Der Altkanzler wehrt sich gegen Euro-Hysterie. Bislang sei nicht ein einziger Euro aus Deutschland nach Griechenland geflossen. Anstatt Stimmung gegen Athen zu machen, solle die Politik lieber die Finanzmärkte zügeln.
Handelsblatt: Lieber Herr Schmidt, seit Monaten berichten die Medien unaufhörlich über die Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Aber soviel die Leute auch lesen und hören, in einem Punkt werden sie nicht schlauer: Wäre die Pleite Griechenlands nun eigentlich ein Desaster für die Europäische Union oder nicht? Können Sie uns aufklären?
Helmut Schmidt: Die ökonomische Bedeutung des griechischen Staates und seiner Volkswirtschaft kann man ermessen, wenn man sich klarmacht, dass das griechische Sozialprodukt etwa 2,5 Prozent des Sozialprodukts der Europäischen Union ausmacht...
Handelsblatt: ...das Land hat ungefähr die Wirtschaftskraft von Hessen.
Wenn dieser Staat vorübergehend zahlungsunfähig würde, dann wäre das für die Griechen und für alle anderen Europäer ein großes Unglück, aber kein existenziell gefährdendes Unglück. Das gilt sowohl für die wirtschaftlichen als auch die politischen Folgen eines solchen Bankrotts. Die politischen Folgen würden möglicherweise noch schwerer wiegen, denn es könnte der Eindruck entstehen, dass es um die Solidarität unter den Europäern noch viel schlechter bestellt ist, als wir uns das in den letzten Jahren vorgestellt haben. Das Vertrauen in die Gemeinschaft der 27 Mitglieder würde weiter schwinden. Dieser politische Preis wäre zu hoch. Deshalb müssen die Staaten der Europäischen Union Griechenland helfen.
Kommentar: Die Forderungen der Eliten stehen nur im eigenen Interesse, d.h. bei vielen Eliten könnte es sich um Psychopathen handeln.