Einer musste sich selbst die erfrorenen Finger amputieren. Ein anderer hat gemordet und ist von Schuld geplagt. Die Fotoserie "Escape" von Danila Tkachenko zeigt, wie Eremiten in russischen Wäldern leben. Und warum.

© Danila Tkachenko
Am Anfang ist da der Fußmarsch, Bilder einer Reise zu jenen, die ihr Leben in der Wildnis leben, zu den Eremiten in den Weiten Russlands. Immer tiefer ziehen diese Fotografien die Betrachter hinein in den Wald und in die Berge, irgendwann wähnt man sich umgeben von rauer Natur; ein Trampelpfad, ein Bach rauscht, das Tiefdunkelgrün dichten Tannenbewuchses beherrscht alles. Dann, plötzlich, steht da ein Mann unbestimmten Alters, sein Gesicht wettergegerbt, wie gemeißelt die tiefen Furchen. Der Einsiedler blickt reserviert.

© Danila Tkachenko
"Escape" ist ein bemerkenswerter Fotoband, der junge russische Fotograf Danila Tkachenko hat sich Zeit mit seinen Aufnahmen genommen, viel Zeit. "Escape" bedeutet Flucht - aber auch Ausstieg und Entrinnen. Und haargenau auf diesem schmalen Grat wandeln seine Aussteiger, die er in kurzen Zitaten samt Lebensgeschichte und Weltanschauung vorstellt. Und statt einer Einleitung führen folgende Worte des russischen Filmemachers und Autors Andrei Tarkowsky ins Buch: "Der Mensch braucht die Gesellschaft nicht, die Gesellschaft braucht den Menschen. Gesellschaft ist eine Erfindung, die Schutz bietet und das Überleben sichert. Aber anders als das Herdentier muss der Mensch alleine leben, draußen in der Natur - im Kontakt mit Tieren und Pflanzen."
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