
Putin im BILD-Interview
Frage: Sehr geehrter Herr Präsident, wir haben gerade den 25. Jahrestag des Endes des Kalten Krieges gehabt. Und im vergangenen Jahr hat es sehr viele Kriege und Krisen gegeben, wie lange nicht mehr. Was haben wir falsch gemacht? Putin: Sie haben sofort mit der Schlüsselfrage begonnen. Wir haben alles falsch gemacht, von Beginn an.
Wir haben die Spaltung Europas nicht überwunden. Vor 25 Jahren ist zwar die Berliner Mauer gefallen, aber die Spaltung Europas wurde nicht überwunden.
Die unsichtbaren Wände wurden einfach weiter nach Osten verschoben. Schon damals wurden die Vorbedingungen für die zukünftigen gegenseitigen Vorwürfe, für das Unverständnis und die Krisen gelegt. Viele kritisieren mich - auch aus der Bundesrepublik - wegen meiner bekannten Aktion in München auf der Sicherheitskonferenz. Und was habe ich Ungewöhnliches denn gesagt?
Nachdem die Berliner Mauer gefallen war, gab es Gespräche mit der NATO, die bestätigte, dass sich die NATO nicht weiter nach Osten ausdehnen werde. Wenn ich mich richtig erinnere, war der damalige NATO-Generalsekretär Herr Wörner, der das bestätigte, ein Deutscher. Übrigens haben einige deutsche Politiker davor gewarnt und Lösungen vorgeschlagen, wie zum Beispiel Egon Bahr.
Wissen Sie, vor einem Gespräch mit deutschen Journalisten habe ich mir schon gedacht, dass die Rede auf diesen Punkt kommen wird. Deshalb habe ich mir aus dem Archiv Aufzeichnungen von Gesprächen zwischen den sowjetischen Führern und einigen deutschen Politikern - darunter Egon Bahr - vom Jahr 1990 mitgenommen. Sie haben sie bisher nicht veröffentlicht.
Frage: Sind das Interviews? 
© dpaEgon Bahr warnte schon früh vor einer NATO-Erweiterung
Putin: Nein das sind Arbeitsgespräche zwischen den deutschen Politikern Genscher, Kohl und Bahr und der sowjetischen Führung Herrn Gorbatschow und Herrn Falin, der damals an der Spitze der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei stand. Sie sind noch nie veröffentlicht worden. Sie und Ihre Leser werden die Ersten sein, die diese Reden von 1990 zu lesen bekommen. Sehen Sie, was Egon Bahr sagt:
„Wenn wir bei der Vereinigung von Deutschland nicht die entscheidenden Schritte zur Überwindung der Spaltung Europas und der feindseligen Blöcke machen, wird die Entwicklung einen sehr ungünstigen Verlauf nehmen, sie wird die UdSSR zur internationalen Isolation verdammen." Das hat er am 26. Juni 1990 gesagt.Herr Bahr machte konkrete Vorschläge. Er sprach von der Notwendigkeit, eine neue Allianz im Zentrum Europas zu schaffen.
Europa sollte nicht in die NATO gehen, sondern unter Beteiligung Ostdeutschlands - oder ohne - eine separate Partnerschaft unter Beteiligung der USA und der Sowjetunion bilden.
Die NATO als Organisation, aber zumindest seine militärischen Strukturen, dürfen nicht nach Mitteleuropa ausgeweitet werden. Zu dieser Zeit war er schon ein Patriarch der europäischen Politik, der seine eigene Vision von der Zukunft Europas hatte. Und zu seinen sowjetischen Kollegen sagte er: „Wenn Sie - und damit die Sowjetunion - damit nicht einverstanden, sondern im Gegenteil mit einer Erweiterung der NATO einverstanden sind, werde ich nie mehr nach Moskau kommen. Sie sehen, er war ein sehr kluger Mensch.
Er war zutiefst davon überzeugt, dass man das Format radikal verändern muss, um den Kalten Krieg zu beenden. Aber wir haben nichts getan.
Kommentar: Ähnliche Hackerangriffe auf Mitglieder der US-amerikanischen Regierung und damit verknüpfter Institutionen und Personen brachten so einiges an brisantem Datenmaterial ans Licht. Nachfolgend ein paar Beispiele:
- Hackerangriff enthüllt: Inszenierte IS-Videos auf USB Stick von McCain-Freund gefunden
- Wenn's doch bloß Einsicht wär: CIA-Chef Brennan in geleakten Mails: "Wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir scheitern"
- Wikileaks: Gehackte Mails von CIA-Chef - John Brennan und die Hetzjagd auf "unliebsame Journalisten"
Könnte es nicht auch sein, dass solche Ereignisse als Vorwand zum weiteren Ausbau der Internet- und Email-Überwachung genutzt werden (natürlich für das Volk), während die digitalen Kommunikationen von Geheimdienst-Beamten und Regierungsmitgliedern die höchsten Sicherheitsstandards und Verschlüsselungen erhalten? Auf eine stärkere Zensur im Internet sind die Machthaber ja schon lange ziemlich scharf, da es ihnen ihre Monopolstellung für Informationen nimmt: