Deutlich mehr Menschen als bisher angenommen leiden unter einer diabetischen Neuropathie. Betroffen sind nicht nur Patienten mit bekanntem Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, sondern in erheblichem Maß auch Menschen ohne Diabetes-Diagnose. Bei gut der Hälfte von 1000 Personen, die sich im Rahmen der Aktion «Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?» untersuchen ließen, ergab sich ein Verdacht auf die Nervenschädigung. An der Untersuchung nahmen zwar überwiegend Diabetiker teil, aber immerhin auch 400 Menschen, die glaubten, ihre Blutzuckerwerte seien in Ordnung.
Von den Untersuchten ohne bekannten Diabetes zeigte jeder Vierte Anzeichen einer moderaten bis schweren Neuropathie. «Das war unerwartet häufig», sagte Professor Dr. Oliver Schnell vom Helmholtz-Zentrum München, der die Ergebnisse bei einer Pressekonferenz der Firma Wörwag am Rande der Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft in Berlin vorstellte. In knapp einem Drittel der Fälle war der HbA
1C-Wert der Betroffenen erhöht (≥5,7) - ein Zeichen für einen Prädiabetes.
Unter den Typ-2-Diabetikern fanden die Untersucher bei mehr als der Hälfte eine beginnende oder klinisch manifeste Neuropathie. Obwohl das eine bekannte Komplikation der Stoffwechselkrankheit ist, auf die betreuende Ärzte ihre Patienten regelmäßig untersuchen sollten, wussten zwei von drei Betroffenen nichts davon. «Es werden noch zu wenige Füße untersucht», schloss Schnell aus diesem Ergebnis. Nach den Veränderungen im Rahmen einer diabetischen Neuropathie müsste der Arzt aktiv fahnden, denn sie seien nicht immer symptomatisch.
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