope

Teleskop findet 600 mysteriöse Gammastrahlenquellen im All

Gammastrahlen-Himmel
© NASA/DOE/Fermi/LAT CollaborationDer Gammastrahlen-Himmel aus Sicht des Fermi-Weltraumteleskops. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)

Greenbelt/ USA - Wissenschaftler der NASA haben einen zweiten Datenkatalog der Himmelsdurchmusterung mit dem "Large Area Telescope" (LAT) an Bord des "Fermi Gamma-ray Space Telescope" veröffentlicht. Von 1873 hierbei entdeckten Gammastrahlenquellen sind 600 den Astronomen ein vollkommenes Rätsel und bislang weiß niemand, um was es sich überhaupt handelt.

"Das Fermi-Teleskop sieht Gammastrahlen, die aus Regionen im Himmel stammen, an welchen es eigentlich keine bekannten Objekte gibt, die diese Strahlen erzeugen", erläutert David Thompson, Fermi-Wissenschaftler am "Goddard Space Flight Center" der NASA.

Gammastrahlen sind Hinweise auf gewaltige Energieereignisse. Es handelt sich um eine hochenergetische Form von Licht, die von Quellen im Innern Schwarzer Löcher und explodierender Riesensterne. Sie sind derart energiereich, dass gewöhnliche Linsen und Spiegel, sie nicht exakt abbilden. Aus diesem Grund ist es selbst mit Gammastrahlenteleskopen meist nicht möglich, die Quellen exakt zu bestimmen.

Question

Rätsel der überlichtschnellen Neutrinos gelöst?

GPS-Satellit im Erdorbit
© NASAArchiv: GPS-Satellit im Erdorbit (Illu.)

Groningen/ Niederlande - Die Nachricht ging als Sensation um die Welt: Vor drei Wochen erklärten Wissenschaftler am europäischen Kernforschungszentrum "CERN", Neutrinos gemessen zu haben, die sich offenbar schneller als das Licht bewegt hatten und stellten damit einen der Grundpfeiler der Relativitätstheorie, die Lichtgeschwindigkeit als absolutes und kosmisches Tempolimit, in Frage (...wir berichteten 1, 2).

Auf "arXiv.org" haben nun Forscher um Ronald van Elburg von der "Rijksuniversiteit Groningen" einen Artikel veröffentlicht, mit dem sie eine Lösung für die offenbar unmöglichen Messergebnisse des "OPERA"-Experiments liefern.

Knappe 60 Nanosekunden sollen die Neutrinos zwischen dem italienischen "Gran Sasso Laboratory" und der OPERA-Messstation am CERN schneller als das Licht gereist sein - ein Umstand, für den unterschiedliche Forscher und Wissenschaftler seither verzweifelt nach Erklärungsmodellen gesucht und sogar Abkürzungen zwischen den Dimensionen in Betracht gezogen haben (...wir berichteten). Alleine auf "arXiv.org", einem Online-Vorab für wissenschaftliche Vorabveröffentlichungen (Preprints), erschienen nicht weniger als 80 neue Theorien und Erklärungsvorschläge.

Bulb

Neuer Therapieansatz bei Epilepsie: Stromstöße vertreiben das Gewitter im Gehirn

Epilepsie-Kranken kann mit der Tiefenhirnstimulation geholfen werden. Das zeigen jetzt erste Studienergebnisse. Die Zahl der Anfälle wurde meist deutlich gesenkt, einige Betroffene wurden komplett anfallsfrei.
gewitter, gehirn
© chrisharvey/fotolia.com

Die Tiefenhirnstimulation scheint zumindest bei einem Teil der Epilepsie-Patienten, die auf Medikamente nicht ansprechen, gut zu wirken. Darauf deuten erste Studien.

Bei etwa einem Drittel der Epilepsie-Kranken zeigen Antikonvulsiva keine oder keine ausreichende Wirkung. Handelt es sich um fokale Anfälle, so kann man zumindest bei einem Teil der Betroffenen den Anfallsherd herausschneiden oder zerstören.

Doch auch eine Operation ist nicht immer erfolgreich und zudem mit dem Risiko für Gehirnschäden verbunden.

Stimulation des vorderen Thalamuskerns ist vielversprechend

Als vielversprechend hat sich bei fokalen Epilepsien nun eine Stimulation des vorderen Thalamuskerns erwiesen. Darauf hat Professor Christian Elger von der Klinik für Epileptologie in Bonn hingewiesen.

Syringe

Magic Mushrooms: Pilz-Trip verändert Persönlichkeit dauerhaft

Zauberpilze mit Rauschwirkung verändern die Persönlichkeit länger als gedacht: In einer Studie haben Psychologen bei Probanden die Effekte auch noch mehr als ein Jahr nach dem Pilz-Trip nachgewiesen. Die Psychopilze fördern die Offenheit - und könnten von therapeutischem Nutzen sein.
Zauberpilze
© APZauberpilze: Halluzinogene Wirkung verändert die Persönlichkeit

Baltimore - Verstärkte Sehschärfe und extreme Lichter: Der unmittelbare Effekt von halluzinogenen Zauberpilzen hält nur wenige Stunden an. Doch in Wahrheit hat es so ein Pilz-Trip in sich: Wie Forscher um Roland Griffiths von der Johns Hopkins University in Maryland im Journal of Psychopharmacology berichten, ist die persönlichkeitsverändernde Wirkung der Droge bei Erwachsenen auch ein Jahr später noch messbar.

Für sonderlich besorgniserregend halten die Mediziner diesen Umstand allerdings nicht, im Gegenteil: Der in einer Studie gemessene Effekt sei auch positiv zu bewerten. 60 Prozent der Teilnehmer waren demnach mehr als ein Jahr nach dem Trip mit den Magic Mushrooms viel aufgeschlossener als vor dem Beginn der "Behandlung", schreiben die Autoren. "In dem Teil der Persönlichkeit, der als Offenheit bezeichnet wird, wurden dauerhafte Veränderungen gemessen." Das sei besonders erstaunlich, da die Offenheit mit dem Alter gemeinhin eher abnehme, sagt Griffiths.