Der frühere deutsche Arbeitsminister Norbert Blüm ist nach Idomeni gefahren und hat eine Nacht bei den Flüchtlingen im Lager verbracht. Die Flüchtlinge bewundern den Mann aus Deutschland - und fragen, wo denn eigentlich ihre arabischen Führer bleiben.

© getty images
Der Korrespondent der dpa, Gregor Mayer, berichtet aus Idomeni.Das unscheinbare, kleine blaue Zelt im Schlamm des griechischen Flüchtlingslagers Idomeni ist nur eines von zahllos vielen. Doch der Mann, der am Sonntagmorgen aus dieser Behausung kriecht, ist kein Flüchtling, sondern der ehemalige deutsche Arbeitsminister Norbert Blüm. Ziemlich gerädert, in einen schwarzen Anorak und Kapuze gehüllt, ein wenig gestützt von einem deutschen Kamera-Team, richtet sich der 80-Jährige auf. Die ganze Nacht und den halben Tag davor hat es geregnet. Die Temperatur fiel auf 6 Grad. Kein guter Ort für einen in Ehren ergrauten 80-Jährigen.
Doch Blüm ist es ein Anliegen, hier zu sein. Eine Regennacht bei den Flüchtlingen von Idomeni verbracht zu haben.
Er will ein Zeichen setzen gegen die Gleichgültigkeit europäischer Politiker, die die Grenzen abschotten.
Die die Flüchtlinge, die als Ergebnis ihres Wirkens irgendwo am Rand Europas gestrandet sind, im wahrsten Sinn des Wortes im Regen stehen lassen. «Bei Millionen, die in Not sind, wegzugucken», ereifert sich Blüm vor seinem Zelt. «Was ist denn das für ein Europa?»
Kommentar: Wenn gewissenlose Leute sich in Positionen von Macht und Einfluss befinden, die eigentlich Verantwortungsbewusstsein verlangen, aber sie angetrieben sind durch Gier, ist diese Gleichgültigkeit die logische Folge. Wie Lobaczewski schon sagte: Ein Krankheitserreger, der seinen Wirt befällt, ist sich auch nicht bewusst darüber, dass er mitsamt seinem Wirt untergehen wird.