Hans-Dietrich Genscher kritisierte zu Lebzeiten, dass die Nato ihr Versprechen, keine Ost-Erweiterung gegen Russland betreiben zu wollen, nicht gehalten habe. Er war ein Gegner der Russland-Sanktionen. Sein Plädoyer: „Es gibt in Europa keine Stabilität ohne Russland, und erst recht nicht gegen Russland.“
© EPA/VITALY ARMANDHans-Dietrcih Genscher mit Michail Gorbatschow, Moskau 1993.
Im Buch „Hans-Dietrich Genschers Außenpolitik“ von Kerstin Brauckhoff und Irmgard Schwaetzer heißt es:
„Obwohl die OSZE Anfang der 1990er Jahre als der gesamteuropäische Sicherheitsrahmen betrachtet wurde, der die Staaten von Vancouver bis Wladiwostok umfasst, schob sich die Nato in den Vordergrund, was Genscher als
,Rückfall in machtpolitisches Denken‘ kritisierte (...) So sei die Nato-Osterweiterung vom
falschen Glauben ausgegangen, ,Sicherheit und Stabilität in Europa seien ohne oder gar gegen Russland und die anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu gewährleisten (...) Der Ukraine-Konflikt scheint ihm Recht zu geben.“
Im August 2015 hatte er im Interview mit der
SZ er den aktuellen Konfrontationskurs der Nato gegen Russland kritisiert: „Wir leben heute in einer globalisierten Welt und sind
viel mehr als früher auf Kooperation zwischen den Staaten angewiesen. Die alte Politik der Konfrontation - Wer ist der Stärkere? Wer hat das Sagen? -
ist unzeitgemäß. Wir brauchen die gemeinsame Kraft aller, um die Krisen um uns herum zu lösen. Dass wir dort, wo wir kooperieren, auch erfolgreich sind, hat vor Kurzem das Iran-Abkommen gezeigt. Die Russen hätten das locker blockieren können, wenn sie gewollt hätten.
Haben sie aber nicht. Das heißt: Wenn beide Seiten es wollen, kann man.“
Als Forum für die Verständigung zwischen der Nato und Russland biete sich der „NATO-Russland-Rat“ an,
der in den Medien nicht erwähnt wird. „Dass davon so wenig Gebrauch gemacht wird, verstehe ich nicht. Dieser Rat wurde ja gerade für diese Zeiten gemacht - nicht wenn die Sonne scheint, sondern wenn es regnet. Ich höre immer wieder, wie schwer es ist, alle gemeinsam an den Tisch zu bekommen. Natürlich ist das eine beschwerliche Prozedur“, so Genscher.
Kommentar: Weise Worte von Genscher... Ziel der US-Elite ist es, Europa (und im speziellen Deutschland) und Russland gegen einander aufzuhetzen: