Monika Preuk
focus.deMo, 21 Nov 2011 21:20 UTC
Ab Dezember ist der Pflanzensüßstoff Stevia auch in Deutschland zugelassen. Manche Hersteller erwarten eine Süßstoff-Revolution. Doch ein Alleskönner ist Stevia nicht.

© AFP PHOTO/Norberto DuarteGetrocknete Blätter der Stevia-Pflanze.
Es klingt wie ein Werbeversprechen: eine Pflanze, deren Blätter 30-mal stärker süßen als Zucker, die dabei fast kalorienfrei ist, für Diabetiker geeignet und den Zähnen nicht schadet. Die Vermarkter von Stevia, dem südamerikanischen Süßkraut, haben sich auf die Fahnen geschrieben, den Süßstoffmarkt zu revolutionieren und synthetischen Süßstoffen wie Aspartam oder Saccharin Konkurrenz zu machen.
Zunächst war der pflanzliche Süßstoff nur in Frankreich erlaubt. Viele andere europäische Staaten haben sich mit der Zulassung Zeit gelassen. Denn lange Zeit standen Stevioglycoside, die süßen Inhaltsstoffe der Pflanze, im Verdacht, Krebs zu fördern. Ein Tierversuch hatte gezeigt, dass hohe Mengen bösartige Tumoren auslösen könnten. Die Studie wies jedoch zwei Mängel auf. Zum einen waren die getesteten Mengen stark überhöht und für Menschen mit normalen Geschmacksnerven nicht mehr erträglich.
Zum anderen hatten Firmen, die Konkurrenzprodukte herstellen, die Studie finanziert.
Gluten und Laktose gelten als krankmachende Bösewichte in unseren Lebensmitteln. Und immer mehr Menschen bilden sich ein, Diätnahrung täte ihnen oder ihren Kindern gut. Doch über Lebensmittelunverträglichkeiten kursieren jede Menge falsche Gerüchte und Annahmen.

© photocase.com/slecnep
Der Berliner Starkoch Tim Raue hat alle Register gezogen. Er verwendet in seinem neuen Restaurant nur noch Milchprodukte ohne den Milchzucker Laktose. Auch Gluten hat er aus seiner Küche verbannt - jenes Eiweiß, das in Weizen, Gerste und Roggen steckt. Er habe sich gegen Laktose und Gluten entschieden, weil fast jeder zweite Gast das so wünsche und es zu seinem leichten, asiatischen Kochstil passe, sagte Raue der
taz.
Die Menschen wünschen dies nicht von ungefähr. Waren es vormals Zucker und Fett, gelten nun Gluten und Laktose als die krankmachenden Bösewichte in unseren Lebensmitteln. Auf dem Ratgeber-Markt finden sich neuerdings unzählige Bücher, die vorführen, wie ein Leben ohne gewöhnliches Brot oder normale Milch aussehen kann. Diese sollen nämlich für allerlei Beschwerden im Darm verantwortlich sein, aber auch für andere diffuse Symptome wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen.
Gluten wird sogar als Dickmacher gehandelt.
Der sich immer weiter verbreitende Glaube an die Feinde in Milch und Brot wirkt sich bereits auf das Wohlbefinden von Gesunden aus. "In unserer Praxis erscheinen immer häufiger Menschen, die fälschlicherweise glauben, Laktose oder Gluten nicht zu vertragen", sagt Doris Steinkamp, Präsidentin des Verbands der Diätassistenten. Mehr als jeder zweite Bundesbürger glaubt inzwischen, an einer Laktoseunverträglichkeit zu leiden, wie eine Befragung der Landesvereinigung Milch in Nordrhein-Westfalen im August ergab.
Kommentar: Lesen Sie auch den folgenden Artikel, über die Herkunft und Entstehung der Agrar-Kultur:
Das verlorene Paradies
Fanny Jiménez
welt.deDo, 17 Nov 2011 00:00 UTC
Traumata können dazu führen, dass Menschen Erfahrungen in separaten Persönlichkeiten abspalten
Die Persönlichkeitsstörung ist als Leiden anerkannt, einige Kritiker meinen jedoch, die Krankheit werde den Betroffenen nur von ihren Therapeuten suggeriert.
Wenn wir "ich" sagen, ist in der Regel klar, wer gemeint ist. Denn für die meisten Menschen bilden die eigenen Gedanken, Gefühle und Erinnerungen eine Einheit - die Identität. Doch das ist nicht selbstverständlich. Das Gefühl von Identität ist eine Meisterleistung unseres Gehirns. Im Laufe der ersten Lebensjahre baut es aus den genetischen Veranlagungen und Erfahrungen mit der Umwelt ein Grundgerüst der Persönlichkeit, das sich mit jeder weiteren Erfahrung anpasst.
