Die große Blockade blieb aus, der große Krawall aber auch. Zwar wurden zwei Polizisten verletzt und ein Auto in Brand gesteckt, doch verliefen die Demonstrationen am Samstag gegen den AfD-Parteitag in Köln überwiegend friedlich. Impressionen eines langen Tages.
Der Pfarrer ist der erste, der seine Unzufriedenheit zum Ausdruck bringt. Lothar König, Geistlicher mit Karl-Marx-Bart aus Jena, sitzt am frühen Samstagmorgen in seinem Wagen auf dem Heumarkt und ruft in sein Mikrofon: "Das ist ja langweilig, es sind ja gar keine Nazis da." Mit Nazis meint er die Delegierten des AfD-Parteitags in Köln, die zwar da sind, nur eben nicht am Heumarkt, sondern mehr als hundert Meter entfernt im gegenüberliegenden Maritim-Hotel. Dazwischen: Absperrungen und die Polizei. Kein Durchkommen.
Zum Feindkontakt kommt es nur, als einzelne Delegierte durch die Absperrungen müssen, vorbei an den Demonstrierenden. Bestimmt eine Stunde lang läuft am späteren Samstagvormittag in der Nähe des Maritim-Hotels immer dasselbe Spiel: Männer in Mänteln und mit Aktentaschen hetzen in Richtung Hotel, linke Demonstranten pfeifen sie aus und brüllen ihnen "Nazis raus!" nach. Polizisten schirmen die AfD-Delegierten ab und drängen die wütenden Protestler zurück. Dann kehrt wieder Ruhe ein - bis der nächste Herr mit Aktentasche daherkommt. Dass der Parteitag der AfD trotzdem mit einiger Verspätung beginnt, ist nicht den Blockaden zuzuschreiben. Die Delegierten brauchen einfach sehr lange, um sich auf die Tagesordnung zu einigen.
Kommentar: Die Sott-Kategorie "Das Kind der Gesellschaft" spiegelt die Zunahme von Gewalt insgesamt ebenfalls deutlich wider.