Willkommen bei SOTT.net
Fr, 22 Jun 2018
Die Welt für Menschen, die denken

Die Wissenschaft des Geistes
Karte

Magnify

Hirnforschung: Gleich und gleich gesellt sich gern

Wie wir auf andere Menschen reagieren, hängt entscheidend davon ab, ob diese auf der gleichen oder einer anderen Position in der sozialen Hierarchie angesiedelt sind. Am stärksten ist die Reaktion auf Personen gleichen Ranges.
Hirnaufnahmen
© C. Zink/NIMH Genes Cognition and Psychosis Program
Anhand solcher Aufnahmen haben Wissenschaftler die Reaktionen ihrer Probanden auf andere Personen mit unterschiedlichem sozialen Status untersucht.

Der eigene soziale Status beeinflusst entscheidend, wie stark man auf Menschen reagiert, die auf der gleichen oder einer anderen Position in der sozialen Hierarchie angesiedelt sind.

Darauf deuten Versuche hin, die ein Forscherteam um Caroline Zink vom National Institute of Mental Health in Bethesda in den USA jetzt in der Fachzeitschrift Current Biology (online) publiziert hat. Sie bestätigen mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren ein altes Sprichwort: Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Für die Studie mussten die Versuchsteilnehmer jeweils zwei Fotografien von Menschen mit höherem oder niedrigerem sozialen Status bestimmten Fragen zuordnen, etwa: "Welche Person wurde mehrmals gefeuert?" oder "Welche Person hat eine Eliteuniversität besucht?" Zugleich beobachten die Forscher mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) das sogenannte ventrale Striatum im Bewertungssystem des Gehirns.

Chalkboard

"Auch Schimpansen sind depressiv"

Psychiater Martin Brüne von der Uni Bochum erläutert, wieso man die psychischen Störungen des Menschen im Lichte der Evolution betrachten sollte.
Schimpansen
© AFP
Niemand weiß genau, was im Kopf eines Schimpansen vor sich geht. Aber Psychiater wie Martin Brüne sind überzeugt, dass Primaten ähnlich wie Menschen psychische Störungen entwickeln können.

Die Medizin hat Schwierigkeiten damit, zu erklären, wieso psychische Krankheiten trotz verbesserter Gesundheitsvorsorge und Lebensbedingungen gerade in entwickelten Gesellschaften nicht abnehmen. Evolutionsbiologisch ausgerichtete Forscher plädieren deshalb dafür, die Genese etwa von Depressionen und Schizophrenien nicht nur an individuellen Patienten und deren Genen zu erforschen, sondern den stammesgeschichtlichen Kontext zu beachten. Ein führender Vertreter dieses Ansatzes in Deutschland ist der Psychiater Martin Brüne von der Universitätsklinik Bochum.

Red Flag

Das Böse im Gesicht

Bild
© unbekannt
Von äußeren Merkmalen auf innere Werte zu schließen, hat man bereits vor 200 Jahren versucht. Derartige pseudowissenschaftliche Ansätze waren die Grundlage folgenschwerer rassistischer Ideologien. Eine Studie liefert nun anscheinend neue Nahrung für eine längst verworfenen Idee: Das Böse sei manchen Menschen buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Demnach neigen Männer mit breiterem Antlitz eher zum Betrug. Das bedeute aber nicht, dass einem das Böse bereits in die Wiege gelegt wurde, indirekt verantwortlich seien vielmehr psychologische Mechanismen.

Kommentar: Der Psychopath fällt ebenfalls aus dieser Kategorisierung heraus, dass man ihn allein anhand der Gesichtsform erkennen kann.

Lesen Sie weiter:

Der Psychopath - Teil 1: Die Maske der Vernunft

Der Trick Des Psychopathen: Uns glauben machen, dass Böses von anderswo kommt


Radar

Homo- oder heterosexuell? Das lässt sich im MRT erkennen

LISSABON (eb). US-Forscher haben mit bildgebenden Verfahren Unterschiede in den Gehirnen von Menschen gefunden, die auf ihre sexuelle Orientierung schließen lassen. Vor allem Unterschiede in der Amygdala scheinen dabei aussagekräftig zu sein.

"Sexuelle Orientierung sucht man sich nicht aus. Sie wird einem vor allem neurobiologisch in die Wiege gelegt", ist Dr. Jerome Goldstein vom San Francisco Clinical Research Center in den USA überzeugt: "Die Verbindung zwischen neurobiologischer Veranlagung und sexueller Orientierung ist heute klar - aber jetzt können wir sie auch mittels bildgebender Verfahren für das Auge sichtbar machen."