Doch woher weiß unser Gehirn, was zum Ich gehört und was nicht? "Unsere Identität basiert auf unserem autobiografischen Gedächtnis", sagt Yolanda Schlumpf, Neuropsychologin an der Universität Zürich. "Ich weiß, wer ich bin, weil ich Erinnerungen an meine Vergangenheit habe." Schlumpf beschäftigt sich mit Menschen, bei denen die Zuordnung von Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen zu einem einheitlichen Ich nicht funktioniert. Deren Identität zerfällt in viele Persönlichkeitsanteile, die abwechselnd die Kontrolle über das Verhalten übernehmen - jeweils mit einem eigenen Namen, Geschlecht und Alter. Auch Stimmen, Gesten und Mimik der verschiedenen Persönlichkeitsanteile unterscheiden sich oft deutlich. Die Anteile können sogar einen individuellen Puls, Blutdruck und eigene Allergien haben.
Workaholics können nicht mehr aufhören zu arbeiten. Das ist gefährlich, denn Arbeitssucht kann zu Burnout und Depressionen führen. Im schlimmsten Fall kann sie sogar tödlich enden. Psychiologe Jürgen Glaser erklärt, was es mit der Krankheit auf sich hat.
Jürgen Glaser ist Privatdozent für Psychologie und forscht am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Thema Arbeit und Gesundheit. Im Gespräch mit der SZ erläutert er die Ursachen und Folgen von Arbeitssucht.
SZ: Herr Glaser, ab wann ist man nicht mehr fleißig, sondern arbeitssüchtig?
Jürgen Glaser: Wenn man mehr arbeitet, als die Jobbeschreibung verlangt und das in einer zwanghaften, exzessiven Art und Weise.
Um schnell wieder auf Touren zu kommen, gilt für viele Menschen ein zuckerhaltiger Snack als hilfreich, denn er setzt schnell Energie im Körper frei. Das könnte aber genau die falsche Strategie sein, sagt nun ein internationales Forscherteam: Dessen Untersuchungsergebnisse an Mäusen legen nahe, dass die Zufuhr von Kohlenhydraten eher müde macht, wohingegen eiweißhaltige Nahrung anregt und die Verbrennung von Kalorien ankurbelt. Der Studie zufolge liegt das an der Wirkung der Eiweißbausteine auf die sogenannten Orexin-Zellen, die an der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus und des Appetits beteiligt sind. Die neuen Erkenntnisse könnten demzufolge auch wichtige Informationen für das Verständnis von Schlafstörungen und Übergewicht liefern, sagen Denis Burdakov von der University of Cambridge und seine Kollegen.
Die Wissenschaftler hatten für die Studie die Wirkung verschiedener Nährstoffe auf die Orexin-Zellen im Gehirn von Mäusen untersucht. Durch genetische Veränderungen waren diese Zellen bei den Versuchstieren durch einen Fluoreszenzfarbstoff markiert, damit die Forscher sie für ihre Analysen gezielt ausfindig machen konnten. Von den Orexin-Zellen war bereits bekannt, dass sie für die Freisetzung der Botenstoffe Orexin und Hypocretin verantwortlich sind. Eine geringe Produktion ist dabei mit Müdigkeit und Gewichtszunahme verbunden. „Wir fragten uns, ob unterschiedliche Nährstoffzufuhr die Aktivität dieser regulatorischen Zellen beeinflusst“, erklärt Denis Burdakov den Hintergrund der Studie.
Kommentar: Diese Informationen existieren bereits, jedoch leider vorwiegend nur im englisch-sprachigen Bereich. Bücher wie
Primal Body, Primal Mind und
Lights Out erläutern im Detail, dass es unser extremer Konsum von Kohlenhydraten ist, der Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Diabetes, Herzkrankheiten, Übergewicht und Schlafprobleme verursacht.
Darüber hinaus geht es nicht um Proteine statt Zucker, sondern um Fett anstelle von Zucker. Solange der Körper auf Zucker als seine primäre Energiequelle eingestellt ist, solange benutzt er nicht den für sich optimalen Brennstoff (tierisches Fett), sondern wandelt einfach die ihm zugeführten Proteine in Glukose um.
Erst wenn der Körper auf Fett als seine primäre Energiequelle eingestellt ist, können oben genannten Zivilisationskrankheiten abgewendet werden, die ansonsten dadurch entstehen, dass unser Organismus sich in einem ständigen Hoch-Tief des Blutzuckers befindet, der Regulation desselben, was in sich einen Notzustand für den Körper bedeutet, und somit irgendwann zur Erschöpfung der Insulin produzierenden Bauchspeicheldrüse führt, sprich: Diabetes.
Reinhard Wolff
taz.deFr, 18 Nov 2011 00:00 UTC
Eine Studie mit grönländischen Frauen gibt Hinweise darauf, dass perfluorierte Substanzen Brustkrebs auslösen. Eine Toxikologin fordert Aufklärung der Verbraucher.STOCKHOLM taz | Sie stecken in Pizzakartons, Chipstüten und Backblechpapier, in Zahnseide, Lebensmittelverpackungen, Regenkleidung und Teflonpfannen. Perfluorierte Substanzen (PFC) weisen Fett und Wasser ab. Aber sie sollten nicht im menschlichen Körper landen.
Denn sie beeinflussen den Hormonhaushalt, stehen unter Verdacht für die Hyperaktivitätsstörung ADHD mitverantwortlich zu sein, können negativen Einfluss auf die Entwicklung des menschlichen Fötus haben und in Laborversuchen mit Ratten wurde ihr krebserregendes Potenzial konstatiert.
Eine jetzt in der Zeitschrift
Environmental Health veröffentlichte Studie mit grönländischen Frauen hat nun erstmals gezeigt, dass diese Substanzen offenbar das Brustkrebsrisiko deutlich erhöhen.
Die Blutgruppe eines Menschen kann Einfluss auf das Risiko für einen Schlaganfall haben. Das ergab eine Studie der Harvard School of Public Health. Demnach haben Menschen mit Blutgruppe O das niedrigste Risiko eines Schlaganfalls.
Im Vergleich dazu haben Menschen mit Blutgruppe AB ein 30 Prozent höheres Risiko eines ischämischen Schlaganfalls. Bei Frauen mit Blutgruppe B ist das Risiko für alle Arten von Schlaganfällen um 17 Prozent höher. Bei einigen Blutgruppen neigen die roten Blutkörperchen eher dazu, zu verklumpen, erklärte ein Leiter der Untersuchung. In der Studie wurden 90.000 männliche und weibliche Patienten 25 Jahre lang untersucht.
© 2011 dts Nachrichtenagentur
Herzkranke Menschen können ihren Zustand verschlimmern oder sogar eher sterben, wenn sie zu wenig Vitamin C bekommen. Im Umkehrschluss könnten Menschen mit Herzinsuffizienz durch eine verbesserte Vitamin-C-Versorgung Lebenswerwartung sowie -Qualität erhöhen.

© Alessandro Della Bella/KeystoneVitamine können die Lebenserwartung erhöhen, sagt eine Studie.
Friedrichsdorf. - Zudem hat eine aktuelle US-amerikanische Studie bestätigt, dass Vitamin B12 den Hirnabbau sowie das Nachlassen geistiger Fähigkeiten bremst. Dank ausreichender B-Vitamin-Zufuhr könnten wir demnach unser Gehirn noch im Alter leistungsfähig erhalten. In der aktuellen Studie wiesen 39 Prozent der 212 an Herzinsuffizient leidenden Teilnehmer eine zu geringe Zufuhr an Vitamin C auf. Es kam bei diesen eher zu Komplikationen und sie hatten ein doppelt so hohes Risiko, an ihrer ihrer Erkankung zu versterben, als Probanden mit einer guten Vitamin-C-Versorgung.
Neu-Isenburg (St). Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) erhöhen einer aktuellen Studie zufolge signifikant das Risiko für einen spontanen Abort.
Kanadische Wissenschaftler haben die Daten von 67.160 Frauen zwischen 15 und 45 Jahren gesichtet (gynäkologie+geburtshilfe 2011; 16 (10): 8). 4705 von diesen Frauen hatten bis zur 20. Schwangerschaftswoche einen Spontanabort.
Jeder dieser Frauen wurden zehn Kontrollen im entsprechenden Gestationsalter ohne Spontanabort zugeordnet.
Ergebnis: Von den Frauen mit Spontanabort hatten 7,5 Prozent während der Schwangerschaft ein oder mehrere Rezepte für ein NSAR eingelöst, von den schwangeren Kontrollpersonen nur 2,6 Prozent.
Die stimmungsaufhellende Kraft der Musik macht sich die Audiotherapie zu Nutze. Diese Form der Musiktherapie eignet sich zur Behandlung von leichten und mittleren Formen der Depression verschiedener Schweregrade.Schon Saul, der erste König Israels, nutzte 1.000 vor Christus den Zauber der Musik. „Wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, so nahm David die Harfe und spielte mit seiner Hand; so erquickte sich Saul, und ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm“, steht in der Luther Bibel von 1545.Auch die Musik- und Medienwirkungsforscherin Vera Brandes weiß um die heilsamen Klänge. „Musik kann Veränderungen im Hirn auslösen, die über andere Wege nicht in dieser Form gelingen“, erklärt die Leiterin des Forschungsprogramms Musik-Medizin der Paracelsus Privatuniversität Salzburg.
Klinische Forschung
Im Kooperation mit dem Wiener Hanusch-Krankenhaus, dem Mannheimer Institut für Public Health, der Sozial- und Präventivmedizin der Universität Heidelberg, der Medizinischen Fakultät Mannheim und dem Lehrstuhl für Klinische Psychologie der Ohio State University hat Vera Brandes die weltweit größten Studien zur Musikwirkung auf depressive Erkrankungen durchgeführt.
Kommentar: Lesen Sie auch den folgenden Artikel, über die Herkunft und Entstehung der Agrar-Kultur:
Das verlorene Paradies