Pills

Wissenschaftler suchen die Drogenpersönlichkeit

Langzeit-Studien in Deutschland und den USA versuchen zu klären, warum manche Menschen Drogen nehmen und von ihnen abhängig werden - und andere nicht.
Amy Winehouse
© dpa
Sängerin Amy Winehouse weist Merkmale einer "Drogenpersönlichkeit" auf
Man könnte sagen, die Persönlichkeit eines Menschen ist so etwas wie der Fingerabdruck der Psyche. Im Laufe des Lebens wird sie sorgsam Stück für Stück aus genetischen Veranlagungen und den Erfahrungen mit der Umwelt zusammengebaut. Über die Jahre verschmelzen dann die Gefühle, Einstellungen, Vorlieben und Abneigungen zu einer Einheit aus Denken und Handeln.

Dieses einzigartige Profil ermöglicht es, jemanden wiederzuerkennen und das Verhalten eines Menschen einschätzen und vorhersagen zu können.

Wissenschaftler haben die Persönlichkeit schon lange als Kandidat im Visier, wenn es darum geht zu erklären, warum manche Menschen Drogen nehmen und von ihnen abhängig werden - und andere nicht. Heiner Ellgring vom Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Universität Würzburg hat in einer Übersicht verschiedene Studien mit mehreren Tausend Studienteilnehmern zusammengefasst.

People

Sozialer Druck verfälscht das Gedächtnis

Erinnerungen werden durch Aussagen anderer neu geschrieben

London/Rehovot/Wien - Ein wenig sozialer Druck kann schon genügen, um das Gedächtnis eines Menschen zu manipulieren. Forscher vom Weizmann Institute http://www.weizmann.ac.il und des University College Londons http://ucl.ac.uk berichten in der Zeitschrift Science von einem speziellen Aktivitätsmuster des Gehirns, das auf verfälschte Erinnerungen deutet. Dabei geht es nicht nur um Anpassung an Falschaussagen anderer, konnten sie in Experimenten zeigen. Sogar als sicher geglaubte Bestandteile des Gedächtnisses können völlig neu beschrieben werden.

Ein Ereignis, viele Versionen

Falsche Erinnerungen und das Implantieren von Gedanken sind nicht erst seit dem Kinofilm Inception bekannt. Details des Hergangs eines Autounfalls oder des gemeinsam verbrachten Urlaubs klingen bei den Beteiligten später oft völlig unterschiedlich, Zeugen vor Gericht sind in ihrer Erinnerung immer wieder von Medienberichten beeinflusst und speziell Demenzpatienten haben manchmal Probleme, Erinnerung und Realität zu trennen. "Falsche Erinnerung ist für Menschen so real wie die historische", so der Wiener Neuropsychologe Johann Lehrner gegenüber pressetext (siehe: http://pressetext.com/news/20100816023 ).

Eye 1

Einfühlungsvermögen: Ich sehe, was du fühlst...

Empathie und Mitgefühl sollte man nicht verwechseln - doch beides ist wichtig für den sozialen Umgang. Ein junger Professor untersucht an der Universität Wien, wie Menschen ihr "Einfühlungsvermögen" wahrnehmen.

Die Bilder des letzten Wiener Derbys, als Rapid-Fans das Fußballfeld stürmten, gingen durch die halbe Welt. Wie geht es wohl Austria-Fans, wenn sie zusehen, wie Rapidler von der Polizei geprügelt werden? Und was fühlen Rapid-Fans, die das mit ansehen? Solche Fragen kann Claus Lamm beantworten, der seit September 2010 an der Uni Wien den Lehrstuhl für Biologische Psychologie inne hat und an „Sozialen Neurowissenschaften“ forscht.

Er hat sich zwar nicht mit Rapid- und Austria-Fans beschäftigt. Aber in seiner Antrittsvorlesung vor wenigen Tagen berichtete Lamm von einer Studie, die seine Kolleginnen an der Universität Zürich (Labor für Soziale und Neuronale Systemforschung) durchgeführt hatten: Als Versuchskaninchen dienten Basel- und Zürich-Fans.

Die Frage war die gleiche: Was fühlen Zürich-Fans, wenn sie mitansehen, dass einem Mann im Basel-Dress Schmerz zugefügt wird, und was, wenn der gleiche Schmerz einen Zürich-Fan trifft? Die Personen wurden einerseits befragt: So erfährt man, welche Gefühlsregungen dem Probanden bewusst sind. Andererseits liegt er dabei in einem Magnetresonanztomografen: Da sieht der Forscher live und in Farbe, welche Gehirnregionen beim Ansehen der Bilder aktiv sind - auch Dinge, die dem Probanden nicht bewusst sind.

Life Preserver

Forscher klären optische Täuschung

Bestimmte Nervenzellen übertragen den Eindruck von Bewegung auf ruhende Objekte
optische täuschung
© PR/university of rochester
Dieses Modell nutzten die Forscher für ihre Studie.

Rochester. Schon Aristoteles wunderte sich in seiner Schriftenreihe "Parva Naturalia" darüber, wie leicht unsere Wahrnehmung zu täuschen ist. Blicken wir auf ein bewegtes Objekt wie einen Zug und danach auf ein ruhendes Objekt, etwa einen Stein, scheint sich der Stein in die entgegengesetzte Richtung des Zuges zu bewegen. Wie dieser sogenannte Bewegungsnacheffekt zustande kommt, war bisher aber unklar.

US-Hirnforscher haben dies mit einem Video untersucht, das auf der Website des Abendblatts zu sehen ist. Es zeigt eine runde Fläche aus weißen und schwarzen Kreisen, die sich zum Mittelpunkt der Fläche bewegen, wo sich ein blaues X befindet. Konzentrieren sich die Augen auf das X, scheint es sich auszudehnen, entgegen der Bewegung der Kreise. Tatsächlich steht das X still.

Butterfly

Wann wir Wut einfach überhören

Psychologen der Universität Jena veröffentlichen Studie zur Wahrnehmung von emotionalen Reizen

Eine gute Nachricht für alle Ehepaare: Wenn er mal wieder das Gesicht hinter der Zeitung verbirgt und sich in die Sportberichte vertieft, während sie sich mit ihm unterhalten möchte und er auch auf die dritte Frage von ihr - inzwischen in deutlich verärgertem Ton - noch immer nicht reagiert, dann ist das nicht etwa Desinteresse. "Der Mann kann die Frau in dieser Situation gar nicht hören", sagt PD Dr. Thomas Straube von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Die Konzentration auf eine visuelle Aufgabe blockiert in diesem Augenblick die Aufnahme und Verarbeitung der auditiven Reize", erläutert der Psychologe vom Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie. Zu diesem Ergebnis sind Straube und seine Kollegen in einer aktuellen Studie gekommen, die die Jenaer Psychologen in der heute (29. Juni) erschienenen Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Neuroscience veröffentlichen (DOI:10.1523/JNEUROSCI.6665-10.2011).

"Bisher sind wir davon ausgegangen, dass soziale emotionale Reize - insbesondere Wut - vom Gehirn automatisch verarbeitet werden", sagt Martin Mothes-Lasch aus Straubes Team. Schließlich könnten sie ein Hinweis auf eine potenzielle Gefahrenquelle sein, so der Erstautor der Studie weiter. Gefahren zu erkennen, gehöre zu den überlebensnotwendigen Fähigkeiten eines jeden Organismus. Auch der Mensch ist mit dieser Fähigkeit ausgestattet. "Spricht jemand in hörbar wütendem Tonfall zu uns, wird unser Gehirn in Alarmbereitschaft versetzt", erläutert Doktorand Mothes-Lasch. Das funktioniere allerdings nur, wenn wir nicht von visuellen Informationen abgelenkt sind.

Family

Studie: Warum übergewichtige Frauen impulsiver sind

gehirn
© picture alliance
Bei Übergewichtigen enthalten generell diejenigen Hirnregionen mehr graue Substanz, die an der Bewertung von Belohnungsreizen beteiligt sind
Veränderungen in der grauen Hirnsubstanz könnten Ursache sein. Gleiche Abweichungen im Gehirn sind von Frauen mit Bulimie bekannt.

Leipzig. Übergewichtige Frauen haben ihr Verhalten offenbar nicht so gut unter Kontrolle wie ihre normalgewichtigen Geschlechtsgenossinnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften und des Integrierten Forschung- und Behandlungszentrums Adipositas-Erkrankungen.

Dabei nahmen normal- und übergewichtige Frauen und Männer an einer Art Glücksspiel teil. Sie wählten zwischen zwei Spielkartenstapeln, die mit unterschiedlichen Erfolgs- und Risikoaussichten belegt waren. "Im Prinzip spiegelt dieser Test die tägliche Abwägung zwischen kurzfristiger Befriedigung durch übermäßiges Essen und den langfristig negativen Auswirkungen auf den Körper wider", sagt Studienleiterin Annette Horstmann. Das Ergebnis: Normalgewichtige Frauen lernten im Laufe des Spiels, den Stapel mit Langzeitverlusten zu meiden. Übergewichtige Frauen hingegen griffen immer wieder zu dem Stapel, der zu hohen Sofortgewinnen, aber langfristig zu Verlusten führte. Dazu neigten, unabhängig vom Gewicht, auch die Männer.